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Coronavirus in Deutschland

Anti-Baby-Pille vs. Astrazeneca: Was ist dran an dem Vergleich?

Aktualisiert 18.03.2021 - 12:15 Uhr

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Nach dem vorläufigen Stopp des Corona-Impfstoffs Astrazeneca, wegen Thrombosen als mögliche Nebenwirkung, trifft man im Internet immer wieder auf Vergleiche zwischen dem Impfstoff und der Anti-Baby-Pille. Was ist dran an dem Vergleich? 

Anti-Baby-Pille vs. Astrazeneca: Was ist dran an dem Vergleich?

© Foto: shutterstock

Ist die Anti-Baby-Pille gefährlicher als der Corona-Impfstoff von Astrazeneca?

Deutschland hat die Corona-Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca vorerst ausgesetzt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sprach am Montag von einer «reinen Vorsichtsmaßnahme», um gesundheitliche Komplikationen in seltenen Fällen wissenschaftlich zu überprüfen.

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Den vorläufigen Stopp empfohlen hatte das zuständige Paul-Ehrlich-Institut. Bei der Analyse neuer Daten sehe man eine auffällige Häufung einer speziellen Form von sehr seltenen Thrombosen in Hirnvenen sowie ein Mangel an Blutplättchen.

Die Daten werden von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) weiter analysiert und bewertet. Eine Entscheidung könnte noch heute fallen.

Was ist eine Sinusvenenthrombose und ein Mangel an Blutplättchen?

Bei Sinusvenenthrombosen kommt es zu einem Verschluss bestimmter Venen im Gehirn durch Blutgerinnsel. Zentrales Symptom sind Kopfschmerzen. Daneben können Erkrankte etwa epileptische Anfälle, Lähmungen oder Sprachstörungen bekommen.

Ein Mangel an Blutplättchen wiederum führt zu einer erhöhten Blutungsneigung. Als Symptome treten punktförmige Einblutungen in die Haut oder Schleimhäute auf, gelegentlich auch starkes Nasenbluten.

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Im Internet taucht der Vergleich zwischen Anti-Baby-Pille und Astrazeneca auf – was ist dran?

Im Internet sind Informationen aufgetaucht, dass von einer Million Frauen, die die Anti-Baby-Pille nehmen, 1.100 eine Thrombose bekommen. Demgegenüber stünden sechs Thrombosefälle bei einer Million mit Astrazeneca-Geimpften. 

Achtung: es kommt auf die Wirkstoffe der einzelnen Anti-Baby-Pillen an. Nimmt man alle verfügbaren Daten lässt sich vereinfacht sagen: Ohne die Pille bekommen ungefähr 200 von 1.000.000 Frauen pro Jahr eine Thrombose, mit Pille sind es 500-1.100 Frauen von 1.000.000. Aber Thrombose ist nicht gleich Thrombose.

Vergleich von Anti-Baby-Pille und Astrazeneca – Thrombose ist nicht gleich Thrombose

Und auch mit dieser Zahl zeigt der Vergleich von Anti-Baby-Pille und Astrazeneca erst die halbe Wahrheit. Denn: Bei den jetzt im Zusammenhang mit Astrazeneca untersuchten Fällen handelt es sich um spezielle Thrombosen, den sogenannten Sinusvenenthrombosen. Diese treten im Gehirn, genauer in den Sinusvenen, auf und können zu einem Schlaganfall führen.

Das kann auch als eine Nebenwirkung der Anti-Baby-Pille auftreten, allerdings nur extrem selten. Die meisten Thrombosen entstehen anderswo im Körper. Und eine Thrombose im Bein ist in der Regel weniger gefährlich als im Gehirn.

"Eine ähnliche Anzahl von Sinusvenenthrombosen, wie nach der Astrazeneca-Impfung, also nach 1,6 Millionen Impfungen 7 Sinusvenenthrombosen, ist bei Verwendung der hormonellen Verhütung mit der kombinierten Antibabypille nicht bekannt." sagt der Berufsverband der Frauenärzte.

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Warum wird der Corona-Impfstoff gestoppt, die Anti-Baby-Pille aber nicht?

Das hat vor allem rechtliche Gründe. Bei der Anti-Baby-Pille seien Thrombosen als sehr seltene Nebenwirkung bekannt. Der Punkt bei diesem Vergleich sei aber, dass diese Nebenwirkung bei der verschreibungspflichtigen Pille explizit in der Patienteninformation aufgeführt werde. Jede Frau müsse von der verordnenden Ärztin oder dem verordnenden Arzt über dieses Risiko aufgeklärt werden.

Beim Impfstoff hingegen sei die Sinusvenenthrombose mit begleitendem Blutplättchenmangel bisher nicht in der Patienteninformation aufgeführt.

Was begünstigt das Risiko einer Thrombose?

Experten schätzen das Risiko für Thrombose-Erkrankungen generell als hoch ein, unabhängig von Impfungen. Die Faktoren die eine Erkrankung begünstigen sind beispielsweise Rauchen, Übergewicht, Flüssigkeitsmangel, eine Schwangerschaft oder aber die Einnahme der Antibabypille.

Je mehr dieser Risikofaktoren zutreffen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Thrombose.

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Kombination von Anti-Baby-Pille und Astrazeneca besonders gefährlich?

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Frank Bergmann, hält künftig auch eine eingeschränkte Zulassung für den Astrazeneca-Impfstoff für möglich. «Die Experten prüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen Einnahme von Verhütungsmitteln, Rauchen und Impfen gibt. Möglicherweise haben sich hier Risiken potenziert. Dann könnte es vielleicht eine Zulassung mit Einschränkungen geben – etwa nur für bestimmte Altersgruppen oder beispielsweise ohne gleichzeitige Nutzung der Pille», sagte Bergmann.

Wen betreffen die aufgetretene Thrombosen nach der Corona-Impfung?

Die sieben Fällen betrafen Menschen zwischen etwa 20 und 50 Jahren. Sechs davon hätten eine sogenannte Sinusvenenthrombose gehabt, alles Frauen in jüngerem bis mittlerem Alter.

Ein weiterer Fall mit Hirnblutungen bei Mangel an Blutplättchen sei medizinisch sehr vergleichbar gewesen. «Alle Fälle traten zwischen 4 und 16 Tagen nach der Impfung mit dem Covid-19-Impfstoff Astrazeneca auf», hieß es vom Paul-Ehrlich-Institut. Drei der sieben Betroffenen seien verstorben.

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Von den schwerwiegenden Hirnvenenthrombosen mit Blutplättchenmangel sei nicht die Altersgruppe betroffen, die ein hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Covid-19-Verlauf habe. Betroffen seien nicht Senioren, sondern Menschen in jüngerem bis mittlerem Alter.

Alle zur Einschätzung herangezogenen Expertinnen und Experten seien einstimmig der Meinung gewesen, dass hier ein Muster zu erkennen und ein Zusammenhang der gemeldeten Erkrankungen mit der Astrazeneca-Impfung «nicht unplausibel» ist, hieß es vom PEI.

Die Zahl der Fälle nach einer solchen Impfung ist demnach statistisch signifikant höher als die Anzahl von Hirnvenenthrombosen, die normalerweise in der Bevölkerung ohne Impfung auftreten: «Etwa ein Fall wäre zu erwarten gewesen, sieben Fälle waren gemeldet worden.»

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