Historischer Fund
Mittelalterliche Siedlung nördlich von München entdeckt
Stand 07.08.24 - 10:33 Uhr
Reste von Häusern und Kellern, Gräber, auch der Grundriss einer Kirche: Der mittelalterliche Fund im Norden Münchens begeistert die Archäologen.
©Bayerische Landesamt für Denkmalpflege
Sensationsfund bei Bauarbeiten in Oberschleißheim
Oberschleißheim (dpa/lby) – Bei Bauarbeiten in Oberschleißheim sind Überreste einer bisher unbekannten mittelalterlichen Siedlung entdeckt worden. Der Fund auf dem Gelände des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) umfasst Hausgrundrisse, Öfen, Grubenhäuser und Erdkeller sowie die Spuren einer Kirche aus dem Zeitraum des 9. bis 13. Jahrhunderts nach Christus, wie Experten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD) berichteten.
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©Bayerische Landesamt für Denkmalpflege
Die Ausgrabungen bieten demnach seltene und umfassende Einblicke in die Entwicklung und Organisation hochmittelalterlicher Siedlungen in der Region. Möglicherweise könnten Recherchen in historischen Karten oder anderen schriftlichen Quellen einen Ortsnamen liefern.
Im Zentrum der Siedlung wurde der Grundriss einer Kirche mit eingezogener Apsis freigelegt. Rund um das Kirchengebäude entdeckten die Archäologinnen und Archäologen etwa 20 Bestattungen. Unterhalb des einstigen Kirchenbodens fanden sich Hinweise auf eine weitere Grabgrube, deren Geheimnisse noch gelüftet werden müssen.
Geschichte von Münchens Stadtgründung
«Die Beisetzung im Innenraum einer Kirche war im frühen Mittelalter selten und nur höhergestellten Personen vorbehalten», sagte Jochen Haberstroh, stellvertretender Leiter der Abteilung Bodendenkmalpflege am BLfD. «Die Entdeckung dieser Siedlung hilft uns, die Geschichte der Region zur Zeit der Stadtgründung Münchens besser zu verstehen.»
©Bayerische Landesamt für Denkmalpflege
Frühmittelalterliche Siedlungsreste seien in der Münchner Schotterebene wegen verstärkter Bautätigkeiten immer wieder gefunden worden. Dieser Fund sei aber durch seine Vollständigkeit besonders aufschlussreich. Warum die einstige Siedlung im Oberschleißheimer Ortsteil Neuherberg um das Jahr 1300 aufgegeben wurde, gelte es noch zu ergründen. Dazu wollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter anderem Bodenproben analysieren und die Bestattungen genauer untersuchen.
Wenn die archäologischen Arbeiten abgeschlossen sind, soll auf dem Gelände ein Neubau für die mehr als 200 Beschäftigten des Bundesamtes für Strahlenschutz entstehen. «Die Grabungen und ihre spannenden Ergebnisse zeigen, dass der Standort im Norden von München auch früher schon attraktiv war – und dass es dazu noch viel zu erforschen gibt», sagte die BfS-Präsidentin Inge Paulini.
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