Experten: Krankenkassenbeiträge steigen deutlich an
Stand 16.10.24 - 14:44 Uhr
Die Kosten im Gesundheitssystem steigen von Jahr zu Jahr. Und immer im Herbst stellt sich deshalb die Frage: Wie sehr ziehen die Krankenkassenbeiträge nächstes Jahr an? Die Antwort diesmal: Deutlich.
Die Krankenkassenbeiträge steigen auch im nächsten Jahr. (Illustration) Foto: Jens Kalaene/dpa
Wohl 0,8 Prozentpunkte mehr Krankenkassenbeitrag
Berlin/Bonn (dpa) – Die Krankenversicherung könnte für viele gesetzlich Versicherte im kommenden Jahr spürbar teurer werden. Experten des sogenannten Schätzerkreises haben für das Bundestagswahljahr 2025 eine rechnerisch nötige Beitragssatzerhöhung um 0,8 Punkte auf 2,5 Prozent vom beitragspflichtigen Einkommen ermittelt, wie das Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) in Bonn mitteilte. «Politico» hatte zuvor berichtet. Bei dem Wert handelt es sich allerdings nur um eine theoretische Größe. Wie sehr der Beitragssatz dann wirklich steigt, entscheidet jede Krankenkasse für sich.
Im Schätzerkreis sitzen Fachleute des Bundesgesundheitsministeriums, des BAS und des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen (GKV).
- Anzeige -Zusatzbeitrag aktuell zwischen 0,7 und 3,28 Prozent
Konkret geht es um den Anstieg des sogenannten Zusatzbeitrages. Alle gesetzlich Versicherten haben den festen Beitragssatz von 14,6 Prozent – zur Hälfte getragen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Darüber hinaus erheben die aktuell 95 gesetzlichen Kassen zur Kostendeckung einen Zusatzbeitrag, der ebenfalls hälftig von beiden Seiten gezahlt wird.
Der Zusatzbeitrag ist unterschiedlich und liegt laut einer ständig aktualisierten GKV-Liste im Moment zwischen 0,7 und 3,28 Prozent. Eine Kasse ist darunter, die keinen Zusatzbeitrag erhebt. Der durchschnittlich von den Krankenkassen erhobene Zusatzbeitragssatz lag im August bei 1,78 Prozent, wie das Bundesgesundheitsministerium mitgeteilt hatte.
Bei 3.000 Euro brutto 12 Euro weniger netto
Die Prognose des Schätzerkreises ist nach GKV-Angaben eine theoretische Größe, die sich aus dem Verhältnis von laufenden Einnahmen und Ausgaben der Krankenkassen insgesamt ergibt. Die Ausgaben der Krankenkassen im Jahr 2025 werden demnach mit 341,4 Milliarden Euro veranschlagt. Auf Basis dieser Schätzung gibt das Gesundheitsministerium bis zum 1. November einen durchschnittlichen Zusatzbeitrag für das kommende Jahr bekannt. Die genaue Höhe legen die Krankenkassen dann aber jeweils für sich fest.
Deshalb lassen sich jetzt noch keine genauen Angaben zur tatsächlichen Höhe der Kosten für den Einzelnen machen. Rechnerisch würde eine Erhöhung um 0,8 Prozentpunkte bei einem Einkommen von 3.000 Euro brutto im Monat 12 Euro weniger netto bedeuten – die anderen 12 zahlt der Arbeitgeber. Erhöht eine Kasse den Zusatzbeitragssatz, haben die Mitglieder ein Sonderkündigungsrecht.
Kassen warnen immer wieder vor Finanzlücke
Die Kassen hatten schon Anfang September gewarnt, dass ihre Ausgaben im ersten Halbjahr noch stärker gestiegen seien als im ersten Quartal. Das Defizit sei auf mehr als 2 Milliarden Euro angewachsen und werde im Gesamtjahr bis zu 4,5 Milliarden Euro erreichen.
Für eine auskömmliche Finanzierung hätte der Zusatzbeitrag für das laufende Jahr im Herbst letzten Jahres nicht bei geschätzten 1,7, sondern bei 2 Prozent liegen müssen, kritisierte der GKV-Spitzenverband. Er hatte außerdem mitgeteilt, dass er für 2025 von einem Zusatzbeitragssatz von mindestens 2,3 Prozent ausgeht.
Lauterbach: Deutsches Gesundheitssystem das Teuerste in Europa
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) teilte in einer ersten Reaktion mit: «Das deutsche Gesundheitswesen ist das Teuerste in Europa, weil es in vielen Bereichen
nicht effizient ist.»
Eine wesentliche Ursache für die steigenden Kassenbeiträge seien im Rekordtempo steigende Ausgaben für Krankenhäuser. «Deswegen brauchen wir die Krankenhausreform». Diese soll am Donnerstag im Bundestag beschlossen werden und die Finanzierung der Kliniken im Land auf eine neue Grundlage stellen. Die Prognose des Schätzerkreises zeige die Notwendigkeit der von der Bundesregierung eingeleiteten Strukturreformen, sagte Lauterbach.
