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Die Queen ist tot

Jahrzehntelanges Warten auf den Thron: Charles ist K├Ânig

Aktualisiert 08.09.2022 - 23:25 Uhr

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Mit dem Tod von Queen Elizabeth II. ist ihr Sohn Charles zum K├Ânig geworden. Was bedeutet das f├╝r die britischen Royals und das Vereinigte K├Ânigreich?

Jahrzehntelanges Warten auf den Thron: Charles ist K├Ânig

Mit dem Tod von Queen Elizabeth II. ist ihr Sohn Charles zum K├Ânig geworden.

Wie geht es nach dem Tod der Queen weiter?

Die K├Ânigin ist tot, es lebe der K├Ânig! Dieser Spruch trifft auch auf die britische Monarchie zu, denn auf dem Thron darf es keine Vakanz geben. Der einst als ┬źewiger Thronfolger┬╗ bel├Ąchelte Charles ist nach dem Tod seiner Mutter Elizabeth II. mit 73 Jahren K├Ânig geworden. Niemand hat so lange auf den Thron gewartet wie er.

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In Umfragen hie├č es fr├╝her, die Briten h├Ątten es lieber, wenn Charles seinem Sohn William den Thron ├╝berlie├če. Doch ernsthaft war das nie eine Option und die Stimmung ├Ąnderte sich. Auch im Selbstverst├Ąndnis der Royals kommt das nicht vor. Die Briten werden k├╝nftig ┬źGod Save The King┬╗ singen. Und dieser King hei├čt offiziell Charles III. Das best├Ątigte der Palast in London, nachdem ihn bereits die britische Premierministerin Liz Truss so genannt hatte. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, der bisherige Thronfolger k├Ânne einen seiner anderen drei Vornamen w├Ąhlen. Der 73-J├Ąhrige hei├čt mit vollem Namen Charles Philip Arthur George.

Dass seine Frau Camilla K├Ânigin (Queen Consort) wird, hatte die Queen erst zu Beginn dieses Jahres als ihren ausdr├╝cklichen Wunsch festgelegt. Es ist ein Titel, den zuletzt die Mutter Elizabeths, die vor 20 Jahren gestorbene Queen Mum, getragen hatte.

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Neunt├Ągige Trauerfeierlichkeiten

Die erste Aufgabe des neuen K├Ânigs ist es, die neunt├Ągigen Trauerfeierlichkeiten f├╝r seine Mutter zu leiten. Einem Bericht des ┬źGuardian┬╗ zufolge wird er nach seiner Proklamation zun├Ąchst auf eine Tour durch die vier Landesteile des Vereinigten K├Ânigreichs – England, Schottland, Wales und Nordirland – aufbrechen, bevor er nach London zur├╝ckkehrt.

Es ist nicht viel dar├╝ber bekannt, wie Charles sein Amt aus├╝ben wird. Spekuliert wird, dass er sich mehr in politische Dinge einmischen will – obwohl das in der britischen Monarchie nicht vorgesehen ist. Das Thema Klimawandel liegt ihm jedenfalls sehr am Herzen. Auch eine Modernisierung des K├Ânigshauses d├╝rfte auf seiner Agenda stehen. Er wolle den Kreis der aktiven Mitglieder verkleinern, hie├č es in Medienberichten. Auch ├╝ber einen Verzicht auf den Buckingham-Palast als st├Ąndige Residenz wurde spekuliert.

Wird er das Gewissen der Nation? Ein Biobauer, der immer wieder seine Meinung zu politischen Themen zum Besten gibt? Aus seinem Umfeld hie├č es einmal, Charles empfinde die Aussicht auf den Thron als ┬źGef├Ąngnis┬╗. Er wollte sein Leben nicht mit Ordensverleihungen vertr├Âdeln, sondern Probleme angehen.

┬źSolange ich denken kann, habe ich dieses au├čergew├Âhnliche Gef├╝hl, heilen und die Dinge verbessern zu wollen┬╗, sagte er einmal. Charles schreckte im Gegensatz zu K├Ânigin Elizabeth II. nie davor zur├╝ck, Position zu beziehen. Er k├Ąmpfte gegen den Klimawandel, stoppte umstrittene Bauvorhaben und half armen Jugendlichen.

