Solingen
Tödliches Familiendrama in Solingen
Stand 04.09.20 - 10:18 Uhr
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Fünf Kinder sind tot, eines überlebte. Die Tatverdächtige: die 27 Jahre alte Mutter. Das Verbrechen von Solingen schockiert viele Menschen. Wie konnte das passieren, was war das Motiv? Viele Fragen sind noch offen.
Ein Teddybär und eine Kerze vor dem Wohnhaus in Solingen.
Foto: Marcel Kusch/dpa
Junge Mutter tötet fünf ihrer Kinder
Solingen (dpa) – Eine Mutter aus Solingen soll fünf ihrer sechs Kinder getötet haben. Die Kinder wurden am Donnerstag in einer Wohnung in der Stadt im Bergischen Land gefunden, wie die Polizei in Wuppertal der Deutschen Presse-Agentur bestätigte.
- Anzeige -Mutter versuchte Selbstmord zu begehen
Die tatverdächtige 27-jährige Mutter hatte sich später laut NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) im Düsseldorfer Hauptbahnhof vor einen Zug geworfen und schwer verletzt überlebt. Die Mutter begleitet hatte zunächst ein weiteres Kind (11), das wohlauf sei. Die toten Kinder seien 8, 6, 3, 2 Jahre beziehungsweise ein Jahr alt gewesen. Der Tatort liegt im Solinger Stadtteil Hasseldelle. Die Leichen wurden in einem Mehrfamilienhaus entdeckt. Die Großmutter, die im 60 Kilometer entfernten Mönchengladbach lebt, habe die Polizei kurz vor 14 Uhr informiert, teilten die Einsatzkräfte mit. Kurz zuvor habe sie noch Kontakt mit ihrer Tochter gehabt. Vor dem Haus in Solingen waren am Nachmittag zahlreiche Polizei- und Rettungswagen zu sehen. Der Tatort wurde weiträumig abgesperrt.
Ein Kind überlebt
Bei den toten Kindern handele es sich um drei Mädchen im Alter von eineinhalb, zwei und drei Jahren sowie um zwei sechs und acht Jahre alte Jungen, so die Polizei. Der elfjährige Sohn, der überlebt hat, befinde sich inzwischen «im sicheren Familienumfeld». Zum Vater konnte die Polizei nach eigenen Angaben Kontakt aufnehmen, näher äußerten sich die Ermittler zu ihm aber vorerst nicht. Die tatverdächtige Mutter sei mit dem Elfjährigen zum Düsseldorfer Hauptbahnhof gefahren, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Von dort aus sei der Junge allein mit einem anderen Zug Richtung Mönchengladbach zur Großmutter weitergefahren. Die 27-Jährige warf sich den Angaben der Ermittler zufolge um 13.47 Uhr vor eine S-Bahn der Linie 1. Laut einem Feuerwehrsprecher wurde die Frau zwischen zwei Gleisbetten geborgen und verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die Frau ist laut Polizei Deutsche. Gegen 14.00 Uhr fanden die Einsatzkräfte die Leichen der fünf Kinder.
- Anzeige -Das Motiv der Frau ist noch unklar
"Wir nehmen eine Straftat an und werden die Mutter dazu befragen müssen, im Moment ist sie aber noch nicht vernehmungsfähig", sagte Polizeisprecher Stefan Weiand in Solingen. "Was wann genau warum passiert ist, wissen wir noch nicht, nur, dass es eine sehr tragische Situation ist." Auf Gerüchte, wonach die Kinder mit rowtten getötet worden sein könnten, gingen die Ermittler nicht ein. "Wir wissen nicht, wie sie ums Leben gekommen sind", sagte ein Sprecher. Eine Obduktion soll die Todesursache klären. Bis in den Abend war die Spurensicherung vor Ort. Die Leichen waren bis dahin noch nicht abtransportiert. Solingens Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) war nach einem Besuch am Tatort sichtlich schockiert. «Heute ist ein Tag, an dem wir in Solingen sehr traurig sind, weil eine Tat geschehen ist, die uns tief ins Herz getroffen hat», sagte Kurzbach gegenüber Journalisten vor Ort. Am Abend fanden sich Kurzbach und weitere Politiker verschiedener Parteien schweigend zu einer Trauerminute ein.
Die ganze Stadt zeigt sich bestürzt
Solingen liegt im Bergischen Land, rund 25 Kilometer von Düsseldorf entfernt. Der für Solingen zuständige Wuppertaler Polizeipräsident Markus Röhrl sagte vor Ort der dpa: "Das ist eine erschütternde Dimension.» Seines Wissens sei «bei uns im Bergischen noch nie zuvor je so etwas vorgekommen". Auch Landesinnenminister Reul zeigte sich erschüttert: «Das Familiendrama von Solingen erfüllt mich mit großer Trauer und im Moment bin ich mit meinen Gedanken und mit meinem Gebet bei fünf kleinen Kindern, die so furchtbar früh aus dem Leben gerissen wurden." Immer wieder lösen Fälle, bei denen Elternteile ihre Kinder töten, Entsetzen aus. In Nordrhein-Westfalen hatte im vergangenen April ein 41-Jähriger seine Frau sowie drei Kinder getötet und sich von einer Brücke in den Tod gestürzt.
- Anzeige -Kriminalexperte vermutet Hilf- und Perspektivlosigkeit durch Pandemie
Der Fall deutet nach Ansicht des Kriminalexperten Axel Petermann auf Hilf- und Perspektivlosigkeit der Mutter hin. Mögliche Warnzeichen für die Tat seien zudem womöglich wegen der Coronavirus-Pandemie nicht rechtzeitig erkannt worden, sagte Petermann der Deutschen Presse-Agentur. So sei beispielsweise denkbar, dass durch das Ausfallen von Schulunterricht und Kindergartenbetreuung Mechanismen nicht greifen konnten, die sonst Hilfe oder Unterstützung ermöglicht hätten.
© dpa-infocom, dpa:200903-99-418218/16
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