Coronavirus in Deutschland
EU-Behörden empfehlen zweite Booster-Impfung für alle ab 60
Stand 12.07.22 - 10:14 Uhr
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Die Sommerwelle rollt und eine Verschnaufpause in der Corona-Pandemie ist erstmal nicht in Sicht. Wann und für wen könnte eine zweite Booster-Impfung sinnvoll sein? EU-Behörden geben neue Empfehlungen.
Inmitten der aktuellen Corona-Welle halten EU-Behörden inzwischen eine zweite Boosterimpfung für über 60-Jährige für sinnvoll.
Stiko will sich «relativ bald» dazu äußern
Führende EU-Behörden empfehlen angesichts einer neuen Corona-Welle in Europa allen Menschen ab 60 Jahren eine weitere Auffrischimpfung. Diese könnte mindestens vier Monate nach der vorherigen Impfung verabreicht werden, teilten die EU-Gesundheitsbehörde ECDC und die EU-Arzneimittelbehörde EMA am Montag mit.
- Anzeige -Auch Vorerkrankte sollten einen zweiten Booster bekommen. Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, teilte auf Anfrage mit, man habe sich «auch vor der EMA/ECDC Verlautbarung» schon im Entscheidungsprozess zu einer möglichen Erweiterung der bestehenden Empfehlung für den zweiten Booster befunden.
Die Stiko werde sich «relativ bald» dazu äußern, erklärte Mertens. Bislang empfiehlt das für Deutschland zuständige Gremium einen zweiten Booster nur Menschen ab 70 Jahren sowie einigen anderen Gruppen, darunter Menschen mit unterdrücktem Immunsystem, Pflegeheimbewohnern und Personal medizinischer Einrichtungen.
Mertens führte aus, dass sich mehrere Fragen stellten: Menschen aus welcher Altersgruppe, mit welchen Vorerkrankungen sollten aus gesundheitlichen und epidemiologischen Gründen eine vierte Impfung erhalten? Welcher Zeitpunkt wäre dafür am besten geeignet? Und mit welchem Impfstoff sollte geboostert werden?
EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides forderte die Regierungen der Mitgliedstaaten auf, sofort für alle ab 60 und für alle anderen schutzbedürftigen Personen eine zweite Booster-Impfung anzubieten. «Es gibt keine Zeit zu verlieren», betonte sie. Angesichts zunehmender Fallzahlen und Krankenhauseinweisungen mit Beginn der Sommermonate fordere sie «jeden auf, sich so schnell wie möglich impfen und boostern zu lassen».
- Anzeige -Lauterbach: Empfehlung ist «sehr gut»
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach bezeichnete die Impf-Empfehlung für Menschen über 60 Jahren im WDR als «sehr gut». Zu einer zweiten Booster-Impfung auch für Jüngere sagte der SPD-Politiker: «Bei den Jüngeren, die aber viele Kontakte haben, oder die zum Beispiel viele Kontakte haben, würde ich persönlich in Absprache mit dem behandelnden Arzt über die vierte Impfung sprechen. Ich bin selbst auch zum vierten Mal geimpft.»
Eine israelische Studie zu Viertimpfungen und Omikron-Ansteckungen bei Menschen in Pflegeheimen ergab kürzlich eine Impfeffektivität von 64 bis 67 Prozent bezogen auf den Schutz vor Krankenhauseinweisung. Bezogen auf Todesfälle betrage sie 72 Prozent, bilanzierten die Autoren im Journal «Jama Internal Medicine». Von moderatem Schutz sprechen sie, wenn man rein auf Ansteckungen blickt: Hier wurden laut der Publikation nur 34 Prozent gegen Omikron erreicht.
Einbezogen wurden Daten zu knapp 44.000 Menschen, von denen ein Teil vierfach und ein Teil dreifach geimpft war. «Die vierten Impfungen reduzieren Krankenhausaufenthalte und Todesfälle – sie sind Lebensretter», sagte die Mit-Autorin der Studie, Chitam Muhsen, der «Times of Israel».
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz rät älteren Menschen, vor weiteren Impfungen mit ihrem Arzt zu sprechen. «Denn hier ist nicht nur das Alter entscheidend. Vielmehr müssen Vorerkrankungen, individuelle Risiken und der Immunstatus in den Blick genommen werden», erklärte Vorstand Eugen Brysch. Er gibt zudem zu bedenken, dass niemand wisse, welche Virusvarianten im Herbst vorherrschend sein werden. Deshalb seien angepasste Impfstoffe von großer Bedeutung.
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