Licht am Ende des Tunnels
Corona-Impfstoff soll bald nach Europa kommen
Stand 10.11.20 - 17:24 Uhr
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Nach den guten Nachrichten über die Wirksamkeit des in Deutschland und den USA entwickelten Impfstoffs folgt nun der zweite Streich: Die EU hat einen Liefervertrag für das Serum unter Dach und Fach. Und trotzdem ist Geduld gefragt.
Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
EU sichert sich Corona-Impfstoff von Biontech
Brüssel/Berlin (dpa) – Der vielversprechende Corona-Impfstoff der Pharmafirmen Biontech und Pfizer soll den Menschen in Deutschland und den übrigen EU-Staaten nach der Zulassung rasch zur Verfügung stehen.
- Anzeige -Der bereits fertig ausgehandelte Liefervertrag über 300 Millionen Impfdosen werde am Mittwoch von der EU-Kommission gebilligt werden, erklärte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Sobald das Serum auf dem Markt sei, werde es überall in Europa verteilt. Der genaue Zeitpunkt ist aber offen.
Wie viel Impfstoff kriegt Deutschland?
Deutschland hofft nach den Worten von Gesundheitsminister Jens Spahn allein auf bis zu 100 Millionen Impfstoff-Dosen. Für eine Immunisierung sollen zwei Dosen pro Person nötig sein. Wie viel die Bundesrepublik genau aus dem EU-Vertrag bekommt, ist nach Angaben aus EU-Kreisen offen. Grundsätzlich haben alle 27 Länder gleichzeitig Zugriff auf erste Lieferungen. Sie sollen nach Bevölkerungsstärke verteilt werden. Deutschland hat einen Anteil von rund 19 Prozent.
- Anzeige -Wird der Impfstoff sicher gegen Corona schützen?
Die deutsche Firma Biontech und der US-Konzern Pfizer hatten am Montag bekanntgegeben, dass ihr Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19 biete. Damit liegen die Entwickler im weltweiten Impfstoff-Rennen mit vorne.
Es gibt jedoch noch andere aussichtsreiche Kandidaten, für die die EU-Kommission ebenfalls Bezugsrechte ausgehandelt hat. Im Idealfall – wenn alle vorbestellten Seren vor dem Virus schützen und verträglich sind – könnten so bis zu 1,3 Milliarden Impfstoffdosen für die rund 450 Millionen Europäer beschafft werden.
«Ein sicherer und wirksamer Impfstoff ist unsere beste Chance, das Coronavirus zu schlagen und unser normales Leben wieder aufzunehmen», erklärte von der Leyen. «Wir haben es fast geschafft. Bis dahin, lasst uns vernünftig bleiben und uns sicher verhalten.»
- Anzeige -Wann wird der Impfstoff nach Deutschland kommen?
Noch hat jedoch keiner der Impfstoffe eine europäische Zulassung – auch Biontech und Pfizer nicht. Ein Antrag soll frühestens kommende Woche zuerst in den USA gestellt werden. Wann der Impfstoff in Europa und in Deutschland auf den Markt kommen könnte, ist offen. Die europäischen Behörden betonen, dass bei der Zulassung streng auf Sicherheit geachtet wird.
«Wir halten uns an unsere hohen Qualitätsstandards im Zulassungsverfahren», sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) in Berlin. «Darauf sollen die Menschen sich verlassen können.» Die von Biontech und Pfizer entwickelte Technologie mache es möglich, relativ zügig große Mengen zu produzieren, so dass alle geimpft werden könnten, die das wollten.
- Anzeige -Deutschland hat die Impfstoff-Entwicklung stark gefördert
Laut Karliczek wurde Biontech vom Bund mit 375 Millionen Euro zur Impfstoffentwicklung gefördert. Das ist auch ein Grund, warum das Gesundheitsministerium annimmt, dass Deutschland etwas mehr Impfstoff bekommen könnte, als es seinem Bevölkerungsanteil entspricht. Nach Darstellung der EU-Kommission ergeben sich Spielräume bei der Verteilung dann, wenn nicht alle EU-Staaten die ihnen zugedachten Mengen abnehmen.
Gesundheitsminister Spahn sagte, Deutschland als attraktiver Pharmamarkt hätte wie andere große EU-Staaten mit den Unternehmen auch alleine einen Vertrag schließen können. Doch hätten dann kleinere EU-Staaten das Nachsehen gehabt. «Das ist manchmal etwas mühsamer, aber am Ende, wenn wir zusammenstehen, sind wir zusammen stärker», sagte der CDU-Politiker.
- Anzeige -Licht am Ende des Tunnels
Spahn kündigte eine große Informationskampagne zur Corona-Impfung an. Dabei müsse auch erneut erklärt werden, «warum wir priorisieren und wer zuerst geimpft wird». Auch über Risiken und Nebenwirkungen soll aufgeklärt werden. Vorrang sollen nach einer Empfehlung des Deutschen Ethikrats und anderer Experten Ältere, Menschen mit Vorerkrankungen, Beschäftigte in Gesundheits- und Pflegeberufen, Polizisten, Feuerwehrleute, Lehrer und Erzieher haben.
Spahn zeigte sich optimistisch zur weiteren Entwicklung der Pandemie und nannte die Aussicht auf einen Impfstoff im ersten Quartal 2021 «Licht am Ende des Tunnels.» Das gebe Kraft in diesen schweren Monaten, sagte der Minister. Die Aussicht solle die Menschen darin bestärken, «in diesem Winter besonders aufeinander aufzupassen und sich an die Regeln zu halten.»
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