In Notizen – wegen seiner krakeligen Handschrift auch Schwarze-Spinnen-Memos genannt – versuchte der Thronfolger, Regierungsmitglieder zu beeinflussen und brockte sich damit ├ärger ein. Als K├Ânig, so f├╝rchteten Beobachter fr├╝her, h├Ątte er mit seinen Standpunkten und Einflussnahmen sogar die Nation spalten k├Ânnen. Beim Staatsbesuch des chinesischen Pr├Ąsidenten Xi Jinping in London blieb er dem Bankett im Buckingham-Palast demonstrativ fern. Das wurde als Protest gegen die Menschenrechtsverst├Â├če in dem Land gedeutet.

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Die Sache mit Diana, K├Ânigin der Herzen

Besonders ├╝bel nahmen ihm die Briten, wie er mit seiner ersten Ehefrau Diana umging, der K├Ânigin der Herzen. Schon kurz nach der Verlobung sorgte die Antwort des Paares, auf die Frage, ob es verliebt sei, f├╝r Stirnrunzeln: Sie platzte mit einem ┬źJa, nat├╝rlich!┬╗ heraus, er sagte: ┬źWas auch immer Verliebtsein hei├čen mag.┬╗

Nach der Hochzeit betrog er die makellos sch├Âne Diana mit seiner Jugendliebe Camilla Parker Bowles, die von einigen britischen Medien als Rottweiler verspottet wurde. Ein Rosenkrieg begann. Als auf Tonbandmitschnitten zu h├Âren war, dass Charles als Tampon Camillas wiedergeboren werden wollte, war f├╝r viele Briten Charles als k├╝nftiger K├Ânig undenkbar.

1996 lie├č das Paar sich scheiden. Nur ein Jahr sp├Ąter starb Diana bei einem Autounfall in Paris. 2005 heiratete Charles Camilla. Die beiden verschafften sich – ganz langsam, aber stetig – durch seri├Âses Auftreten und viel Flei├č wieder Respekt. Der Thronfolger vertrat seine Mutter bei unz├Ąhligen Terminen, reiste als Botschafter durch Europa, um die vom Brexit verst├Ârten europ├Ąischen Partner zu bes├Ąnftigen und war volksn├Ąher als je zuvor. Privat geht das Paar wandern und fischen, abseits der Glitzerwelt.

Charles‘ Ruf als verw├Âhnter Eigenbr├Âtler, der mit Blumen spricht, ist er nie ganz losgeworden. Traumanalysen, spirituell gepr├Ągte Erlebnisse in der Kalahari-W├╝ste, seine Besch├Ąftigung mit dem islamischen Sufismus – das mag etwas suspekt klingen.

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Charles beschrieben als ┬źhoffnungslos d├╝nnh├Ąutig┬╗

Sally Bedell Smith beschreibt ihn in ihrer Biografie als ┬źhoffnungslos d├╝nnh├Ąutig┬╗ und intolerant gegen├╝ber abweichenden Meinungen, aber auch als Freigeist mit au├čerordentlichem Sinn f├╝r ├ästhetik. Die US-Journalistin Catherine Mayer zeichnet in ihrem Buch das Bild eines Top-Unternehmers, der auch viel Neid und Missgunst s├Ąte. Kurzum: Er ist eine ambivalente Pers├Ânlichkeit.

Die Ursachen vermutet sein Umfeld auch in seinem eher schwierigen Verh├Ąltnis zu den Eltern und in seiner Erziehung. Seine Mutter habe kaum Zeit f├╝r ihn und seine drei Geschwister gehabt, beklagte sich Prinz Charles. Oft kr├Ąnkelnd, nicht gerade sportlich und Angst vor Pferden – die Queen soll ihren ├ältesten f├╝r einen Sp├Ątz├╝nder gehalten haben. Mit dem Alter lernten sie sich aber sch├Ątzen.

2017 spekulierte der BBC-Spielfilm ┬źKing Charles III┬╗, was passieren k├Ânnte, wenn die Queen stirbt. Der Inhalt wirkte skurril: Der neue K├Ânig weigert sich, ein┬áGesetz zur Einschr├Ąnkung der Pressefreiheit zu unterschreiben. Das l├Âst eine Verfassungskrise und landesweite Proteste aus. Daraufhin beordert der Film-Charles einen┬áPanzer vor den Buckingham-Palast. Soweit die Fantasie im Fernsehen.

Charles hatte viel Zeit, ├╝ber seine Rolle nachzudenken. Er ist seit dem 6. Februar 1952 Thronfolger. Er war drei Jahre alt, als seine Mutter K├Ânigin wurde und eine ├ära begann. Um angemessen in ihre Fu├čstapfen zu treten, fehlt es dem greisen Monarchen allein schon an Lebenszeit.

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