Coronavirus in Deutschland
Stiko empfiehlt Impfung nur für vorerkrankte Kinder und Jugendliche
Stand 10.06.21 - 17:18 Uhr
0
Auch Kinder impfen oder nicht? Seit Wochen diskutiert Deutschland über diese Frage. Mitglieder der Ständigen Impfkommission haben nun ihre Empfehlung für die Altersgruppe ab 12 Jahren abgegeben.
© Foto: shutterstock
Keine generelle Empfehlung für Kinder-Impfung
Berlin (dpa) – Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat in der Pandemie keine generelle Impfempfehlung für gesunde Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ausgesprochen.
- Anzeige -Sie empfiehlt Impfungen gegen das Coronavirus aber für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen. Nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und der Risikoakzeptanz von Kindern, Jugendlichen oder ihren Eltern sei eine Impfung aber auch bei gesunden jungen Leuten möglich, heißt es im jüngsten Bulletin des Robert Koch-Instituts, das am Donnerstag erschien.
Zulassungsstudie mit relativ kleiner Gruppe Kinder
«Es geht um eine Abwägung von Nutzen und möglichem Risiko», sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Wirkung der Impfung für 12- bis 17-Jährige sei dabei unbestritten. «Die Schutzwirkung ist sehr gut», betonte Mertens.
Durch die relativ kleine Gruppe von rund 1100 Kindern und Jugendlichen in der Zulassungsstudie und einen Beobachtungszeitraum von nur zwei Monaten seien aber mögliche schwere Nebenwirkungen nicht hinreichend auszuschließen. Dazu sei das Risiko für 12- bis 17-Jährige, schwer an Covid-19 zu erkranken, sehr gering.
- Anzeige -«Wir hatten in dieser Altersgruppe in Deutschland bisher nur zwei Todesfälle», berichtete Mertens. In beiden Fällen hätten schwerste Vorerkrankungen vorgelegen. «Unsere Abwägung muss jeder verstehen», ergänzte er. «Es ist eine sachgerechte Empfehlung.»
Die EMA hat den Impfstoff für 12-17 Jahre freigegeben
Nach einer Empfehlung der Arzneimittelbehörde EMA hatte die EU-Kommission Ende Mai offiziell die Zulassung für die Impfung von Kindern ab zwölf Jahren mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer erteilt. Die Stiko hatte bereits mehrfach angedeutet, dass sie aus Mangel an Daten zunächst keine allgemeine Impfempfehlung für alle Kinder ab 12 abgeben will.
Spahn will Kinder-Impfung auch ohne Stiko-Empfehlung
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, Kinder und Jugendliche auch ohne allgemeine Stiko-Empfehlung in die Impfkampagne einbinden zu wollen. Es sei dann eine individuelle Entscheidung von Eltern mit ihren Kindern und den Ärzten.
Dieses Modell kritisiert Mertens nachträglich nicht. «Die Stiko-Empfehlung macht das auch möglich», sagte er. «Viele Eltern hatten Angst vor einer Impfpflicht. Sie sind jetzt zu Recht beruhigt.»
- Anzeige -Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche mit Vorerkrankungen
Nach Stiko-Angaben leiden von den rund 4,5 Millionen 12- bis 17-Jährigen in Deutschland Schätzungen zufolge rund 379 000 generell an Vorerkrankungen. Die Stiko schränkt ihre Impfempfehlung allerdings auf rund ein Dutzend Krankheitsbilder ein, die mit erhöhtem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf einhergehen.
Dazu zählen im Einzelnen:
- Adipositas (Fettleibigkeit),
- angeborene oder erworbene Immundefizienz oder relevante Immunsuppression,
- angeborene zyanotische Herzfehler,
- schwere Herzinsuffizienz,
- schwere pulmonale Hypertonie,
- chronische Lungenerkrankungen mit einer anhaltenden Einschränkung der Lungenfunktion,
- chronische Niereninsuffizienz,
- chronische neurologische oder neuromuskuläre Erkrankungen,
- maligne Tumorerkrankungen,
- Trisomie 21, s
- yndromale Erkrankungen mit schwerer Beeinträchtigung
- sowie ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus.
Zusätzlich geht es um eine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren, in deren Umfeld sich Angehörige oder andere Kontaktpersonen mit hoher Gefährdung für einen schweren Covid-19-Verlauf befinden. Dabei geht es aber um Menschen, die selbst nicht geimpft werden können oder bei denen der begründete Verdacht auf einen nicht ausreichenden Schutz nach Impfung besteht.
