JA zu Olympia
Entscheidung gefallen: Münchens Bürger stimmen für eine Olympia-Bewerbung
Stand 26.10.25 - 20:41 Uhr
München hat abgestimmt - für eine Bewerbung um die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044. Die erste Hürde ist genommen. Es gibt aber noch drei nationale Konkurrenten. Und am Ende entscheidet das IOC.
©FooTToo / Shutterstock.com
Olympia in München?
München (dpa) – Als Oberbürgermeister Dieter Reiter das deutliche «Ja» der Münchner für eine Olympia-Bewerbung verkündete, hallten bei der Party der Befürworter laute Jubelrufe durch das «Haus des Sports». Mehr als 60 Prozent stimmten ersten Ergebnissen zufolge bei der Bürgerbefragung für eine Bewerbung der bayerischen Landeshauptstadt um Sommerspiele und Paralympische Spiele im Jahr 2036, 2040 oder 2044. «Das ist ein guter Tag für München», sagte Reiter.
- Anzeige -Auch für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) war das klare Resultat des Votums ein «ganz starkes Signal». «Jetzt starten wir durch. Jetzt ziehen wir an», versicherte Söder und befand: «Eine geile Geschichte heute.» Der Chef des Bayerischen Landes-Sportverbandes (BLSV), Jörg Ammon, sprach von einem «Traumergebnis».
Ob es tatsächlich zu zweiten Olympischen Spielen in München nach 1972 kommt, bleibt offen. Die Befürworter wollten mit einem möglichst guten Ergebnis ein Zeichen auch an die anderen deutschen Interessenten Berlin, Hamburg und die Region Rhein-Ruhr senden. Die Rechnung lautete: je höher die Zustimmung, desto größer Münchens Chancen im internen Wettstreit. «Das wird ein sehr großer Denkanstoß für die Mitbewerberinnen und Mitbewerber in Deutschland sein», sagte Reiter.
Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein sendete umgehend Glückwünsche nach München. «Die Menschen stehen hinter der Idee, Olympische und Paralympische Spiele nach Deutschland zu holen. Und: Es ist das erste erfolgreiche Olympiareferendum in Deutschland. Ich freue mich, wenn es nicht das letzte ist», sagte die CDU-Politikerin.
Vier nationale Kandidaten
Die Kritiker der Münchner Bewerbung reagierten enttäuscht. «Das ist eine demokratische Entscheidung, die wir respektieren», sagte der wohl prominenteste Gegner, der Grünen-Politiker und Landtagsvizepräsident Ludwig Hartmann, der Deutschen Presse-Agentur in München. Die letzten Wochen seien ein David-gegen-Goliath-Kampf gegen die finanziell starke Pro-Kampagne der Stadt gewesen, betonte Hartmann. «Gleichzeitig bleibt die Kritik an den Kosten, der Nachhaltigkeit und der Transparenz weiterhin relevant», sagte Hartmann.
Insgesamt stimmten laut Reiter über 400.000 der insgesamt 1,097 Millionen Wahlberechtigten beim Münchner Bürgerentscheid ab. Das sei «wahnsinnig toll». Viele nutzten die Chance zur Briefwahl und sorgten so für eine Rekordbeteiligung. «Es gab keinen einzigen Ausreißer, alle Bezirke sind pro Olympia-Bewerbung», sagte Oberbürgermeister Reiter und meinte: «Ich glaube, dass wir jetzt mit neuem, frischen Elan an die Bewerbung gehen können.»
Hamburg und die Region Rhein-Ruhr sowie Kiel als potenzieller Austragungsort für Segelwettbewerbe planen ebenfalls Bürgerentscheide. In Berlin ist kein Referendum vorgesehen.
Am Ende vergibt das IOC die Spiele
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will sich im Herbst 2026 auf den Kandidaten festlegen, mit dem er sich um den Zuschlag des Internationalen Olympisches Komitees (IOC) bewirbt, das die Spiele letztendlich vergibt.
«Ein positiver Ausgang des Referendums in München würde unserer Bewerbungskampagne selbstverständlich Rückenwind geben», hatte DOSB-Präsident Thomas Weikert grundsätzlich gesagt.
Auf der Mitgliederversammlung am 6. Dezember in Frankfurt am Main entscheidet der nationale Dachverband über den finalen Weg zur Auswahl des deutschen Kandidaten. Erwartet wird, dass Deutschland international von Ländern wie Indien, Katar oder Saudi-Arabien große Konkurrenz bekommen könnte.
Davon wollten sich die Münchner Olympia-Planer aber die Freude über das Bürgervotum nicht trüben lassen. «Es ist ein großartiger Tag für Athleten von Olympischen und Paralympischen Spielen», sagte BLSV-Präsident Ammon. Die Befürworter glauben, dass Olympia die Stadt ähnlich voranbringen könnte wie bei den Sommerspielen vor über 50 Jahren.
Es war auch das letzte Mal, dass Deutschland Olympia-Gastgeber war. Die Münchner wollen auch damit punkten, dass viele Sportstätten wie das Olympiastadion schon bestehen und wieder genutzt werden könnten. Vor zwölf Jahren war eine Bewerbung um die Winterspiele 2022 bei den Münchner Bürgern noch durchgefallen.
Auch der deutsche Sport hat es aus Sicht von Fachverbänden, Athletenvertretern und Bundesregierung dringend nötig, ein Fernziel mit großer Strahlkraft zu bekommen, um sich finanziell und strukturell besser aufzustellen. Die Kritiker argumentierten, so ein Großevent koste viel zu viel. Zumal das Geld etwa für die Stadtentwicklung oder Wohnungsbau besser eingesetzt würde.
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