Diskussionen zu Silvester
Petition der Gewerkschaft der Polizei: 1,9 Millionen Menschen fordern Böllerverbot
Stand 07.01.25 - 08:56 Uhr
Mehr als 1,9 Millionen haben zwei Petitionen für ein Böllerverbot unterschrieben. Der Pyrotechnik-Verband sieht in der Debatte eine Vermengung von Sprengstoffkriminalität und friedlichem Feuerwerk.
©Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Sollten Böller verboten werden?
Berlin (dpa) – Mehr als 1,9 Millionen Menschen haben Petitionen für ein bundesweites Böllerverbot unterschrieben. Das teilten die Initiatoren – die Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die Deutsche Umwelthilfe (DUH) – mit. Sie übergaben die Unterschriftensammlungen an das Bundesinnenministerium.
- Anzeige -«Gegen die chaotischen Zustände zum Jahreswechsel hilft nur ein generelles Böllerverbot», erklärte der Bundesgeschäftsführer der DUH, Jürgen Resch. «Die Böllerei an Silvester verursacht immense Schäden. Zahlreiche Menschen werden auch mit legalen Böllern jedes Jahr verstümmelt, schwer verbrannt oder sogar getötet.»
Komplettes Pyrotechnik-Verbot für Privatgebrauch gefordert
«Wenn weit mehr als eine Million Menschen für eine Gesetzesveränderung unterschreibt, kann auch verantwortliche Politik das nicht mehr einfach wegatmen und zur Tagesordnung übergehen», sagte der Berliner GdP-Landeschef Stephan Weh laut Mitteilung.
Es geht um ein komplettes Pyrotechnik-Verbot für den Privatgebrauch. Ziel ist der Schutz von Mensch, Tier und Umwelt. In der vergangenen Silvesternacht waren bundesweit fünf Menschen durch Böller ums Leben gekommen, es gab viele Verletzte, darunter auch Kinder. Allein in Berlin wurden laut der dortigen Gesundheitsverwaltung 363 Menschen durch Feuerwerk verletzt.
Mehr als 360 Verletzte allein in Berlin
In vielen Fällen handelt es sich nach Angaben von Berlins Gesundheitssenatorin Ina Czyborra um leichte Verletzungen, zum Beispiel oberflächliche Verbrennungen. «Es gab aber zahlreiche Personen, die schwer und schwerst verletzt wurden», so die SPD-Politikerin. Bei einigen gebe es keine Aussicht auf eine vollständige Genesung.
Die Berliner Polizei hat beim aktuellen Jahreswechsel 1.453 für Silvester typische Straftaten registriert – 125 mehr als vor einem Jahr. 58 Polizisten und Polizistinnen sowie ein Mitarbeiter eines Rettungsdienstes wurden nach jüngsten Angaben der Behörde angegriffen. Verletzt wurden dabei 17 Polizisten, 8 davon durch Pyrotechnik.
Petition soll vor Gewalt durch Pyrotechnik schützen
«Wir haben diese Petition als Berliner GdP ins Leben gerufen, um unsere Kolleginnen und Kollegen vor Gewalt durch Pyrotechnik zu schützen, und freuen uns über die große Unterstützung», so GdP-Landeschef Weh.
Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) unterstützt die Petition. Böller töteten und verletzten zahlreiche Menschen, verursachten Tonnen an giftigem Feinstaub und lösten vor allem bei Vögeln Panik und Fluchtreaktionen aus. «Die gefährliche Ballerei ist umwelt- und naturschädlich und einfach nicht mehr zeitgemäß», teilte der Nabu mit, der schon länger für ein Verbot von privatem Feuerwerk wirbt. Die Organisation spricht sich für von Städten und Gemeinden organisiertes Feuerwerk oder Lichtshows aus.
- Anzeige -GdP: Können Mitleidsbekundungen nicht mehr hören
Gestartet worden war die Sammlung der Unterschriften bei der GdP bereits nach Böllerexzessen vor zwei Jahren. Über den jüngsten Jahreswechsel stieg die Zahl der Unterschriften stark. «Jedes Jahr Anfang Januar wird darüber geredet, viel versprochen, aber nichts gegen diesen Wahnsinn getan. Ehrlich gesagt können wir diese Mitleidsbekundungen aus dem politischen Raum nicht mehr hören, wenn sich an den Rahmenbedingungen nicht endlich etwas ändert», kritisierte GdP-Landeschef Weh.
In diesem Jahr wird die Diskussion neu entfacht durch schwere Vorfälle mit sogenannten Kugelbomben, die wegen ihrer hohen Explosionskraft hierzulande nicht für den Allgemeingebrauch zugelassen sind. Sie werden hauptsächlich in professionellen Großfeuerwerken bei Veranstaltungen eingesetzt.
Schwere Vorfälle bei Explosionen in Berlin
In Berlin wurde ein Siebenjähriger bei der Explosion einer solchen – illegal gezündeten – Kugelbombe lebensgefährlich verletzt und musste notoperiert werden. In Brandenburg gab es einen Toten. Und in Berlin-Schöneberg wurden bei einer Explosion durch die Wucht Häuserfassaden sowie Autos beschädigt und mehr als 30 Wohnungen zeitweise unbewohnbar.
