Wissenschaftliches Expermient
1.200 Euro im Monat: In Deutschland startet ein Projekt zum bedingungslosen Grundeinkommen
Stand 24.08.20 - 11:06 Uhr
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In Deutschland startet ein wissenschaftliches Experiment zum bedingungslosen Grundeinkommen. Welche Erkenntnisse soll es liefern und wer kann sich bewerben? Mehr Infos hier.
Foto: shutterstock
Ein wissenschaftliches Experiment für mehr Zufriedenheit
Ein monatliches Grundeinkommen von 1200 Euro, für 120 Teilnehmer eines Pilotprojekt zur Untersuchung der konkreten Auswirkungen eines solchen Grundeinkommens wird der Traum Realität.
- Anzeige -Freiwillige können sich bereits auf einer Online-Bewerbungsseite registrieren. Einzige Voraussetzungen sind: die Volljährigkeit und der erste Wohnsitz in Deutschland. Drei Jahre lang soll den Ausgelosten das Geld ausgezahlt werden und zwar unabhängig davon, was sie sonst noch verdienen oder besitzen.
Wissenschaftliche Studie zum bedingungslosen Grundeinkommen
Gestartet wurde das Langzeitprojekt vom gemeinnützigen Verein "MeinGrundeinkommen", dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts und der Uni Köln; dabei handelt es sich um die erste wissenschaftliche Untersuchung dieser Art für Deutschland.
Bei dem Experiment das im Frühjahr 2021 starten soll gibt es außer den 120 Teilnehmern noch eine Kontrollgruppe. Sie sol aus 1380 Menschen bestehen, die das Geld nicht erhalten, aber genauso untersucht werden wie die Grundeinkommensbezieher. So wollen die Forscher feststellen, welche Änderungen nun wirklich auf das Grundeinkommen zurückzuführen sind.
- Anzeige -Die Versuchsteilnehmer beider Gruppen werden aus allen Personen ausgewählt, die sich auf der Website des Projektes für eine Teilnahme bewerben. Um die Stichprobe des durch spenden finanzierten Projekts möglichst repräsentativ zu halten, hoffen die Forscher auf eine Million Bewerber bis November.
Wie würde ein Grundeinkommen unser Leben verändern?
Um das herauszufinden werden die Teilnehmer der Studie regelmäßig befragt. Interessant ist dabei welche Aspekte des Lebens beeinflusst werden; zum Beispiel die berufliche Situation der Teilnehmer. Arbeiten sie mit dem Grundeinkommen mehr, weniger oder anders?
Aber auch Veränderungen der allgemeinen Zufriedenheit oder möglichen Auswirkungen auf die Gesundheit wollen die Wissenschaftler nachgehen. Zum Beispiel: Inwiefern sinken Existenzängste, Stress und Burnoutgefahr? Was machen die Menschen mit der zusätzlichen finanziellen Absicherung und was macht diese mit ihnen?
- Anzeige -Es gab bereits Untersuchungen zum Grundeinkommen in anderen Ländern
Ähnliche Experimente wurden bereits in verschiedenen Ländern durchgeführt. So erhalten etwa bei einem Langzeitexperiment in Kenia seit einigen Jahren Tausende Menschen ein Grundeinkommen von umgerechnet 20 Euro im Monat. Allerdings kann man die Erkenntnisse dieses Beispieles nur schlecht auf Deutschland übertragen.
Das Experiment aus Finnland käme da eher in Frage, da sich der gesellschaftlicher Aufbau der beidern EU- Länder nicht ganz so stark unterscheiden. Die finnische Regierung zahlte bei ihrem Experiment über zwei Jahre lang ein bedingungsloses Grundeinkommen von monatlich 560 Euro aus. Jedoch gab es einen klaren Unterschied zum geplantem deutschen Projekt und zwar waren in Finnland alle 2000 Teilnehmer arbeitslos.
- Anzeige -Beim deutschen Experiment sollen die Teilnehmer aus möglichst vielen gesellschaftlichen Schichten kommen. Forscher Jürgen Schnupp vom DIW meint, dass die weltweiten Experiment für die aktuelle Debatte in Deutschland weitgehend unbrauchbar seien. "Sie sind entweder veraltet, nicht verallgemeinerbar oder untersuchen das Grundeinkommen nur für Erwerbslose. Vor diesem Hintergrund betreten wir in Deutschland mit dieser Studie wirklich wissenschaftliches Neuland", betont Schnupp. Das Modell eines bedingungslosen Grundeinkommens ist hart umstritten und sorgt für viel Diskussion.
Befürworter: Grundeinkommen sorgt für Sicherheit
Auf der Einen Seite stehen die Befürworter, sie loben die Idee als eine menschenwürdige Alternative zu Hartz IV, die zu mehr Freiheit und Zufriedenheit führen soll. Diese These wird vom finnischen Experiment gestützt. Die Bezieher des Grundeinkommens waren laut dem Abschlussbericht der Forscher "zufriedener mit ihrem Leben und litten seltener unter psychischer Belastung, Depressionen, Traurigkeit und Einsamkeit."
Auch Auch viele Gewinner Lotterie von MeinGrundeinkommen – einem Berliner Verein , der durch Spenden finanziert wird – berichten von gestiegener Lebenszufriedenheit aufgrund der zusätzlichen Sicherheit.
- Anzeige -Kritiker: Grundeinkommen, nur was für Faulenzer
Auf der anderen Seite sind die Gegner des Grundeinkommens. Sie sehen darin eine unbezahlbare Sozialutopie, die den Menschen die Motivation zum Arbeiten nimmt . Zudem führen sie die benötigte Unmenge an Kosten an, denn rein rechnerisch würde ein Grundeinkommen von 1.000 Euro für knapp 83 Millionen Bundesbürger fast eine Billion Euro im Jahr kosten. Zum Vergleich: die gesamten Staatsausgaben liegen bisher laut Statistischem Bundesamt bei knapp 1,5 Billionen Euro im Jahr.
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Das erwarten die Forscher vom Projekt bedingungsloses Grundeinkommen
DIW-Forscher Schupp erwartet im anstehenden Experiment, dass tatsächlich einige ihren Job aufgeben, "die ausschließlich wegen des Geldes arbeiten." Ihm sei aber auch aus sozialwissenschaftlichen Erhebungen bekannt, dass viele bei einem unerwarteten Geldgeschenk von 10.000 Euro mitnichten ihr Leben auf den Kopf stellen würden."
Rund die Hälfte der Bewerber antwortete, dass sie nichts ändern und das Geld gar nicht anfassen, sondern in ihre Rücklage stecken würden. "Es würde mich nicht wundern, wenn ein ähnlich hoher Anteil unserer Grundeinkommensbezieher es so halten wird", meint Schnupp.
Folgestudien in Planung
Für die Zukunft sind bereits zwei Folgestudien in Planung: eine soll sich mit einem günstigeren Grundeinkommen beschäftigen, die andere mit einem Konzept zur Finanzierung. Ab 2022 soll untersucht werden, wie stark die positiven Effekte aus der Anfangsstudie noch sind. Und schließlich soll betrachtet werden, was passiert, wenn das Grundeinkommen mit einer simulierten Steuer von 50 Prozent auf alle sonstigen Einkünfte verrechnet wird.
"Am Ende der drei Studien können Aussagen darüber getroffen werden, ob das Grundeinkommen einen Effekt erzeugt und ob dieser Effekt durch das zusätzliche Geld oder durch vermehrte psychologische Sicherheit entsteht", heißt es in der schriftlichen Projektvorstellung.
Weitere Infos auf der Homepage des Vereins "MeinGrundeinkommen"
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