Ausgaben für Krankenhäuser und Medikamente steigen weiter
Nach Angaben des Gesundheitsministeriums lagen die Ausgaben der Kassen im ersten Halbjahr bei 161,3 Milliarden Euro – ein Plus von 7,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen seien in den ersten sechs Monaten um 3,6 Milliarden Euro gestiegen und stellten damit einen maßgeblichen Treiber der hohen Ausgabendynamik dar, hieß es im September vom Ministerium. Steigende Fallzahlen und steigende Pflegepersonalkosten werden unter anderem als Gründe genannt. Außerdem seien die Ausgaben für Arzneimittel im ersten Halbjahr um 10 Prozent (2,5 Milliarden Euro) gestiegen.
Kassenbeiträge steigen, Steuern sinken
Nicht nur die Krankenkassenbeiträge steigen voraussichtlich an, auch die Pflegeversicherung hat Finanzprobleme. Wie kürzlich berichtet wurde, wird hier in der Regierung von einem Erhöhungsbedarf des Beitragssatzes von 0,25 bis 0,3 Punkten ausgegangen.
Auf der anderen Seite sind aber Entlastungen bei der Einkommensteuer geplant. Der sogenannte Grundfreibetrag – also der Teil des Einkommens, der nicht besteuert wird – steigt im kommenden Jahr. Um wie viel genau ist in der Regierung noch umstritten.
«Bild» hatte unter Berufung auf eine Berechnung des Bundes der Steuerzahler berichtet, dass Pläne, die Finanzminister Christian Lindner (FDP) dazu vorgelegt hat, für einen Single mit 3.000 Euro brutto im Monat etwa 11,40 Euro mehr netto bedeuten würden. Für eine Vier-Personen-Familie mit 6.000 Euro brutto pro Monat wären es demnach 23,50 Euro monatlich mehr.
Bleib immer bestens informiert!
Mit unserem kostenlosen 95.5 Charivari-Newsletter verpasst du keine Highlights mehr. Von Top-Konzerten über exklusive Gewinnspiele bis hin zu Einblicken in Larissa Lannert live - wir liefern dir wöchentlich alles Wichtige direkt in dein Postfach.
Mehr Beiträge und Themen
In mehreren Wohngebieten in Unterschleißheim sind Vermietungen über Plattformen wie Airbnb oder die Nutzung als Ferienwohnung künftig verboten. Ziel der Maßnahme: den angespannten Wohnungsmarkt entlasten und Leerstand verhindern.
Am Faschingsdienstag wird es besonders bunt im Tierpark: verkleidete Kinder bis 14 Jahre kommen kostenlos in den Tierpark Hellabrunn.
Bayern erlaubt wieder Cannabis-Konsum in Parks. Was das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs bedeutet und wie die Staatsregierung reagiert.
S-Bahn-Fahrgäste aufgepasst: Im Januar und Februar 2026 kommt es wegen Bauarbeiten zu massiven Sperrungen auf der Stammstrecke – wir zeigen, wann was fährt.
Vom Bachelor bis zum Dschungelcamp, alles geht wieder los. Damit du deine liebste Trash-Show nicht verpasst, haben wir alle Termine für dich!
Die Idee, für den Wiesn-Besuch einen Eintritt zu verlangen, erfuhr in München keine nennenswerte Unterstützung. Eine Umfrage zeigt nun, dass das Meinungsbild bundesweit nicht so eindeutig ist.
Der FC Bayern empfängt am Mittwoch im Pokal-Viertelfinale RB Leipzig. Durch einen angekündigten Streik im Nahverkehr werden An- und Abreise zum Problem.
Hunderttausende Pendler müssen in den zwei größten Städten für Mittwoch nach Alternativen zum ÖPNV suchen
Ob romantisch unter Sternen, lachend bei Comedy oder staunend in Licht- und Klangwelten: München bietet am Valentinstag jede Menge besondere Events – für Paare, Freunde und alle, die den Tag nicht klassisch feiern wollen.
Wiesn-Fans aufgepasst: Ab 2027 bekommt das Hofbräu-Zelt ein neues Design – mit mehr Platzgefühl und vertrautem Flair. Und auch an der Spitze der Traditionsbrauerei tut sich was.
DESK
Am Handy mit einem Klick die Steuererklärung machen? Was lange wie ein unerfüllbarer Wunsch klang, soll ab Juli möglich werden. Zumindest für die ersten Nutzerinnen und Nutzer in Deutschland.
Wie ein Kühlschrank auf minus 273 Grad für Hoffnung auf staufreie Städte und schnellere Medikamentenforschung sorgt. Und warum Bankdaten trotzdem noch sicher sind.
Am 14. Februar, werden zu einer Kundgebung gegen das iranische Regime bis zu 100.000 Teilnehmer:innen erwartet. Wird diese Zahl erfüllt, handelt es sich um die drittgrößte Demonstration der Münchner Stadtgeschichte.
Rund um den Bayerischen Hof in der Innenstadt gelten an diesem Wochenende umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen, dazu kommen Verkehrseinschränkungen, Umleitungen im Nahverkehr und mehrere Großdemonstrationen.
Mitte Juni startet das beliebte Sommer Tollwood 2026 - neben tollen Musik-Acts gibt es wie immer viel zu entdecken.
Wer darf wählen, wer kann kandidieren und wie funktioniert die Stimmabgabe – auch per Briefwahl? Hier findest du die wichtigsten Informationen im Überblick.
Rückruf bei BMW: Brandgefahr durch fehlerhafte Starter. Erfahre, welche Modelle betroffen sind und wie du prüfen kannst, ob dein Auto dazugehört.
