Corona-Pandemie
Astrazeneca-Impfstoff wird freigegeben
Stand 07.05.21 - 13:02 Uhr
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Es geht voran beim Impfen. Noch können aber nicht alle die schützende Spritze bekommen. Für einen Impfstoff ändert sich das aber jetzt. Konkretere Aussichten auf Impfungen gibt es auch für Jugendliche.
Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa
Impfung mit Astrazeneca ab sofort ohne Priorisierung für alle möglich
Berlin (dpa) – Corona-Impfungen sind mit dem Präparat von Astrazeneca künftig für alle möglich, wenn sich Impfwillige mit ihrem Arzt dafür entscheiden. Die Priorisierung mit einer festen Vorrangliste wird für diesen Impfstoff voll aufgehoben, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Donnerstag in Berlin nach einem entsprechenden Beschluss mit seinen Länderkollegen mitteilte. «Das heißt, dass beim Impfen in den Arztpraxen die Ärzte entscheiden, wer jetzt wann mit dem Impfen dran ist», sagte der CDU-Politiker. Gemeinsam mit den Patienten sollen sie auch festlegen können, wie bald die nötige zweite Impfung folgt.
- Anzeige -Astrazeneca für alle
Der Bund beruft sich dabei auf einen Passus der Impfverordnung. Demnach kann von der Reihenfolge etwa nach Alter, Vorerkrankungen und Berufsgruppen abgewichen werden, wenn es für eine effiziente Organisation oder eine zeitnahe Verwendung vorhandener Impfstoffe notwendig ist. Der Vorsitzende der Länderminister, Klaus Holetschek (CSU) aus Bayern, sagte, in mehreren Ländern sei es schon so, dass Astrazeneca in Praxen flexibel nach ärztlichem Ermessen geimpft werden kann. Es sei der konsequente nächste Schritt, dies nun auf Bundesebene anzugleichen. «Auch das wird das Impftempo erhöhen.»
Laut Robert Koch-Institut (RKI) wurden inzwischen 6,3 Millionen Astrazeneca-Dosen geimpft – von 9,3 Millionen Dosen, die nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums an Länder und Großhändler gingen. Der britisch-schwedische Hersteller war immer wieder in den Schlagzeilen – obwohl Experten dessen Impfstoff Vaxzevria für gleichermaßen geeignet halten wie die Vakzine anderer Hersteller.
Beim Einsatz in jüngeren Altersgruppen traten 4 bis 16 Tage nach der Impfung selten teils tödliche Blutgerinnsel im Gehirn auf. Deshalb empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) den Einsatz für Menschen ab 60 Jahren. In der Altersgruppe falle die Nutzen-Risiko-Abwägung «eindeutig zu Gunsten der Impfung» aus. Denn mit dem Alter steigt das Risiko für schwere und tödliche Verläufe. Auch für Jüngere ist die Impfung mit dem Präparat aber möglich – «nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz durch den Patienten», so die Impfkommission.
- Anzeige -Mehr Flexibilität bei Zweitimpfungen
Künftig soll es dem Arzt in Absprache mit dem Impfling laut Bund-Länder-Beschluss auch freigestellt werden, den Abstand für eine Astrazeneca-Zweitimpfung zwischen vier und zwölf Wochen festzulegen. «Die Zweitimpfung haben jetzt viele lieber früher, auch mit Blick auf den Sommer – das geht mit Astrazeneca auch innerhalb der Zulassung», hatte Spahn bereits im WDR gesagt. Astrazeneca-Geimpfte müssten dann weniger lang warten bis zum Wegfall von Corona-Einschränkungen. Erleichterungen für Geimpfte passierten nun den Bundestag und sollen an diesem Freitag im Bundesrat besiegelt werden. Allerdings hätten Astrazeneca-Geimpfte im Fall einer früheren zweiten Spritze den Nachteil einer womöglich geringeren Wirksamkeit.
Die Impfkommission empfiehlt für das Präparat nämlich einen Abstand von 12 Wochen zwischen erster und zweiter Dosis. Hintergrund sind Beobachtungen, dass der längere Abstand zu einer besseren Wirksamkeit führt. Die Wirksamkeit einer zweimaligen Impfung im Abstand von vier bis acht Wochen liege laut einem Bericht der europäischen Zulassungsbehörde EMA bei 50,4 Prozent. Bei zwölf und mehr Wochen steige sie auf 72,1 Prozent bis 82,4 Prozent an.
- Anzeige -Bald auch Impfungen für Kinder ab 12 Jahren
Bund und Länder wollen Impfungen für Kinder über 12 Jahre während der Sommerferien vorbereiten. Stand heute sei eine EU-Zulassung des jetzt ab 16 Jahre freigegebenen Biontech-Impfstoffs für 12- bis 15-Jährige im Juni wahrscheinlich, sagte Spahn. Unter dieser Voraussetzung wollten die Länder jeweils für sich Konzepte erstellen, wie bis Ende August allen 12- bis 18-Jährigen eine erste Impfungen angeboten werden könne. Der Bund wolle sicherstellen, dass dafür die nötigen Impfdosen für diese Altersgruppe auch verfügbar sind.
«Gerade die Eltern und die Kinder dürfen erwarten, dass wir diese Frage bestmöglich vorbereiten», sagte Spahn. Es gehe auch darum, «ob und wie Schule wieder losgehen kann nach den Sommerferien». Nach Angaben Holetscheks wollen die Länder die Konzepte bis Ende Mai erstellen. Dies sei «ein Signal an die Jugend», dass sich Durchhalten unter Pandemiebedingungen lohne. «Impfungen für diese Altersgruppe sind der Schlüssel zu einem geregelten Schulunterricht und zu mehr Sicherheit in der Freizeit.»
Für Erst- und Zweitimpfung dieser Jahrgänge sind in Deutschland etwa zehn Millionen Dosen notwendig. Möglich könnten etwa Einladungen in die Impfzentren oder Reihenimpfungen in den Schulen sein.
In Kanada darf der Impfstoff von Biontech/Pfizer bereits 12- bis 15-Jährigen verabreicht werden. In den USA könnte die Zulassung ab 12 schon in den kommenden Tagen erfolgen. Eine klinische Studie in der Altersgruppe von 12 bis 15 Jahren in den USA hatte eine Wirksamkeit von 100 Prozent gezeigt.
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