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Trauerzeremonie in Houston

Floyd beigesetzt – Al Sharpton: «Wir werden weiter kĂ€mpfen»

Aktualisiert 10.06.2020 - 16:27 Uhr

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Er hat seine letzte Ruhe gefunden, die durch seinen Tod ausgelöste Bewegung nicht: Der bei brutal getötete Afroamerikaner George Floyd wurde beigesetzt. Bei der Trauerfeier wurde klar: Der Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt soll weitergehen. Die Wut ist groß.

Floyd beigesetzt – Al Sharpton: «Wir werden weiter kĂ€mpfen»

FĂ€uste als Zeichen des Kampfes gegen Rassismus begleiten den Sarg von George Floyd. Foto: Bob Daemmrich/ZUMA Wire/dpa

Live Übertragung der Trauerzeremonie von Floyd

Houston (dpa) – Mit flammenden Aufrufen gegen Rassismus und Polizeigewalt haben Angehörige und EhrengĂ€ste bei der Trauerfeier fĂŒr George Floyd Abschied von dem getöteten Afroamerikaner genommen.

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Nach der emotionalen Zeremonie in einer Kirche in Houston im US-Bundesstaat Texas, die live ĂŒbertragen wurde, erfolgte die Beisetzung von Floyd in der Nachbarstadt Pearland im Privaten. Der Sarg wurde auf der letzten Meile in einer weißen Pferdekutsche transportiert. Das Eintreffen des Trauerzugs am Friedhof verfolgten zahlreiche Menschen am Straßenrand.

Der Kampf geht weiter – Weltweite Proteste gegen Rassismus

«Wenn wir dich heute zur Ruhe legen, wird die Bewegung nicht ruhen, bis wir Gerechtigkeit bekommen. Bis wir einen Standard an Gerechtigkeit haben», sagte der prominente BĂŒrgerrechtler Al Sharpton bei der Trauerfeier vor Angehörigen, Freunden und anderen GĂ€sten. «Wir werden weiter kĂ€mpfen.» Er forderte, dass die TĂ€ter zur Verantwortung gezogen werden. «Bis wir wissen, dass der Preis fĂŒr ein schwarzes Leben derselbe ist wie der Preis fĂŒr ein weißes Leben, werden wir diese Situationen immer und immer wieder erleben.»

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PrÀsidentschaftskandidat Biden will Trost spenden

Der designierte demokratische PrĂ€sidentschaftskandidat Joe Biden rief in einer in der Kirche ĂŒbertragenen Videobotschaft zur Überwindung von Rassismus auf. Amerika habe keine andere Wahl, als es in Zukunft besser zu machen. «Wir können die Wunden dieser Nation heilen», sagte Biden. Zu viele Schwarze in den USA «wachen auf und wissen, dass sie ihr Leben verlieren können, indem sie einfach ihr Leben leben», beklagte Biden. «Wenn George Floyd Gerechtigkeit erfĂ€hrt, werden wir wirklich auf unserem Weg zur Rassengerechtigkeit in Amerika sein.»

Der Ex-US-VizeprĂ€sident war am Tag vor der Beisetzung persönlich nach Houston gereist, um Familienangehörige von Floyd zu treffen, darunter dessen sechs Jahre alte Tochter Gianna. FĂŒr seine Videobotschaft bekam er von der Trauergemeinde viel Applaus.

Trum Ă€ußert sich nicht zur Beisetzung 

US-PrĂ€sident Donald Trump dagegen adressierte die Beisetzung am Dienstag nicht. Stattdessen griff er einen verletzten Demonstranten per Twitter an. Trump hat Floyds Tod mehrfach verurteilt. Ihm wird aber vorgeworfen, sich nicht klar gegen Rassismus zu positionieren und nicht genug VerstĂ€ndnis fĂŒr den Zorn ĂŒber Diskriminierung und Ungerechtigkeit im Land zu zeigen.

PrĂ€sent war Trump bei der Trauerfeier dennoch – wenn auch indirekt – dabei. Floyds Nichte Brooke Williams sagte beim Gottesdienst: «Keine Hassverbrechen mehr, bitte. Jemand hat gesagt: «Make America Great Again». Aber wann war Amerika jemals großartig?» «Amerika wieder großartig machen» war Trumps zentraler Wahlkampfslogan 2016.

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VorwĂŒrfe gegen Trums Umgang mit Rassismus in den USA

BĂŒrgerrechtler Sharpton erhob VorwĂŒrfe gegen den US-PrĂ€sidenten. «Er hat China wegen der Menschenrechte angegriffen», sagte er. «Was ist mit dem Menschenrecht von George Floyd?» Sharpton kritisierte, Trump drohe mit dem Einsatz des MilitĂ€rs gegen die Proteste infolge von Floyds Tod, «aber er spricht nicht ein Wort ĂŒber acht Minuten und 46 Sekunden». Solange hatte ein weißer Polizist in Minneapolis sein Knie in den Nacken Floyds gedrĂŒckt, der daraufhin gestorben war. «Dein Land wird deinen Namen immer erinnern», sagte Sharpton. «Denn dein Hals war einer, der alle von uns reprĂ€sentiert hat, und wie du gelitten hast, stand fĂŒr unser Leid.»

Der brutale Polizeieinsatz und Tod von George Floyd

Floyds Tod bei dem Polizeieinsatz vor mehr als zwei Wochen am 25. Mai hat Massenproteste gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt im ganzen Land und auch weltweit ausgelöst. Die Proteste dauern an. Ein weißer Polizeibeamter hatte sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken des am Boden liegenden Mannes gedrĂŒckt – trotz seiner wiederholten Bitten, ihn atmen zu lassen. Der Polizist und drei an dem Einsatz beteiligte Kollegen wurden entlassen, festgenommen und angeklagt. Floyd war wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden.

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Zahlreiche versammelten sich vor der Kirche

Bereits am Montag waren Tausende zu Floyds aufgebahrtem Leichnam in die Kirche in Houston geströmt, um Abschied von ihm zu nehmen. Floyd war in der texanischen Metropole aufgewachsen. Auf der BĂŒhne standen wĂ€hrend der Trauerfeier zwei Bilder Floyds, die ihn mit EngelsflĂŒgeln und einem Heiligenschein zeigten. Ein KĂŒnstler malte wĂ€hrend der von Gospel-Musik begleiteten Zeremonie ein weiteres PortrĂ€t von ihm. Als der Sarg aus der Kirche getragen wurde, reckten viele der Anwesenden ihre Faust als Zeichen des Kampfes gegen Rassismus in die Höhe. Außerhalb der Kirche hielt eine Person ein Plakat mit der Aufschrift: «We will breathe» («Wir werden atmen») hoch – in Anlehnung an Floyds Worte vor seinem Tod. Er hatte gesagt: «I can’t breathe.»

Der Wunsch nach Polizei-Reformen in  den USA

Der Tod Floyds hat nicht nur Massenproteste in aller Welt ausgelöst, sondern auch eine Debatte ĂŒber Polizeireformen in den USA. Der BĂŒrgermeister von Houston, Sylvester Turner, kĂŒndigte bei der Trauerfeier fĂŒr Floyd ein Verbot von WĂŒrgegriffen und andere Maßnahmen gegen Polizeigewalt an. «In dieser Stadt werden wir Deeskalation verlangen. In dieser Stadt wird man eine Warnung geben mĂŒssen, bevor man schießt», sagte Turner. «In dieser Stadt hat man die Pflicht, einzuschreiten.»

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