Brief als Beweisstück
Neue Untersuchungen zeigen: Anne Frank soll von jüdischem Notar verraten worden sein
Stand 17.01.22 - 14:27 Uhr
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Ihr Tagebuch hat es zu trauriger Berühmtheit gebracht. Anne Frank und ihre Familie versteckten sich in Amsterdam vor den Nazis, dann wurden sie verraten. Nun gibt es neue Hinweise zum möglichen Verräter.
Das jüdische Mädchen Anne Frank, das durch ihre Tagebuchaufzeichnungen im Versteck ihrer Familie in Amsterdam (Niederlande) während des Zweiten Weltkriegs bekannt wurde. Foto: -/ANP/dpa
Forscher präsentieren neue Erkenntnisse aus dem Fall Anne Frank
Amsterdam (dpa) – Das Versteck von Anne Frank und ihrer Familie in Amsterdam vor den Nationalsozialisten ist nach neuen Untersuchungen sehr wahrscheinlich von einem jüdischen Notar verraten worden.
Dieses Ergebnis eines Untersuchungsteams wurde am Montag in niederländischen Medien präsentiert. Danach hatte der Notar Arnold van den Bergh den deutschen Besatzern eine Liste mit Verstecken von Juden in Amsterdam übergeben, um das Leben seiner eigenen Familie zu retten. Fünf Jahre lang hatte ein internationales Team den Fall mit den neuesten Techniken untersucht.
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Kopie eines Briefes dient als Beweisstück
Hauptbeweis ist die Kopie eines anonymen Briefes, den Annes Vater Otto Frank 1946 bekommen hatte. Darin wird der Name des Notars bereits genannt. Das Original des Briefes ist zwar verschwunden, im Amsterdamer Stadtarchiv war jedoch eine Kopie gefunden worden. Diese Spur war nach Angaben der Untersucher bisher nie ausführlich untersucht worden.
Die jüdische Familie Frank sowie vier weitere Menschen waren von 1942 bis 1944 in einem Hinterhaus in Amsterdam untergetaucht. Dort hatte Anne (1929 – 1945) ihr weltberühmtes Tagebuch geschrieben. Im August 1944 wurde das Versteck verraten. Die Familie wurde in Konzentrationslager deportiert und ermordet. Nur Vater Otto überlebte.
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Untersuchungen zu Anne Frank: Keine Gewissheit 77 Jahre nach Kriegsende
Der Notar war Mitglied des Jüdischen Rates, hatte daher viele Kontakte und war zunächst vor Deportation geschützt. Doch 1944 fiel dieser Schutz weg – demnach soll er in seiner Verzweiflung die Verstecke verraten haben, um seine Frau, seine drei Töchter und sich selbst zu retten.
77 Jahre nach Kriegsende gebe es zwar keine absolute Gewissheit, sagte der ehemalige Ermittler des amerikanischen FBI, Vince Pankoke, der maßgeblich an der Untersuchung beteiligt war. «Unsere Theorie hat aber eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 85 Prozent», sagte er im Radio.
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