Pyrotechnik-Verband: Illegales Feuerwerk ist das Problem
Der Bundesverband für Pyrotechnik und Kunstfeuerwerk machte vor allem das illegale Feuerwerk für die Verletzten verantwortlich. «Das Vermengen von Sprengstoffkriminalität mit der friedvollen Verwendung von geprüftem und sicherem Kleinfeuerwerk ist Populismus unterster Schublade», sagte Vorstandsmitglied Ingo Schubert.
Das intensiv geprüfte und mit CE-Zertifizierung versehene legale Feuerwerk sei nicht mit den Explosivstoffen vergleichbar, die in der Silvesternacht zu Sachschäden, Verletzungen oder Todesfällen führten, so der Verband. Die in Wirklichkeit größte Petition hätten die Bürgerinnen und Bürger in der Silvesternacht abgegeben, indem Millionen Menschen friedlich und sicher mit Feuerwerk gefeiert hätten, argumentierte der Interessenverband.
Kanzler findet Böllerverbot «Irgendwie komisch»
Die DUH kündigte an, alle Innenminister zu einer Veranstaltung einzuladen, bei der die Opfer der Silvesterböllerei zu Wort kommen. Es sei ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen, dass Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Forderung nach einem Böllerverbot als «irgendwie komisch» bezeichnet habe.
Scholz hatte dem Magazin «Stern» gesagt: «Ich bin dafür, dass wir ordentliche Regeln haben für das Zeug, das da hergestellt wird. Aber ein Böllerverbot finde ich irgendwie komisch.» Auch Innenministerin Nancy Faeser (SPD) hatte sich gegen ein Böllerverbot ausgesprochen.
Bleib immer bestens informiert!
Mit unserem kostenlosen 95.5 Charivari-Newsletter verpasst du keine Highlights mehr. Von Top-Konzerten über exklusive Gewinnspiele bis hin zu Einblicken in Larissa Lannert live - wir liefern dir wöchentlich alles Wichtige direkt in dein Postfach.
Mehr Beiträge und Themen
Wer darf wählen, wer kann kandidieren und wie funktioniert die Stimmabgabe – auch per Briefwahl? Hier findest du die wichtigsten Informationen im Überblick.
Kurz vor der Münchner Oberbürgermeisterwahl am Sonntag sieht Amtsinhaber Dieter Reiter sich heftiger Kritik ausgesetzt. Grund ist sein neues Amt beim FC Bayern - und vor allem sein Umgang damit.
Die Polit-Prominenz aus Bayern, München und darüber hinaus versammelt sich am Abend zum Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg. Worauf müssen sich Markus Söder & Co. einstellen? Ein Überblick.
Der Staub aus der Sahara wurde aus Nordafrika nach Bayern getragen und verstaubt den Münchner Himmel. Hier erfährst du, wieso der Staub vermehrt bei uns ankommt.
Erlebe das neue SUPERBLOOM Festival im Olympiapark mit Stars, Workshops und mehr. Sichere dir dein Ticket für eine Woche lang Musik!
Die Fahrt einer Straßenbahn wird in München nach einer verdächtigen Entdeckung gestoppt. Wenig später ist die Tram leer - und die Polizei im Einsatz.
Du willst billig tanken in München? Hier siehst du alle Spritpreise für Benzin und Diesel an den Tankstellen in München Stadt und Land.
Es geht wieder los: die Starkbierfeste in München. Wir zeigen dir, wo sie stattfinden und wann du dabei sein kannst.
Für Allergiker beginnt jetzt wieder die Zeit des Niesens und der brennenden Augen. Hier bekommst du den Überblick, wann welche Pollen in München fliegen – plus Tipps, die wirklich helfen, wenn Heuschnupfen dich erwischt.
Die Bauarbeiten für die zweite Münchner Stammstrecke laufen. An den kommenden Wochenenden fallen deswegen S-Bahnen aus. Wo Ihr wie vorwärts kommt und welche Linien genau betroffen sind, gibt's hier im Überblick.
DESK
Alle Jahre wieder feiern wir in München den irischen Nationalfeiertag. So groß, wie sonst nirgends auf dem europäischen Festland. Alle Infos zum St.Patrick's Day bekommst du hier!
Beim bayernweiten Warntag schrillen am Donnerstag, 12. März 2026, um 11.00 Uhr die Handys sowie öffentliche Sirenen und Lautsprecheranlagen. Die Behörden testen Systeme, die im Notfall vor Katastrophen warnen sollen.
Die Stimmen sind ausgezählt, Koalitionen können gebildet werden - doch wie geht es jetzt in der Politik Münchens weiter?
Die Kommunalwahl stößt auf Interesse. Das zeigt eine Anfrage bei den großen Städten in Bayern. So sieht es mit der Wahlbeteiligung aus.
Könnten Germering oder Vaterstetten nun leichter ein eigenes KFZ-Kennzeichen bekommen? Neuer Beschluss im Bundesrat.
In Ostereistedt haben «Hanni Hase» und sein Team bis dahin wieder alle Pfoten voll zu tun. Erwartet werden Briefe von Kindern aus aller Welt.
Es gibt einen Kompromiss: Burger ohne Fleisch dürfen in der EU weiter als «Veggie-Burger» verkauft werden. «Veganer Speck», «Tofu-Rippchen» oder «Hühnchen» ohne Fleisch müssen aber umbenannt werden.