- Anzeige -Noch kein Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren zugelassen
Für Kinder unter 12 Jahren ist bisher noch kein Impfstoff zugelassen. «Die sehr große Gruppe der ebenfalls als gefährdet anzusehenden chronisch kranken Kinder im Säuglings-, Kleinkindes- und Schulalter muss bislang ohne Impfangebot bleiben», sagte Markus Knuf, Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie.
Insgesamt gibt es mehr als 15 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland. «Die können wir nicht einfach außen vor lassen», ergänzte er. Die einfache Formel «Kinder erkranken nicht oder nur sehr leicht, deshalb ist eine Impfprävention nicht notwendig» könne so nicht gelten.
Allein seiner Fachgesellschaft seien rund 1600 Krankenhausaufnahmen von Kindern und Teenagern wegen Covid-19 bekannt. 80 von ihnen hätten intensivmedizinisch betreut werden müssen. Unter den wegen Covid-19 aufgenommenen Kindern seien rund die Hälfte Säuglinge und Kleinkinder gewesen. Bei all diesen Zahlen gehen die Kinderärzte noch von einer Untererfassung aus. Er halte die Einschränkungen der Stiko allein für einen Schritt in der Impfempfehlungsdynamik, sagte Knuf. «Das ist sicher nicht in Beton gegossen.»
Bleib immer bestens informiert!
Mit unserem kostenlosen 95.5 Charivari-Newsletter verpasst du keine Highlights mehr. Von Top-Konzerten über exklusive Gewinnspiele bis hin zu Einblicken in Larissa Lannert live - wir liefern dir wöchentlich alles Wichtige direkt in dein Postfach.
Mehr Beiträge und Themen
Zimmerbrand in der Schwanthalerstraße: Feuerwehr war im Einsatz, Vollsperrung. Mittlerweile ist der Brand unter Kontrolle und alle betroffenen Personen wurden gerettet.
Zwei Anwohner der Landshuter Allee erstreiten langsameres Fahren am Mittleren Ring für bessere Luft - doch die Stadt München will das Tempolimit nicht ändern. Jetzt hofft sie auf die nächste Instanz.
Die Eisbachwelle im Englischen Garten ist zurück! Überraschende Wende nach Surfverbot. Erfahre mehr über den Testbetrieb und die geplante Demo.
„All good things come to an end.“ Nach fast zehn Jahren muss der Blitz Music Club nun seine Türen schließen.
Die Debatte über Social-Media-Verbote für Kids läuft auf Hochtouren. Allen voran schaltet sich der Kanzler ein. Doch kann ein Verbot alleine ausreichen?
Hunderttausende Pendler müssen in München kommende Woche schon wieder nach Alternativen zum ÖPNV suchen.
Es geht wieder los: die Starkbierfeste in München. Wir zeigen dir, wo sie stattfinden und wann du dabei sein kannst.
Im Urwaldhaus klammert sich das Schimpansenbaby an Mama Zenta und wirft erste neugierige Blicke – ein niedlicher Anblick für Gäste im Münchner Tierpark Hellabrunn.
Ein Gericht ordnet an, dass an der Landshuter Allee in München langsamer gefahren werden muss. Trotzdem will der Oberbürgermeister erst mal nichts ändern. Jetzt erhöht die Gegenseite den Druck.
Hast du schon mal was richtig Cooles bei einer Versteigerung ergattert? Am 25. Februar 2026 hast du wieder die Chance! Die MVG versteigert jede Menge Fundsachen, die in U-Bahn, Tram und Bus liegengeblieben sind.
DESK
Die Gewerkschaft Verdi ruft ihre Mitglieder, die im öffentlichen Nahverkehr beschäftigt sind, zur Arbeitsniederlegung auf. Betroffen sind unter anderem München, Nürnberg und Augsburg.
Die Stadt scheiterte mit einem Antrag, den Vollzug auszusetzen, bis der Bayerische Verwaltungsgerichtshof entschieden hat.
Alle Jahre wieder feiern wir in München den irischen Nationalfeiertag. So groß, wie sonst nirgends auf dem europäischen Festland. Alle Infos zum St.Patrick's Day bekommst du hier!
Es schneite und schneite: Am Flughafen München hat das in der Nacht zum Freitag weitreichende Folgen für Hunderte Reisende gehabt.
Strengere Vorgaben für den Umgang junger Menschen mit sozialen Medien bekommen immer mehr Unterstützung. Nach der SPD votiert nun auch die CDU für gesetzliche Schranken.
Giesinger Bräu plant seine Bierrevolution: Brauerei-Chef Steffen Marx kündigte an, einen Bürgerentscheid anzustoßen, um sein Bier ab 2027 auf der Wiesn ausschenken zu dürfen.
Eine Mutter aus München-Giesing hat sich an Larissa gewandt – mit einer Bitte, die ans Herz geht. Jede Unterstützung hilft!