Landgericht München I
Nach Tod einer 14-Jährigen – Münchner Raser wegen Mordes verurteilt
Stand 23.03.21 - 17:19 Uhr
0
Ein Autofahrer flieht vor der Polizei, rast in eine Gruppe Jugendlicher, ein 14-Jähriger wird erfasst und stirbt. Jetzt ist vor Gericht das Urteil gegen den Fahrer gefallen.
© Foto: shutterstock
Lebenslange Haft nach tödlichem Raserunfall
München (dpa) – Im Prozess um einen tödlichen Raserunfall in München ist der Angeklagte wegen Mordes, vierfachen Mordversuches, gefährlicher Körperverletzung und verbotenen Kraftfahrzeugrennens mit Todesfolge zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das entschied das Landgericht München I am Dienstag. Außerdem wurde die Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt angeordnet.
- Anzeige -Die Vorsitzende Richterin Elisabeth Ehrl sprach von einem tragischen Abend, traumatischen Erlebnissen und «Sekunden oder Zehntelsekunden, die über Leben und Tod entschieden». Der Angeklagte nahm das Urteil regungslos und mit gesenktem Blick entgegen.
Auf der Flucht vor der Münchner Polizei
Der Deutsche aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen war am 15. November 2019 kurz vor Mitternacht auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle auf der Gegenfahrbahn durch die Stadt gerast. Er soll geflohen sein, weil er unter Drogeneinfluss stand, damit gegen Bewährungsauflagen verstieß und Angst hatte, ins Gefängnis zu kommen.
Nach Angaben der Ermittler ignorierte er mehrere rote Ampeln und erfasste – nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit mehr als 120 Kilometern in der Stunde – zwei 14 und 16 Jahre alte Jugendliche, die gerade die Straße überquerten. Der 14-Jährige starb, die 16-Jährige wurde schwer verletzt.
- Anzeige -«Schock, Schuldgefühle, Selbstmordgedanken»
«Für das, was passiert ist, habe ich keine Worte», hatte der Angeklagte zu Beginn des Prozesses über seine Verteidigerin ausrichten lassen. «Schock, Schuldgefühle, Selbstmordgedanken» empfinde er. «Heute kann ich sagen, dass ich die Gefahr vollkommen unterschätzt und mich überschätzt habe.»
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Mord und mehrere Mordversuche vor. «Dass bei seiner Fahrweise das von ihm gelenkte Fahrzeug eine nicht vorhersehbare Anzahl von Menschen töten könnte, nahm er billigend in Kauf», sagte die Staatsanwältin bei der Verlesung der Anklage. «Durch dieses Vorgehen stellte er seine Interessen – nämlich eine erneute Inhaftierung unter allen Umständen zu vermeiden – in krasser Eigensucht über das Lebensrecht anderer Verkehrsteilnehmer.»
- Anzeige -Verteidigerin erhebt Vorwürfe gegen die Polizei
Die Verteidigung hatte diesen Mordvorwurf schon zu Beginn des Prozesses kritisiert. «Es handelt sich hier um eine Mordanklage, die vor vier oder fünf Jahren wohl nicht erhoben worden wäre», sagte seine Anwältin zum Prozessauftakt. «Wie kommt man dazu, davon auszugehen, dass unser Mandant vorsätzlich Personen ermorden wollte?» Sie erhebt auch Vorwürfe gegen die Polizisten, die den Angeklagten verfolgten, nachdem er sich der Kontrolle entzogen hatte. Man müsse sich «mit der Frage auseinandersetzen, ob die Reaktion der Polizei okay war», sagt sie. «Macht es im Hinblick auf die Gefährdungslage vielleicht gar keinen Unterschied, ob ich der Flüchtende oder Verfolgende bin?»
Aus ihrer Sicht sollte lediglich eine Verurteilung ihres Mandanten wegen eines illegalen Autorennens mit Todesfolge in Frage kommen. Damit läge die Höchststrafe bei zehn Jahren. «Nicht jedes Fehlverhalten im Straßenverkehr, bei dem ein Mensch zu Tode kommt, ist ein Mord.»
Bleib immer bestens informiert!
Mit unserem kostenlosen 95.5 Charivari-Newsletter verpasst du keine Highlights mehr. Von Top-Konzerten über exklusive Gewinnspiele bis hin zu Einblicken in Larissa Lannert live - wir liefern dir wöchentlich alles Wichtige direkt in dein Postfach.
Mehr Beiträge und Themen
Schon wieder Einschränkungen auf der Stammstrecke. Wir sagen euch, wir ihr von A nach B kommt.
Bei einem Busunfall im Norden von München sind mehrere Menschen verletzt worden, darunter auch Kinder.
Zur Fußball-WM 2026 geht mit „Die WM-WG“ von Absolut Fußball (powered by IPPEN.MEDIA) eine tägliche Show an den Start, die Fans kompakt, locker und nah am Geschehen durch das Turnier begleitet. Ihr wollt bei der Weltmeisterschaft nichts verpassen? Dann schaltet täglich um 12 Uhr ein - WM-News, Experten-Interviews, Reporter vor Ort, Ergebnisse und mehr warten auf euch!
Die Fußball-WM 2026 wird größer als je zuvor: 48 Teams, drei Gastgeberländer und so viele Spiele wie noch nie. Hier gibt’s die wichtigsten Infos zum Turnier auf einen Blick.
München im Fußballfieber: Überall in der Stadt könnt ihr mit euren Freunden die WM 2026 verfolgen - ob in Biergärten, Bars oder Eventlocations.... Wir haben die besten Tipps für euch
Die Blutkonserven in Bayern werden knapp – auch, weil es an Spendern fehlt. Hier findest du Termine und Orte zum Spenden.
Er ist einer der wichtigsten Knotenpunkte im Münchner Verkehrsnetz - der Luise-Kiesselbach-Tunnel. Und dieser muss im Juli großräumig umfahren werden. Wegen eines LKW-Brands vor zwei Jahren, wird er saniert und das einen ganzen Monat lang...
Brandgeruch im Tower am Münchner Flughafen legte den Flugverkehr lahm - nach zwei Stunden wurde dieser wieder aufgenommen.
Die Löwen kündigen nach 15 Jahren die Kooperation mit Investor Ismaik - das sind die Hintergründe!
Bitterer Abstieg für die Löwen: Weil sie die 2,7 Millionen Euro nicht aufbringen können, spielen sie nicht mehr in der 3. Liga in der kommenden Saison...
DESK
Nach dem Busunglück bei Hebertshausen helfen Spendenaktionen den betroffenen Familien.
Literweise Bier auf der Straße: Ein Getränkelaster sorgt am Altstadtring für Verkehrsbehinderungen
Sonnwendfeuer in München Stadt und Land: Hier erfährst du, wo und wie die kürzeste Nacht des Jahres gefeiert wird.
CSD München 2026: Drei Tage Pride mit PolitParade, neuer PrideMeile und RathausClubbing in der Stadt.
Was für ein phänomenaler Start der DFB-Elf beim ersten Spiel! Sieben Tore haben die Deutschen geschossen - so spannend war das Spiel...
Große Konzerte in der Allianz Arena sorgen im Juni für volle U-Bahnen. Das solltet ihr wissen



