Gasumlage in Deutschland
Gasumlage: Ampel lotet Entlastungsmöglichkeiten aus
Stand 17.08.22 - 09:01 Uhr
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Immer höhere Preise - nicht zuletzt für Energie. Dazu wird demnächst auch die Gasumlage beitragen, an der zunächst einmal der Staat verdienen wird. Die Koalition will an anderer Stelle entlasten.
Alle Gaskunden sollen zusätzlich 2,4 Cent pro Kilowattstunde bezahlen, Privathaushalte ebenso wie Firmen.
Welche Entlastungsmöglichkeiten wird es geben?
Für die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland wird es keine Ausnahme bei der Mehrwertsteuer auf die Gasumlage geben – die Ampel-Koalition lotet daher weitere Entlastungsmöglichkeiten aus.
Direkt aus dem dpa-Newskanal
- Anzeige -SPD-Fraktionsvize Matthias Miersch mahnte bereits vor dem Entscheid aus Brüssel eine andere Lösung an, falls keine Ausnahme bei der Steuer möglich sei. Niemand solle am Ende mehr als die 2,4 Cent pro Kilowattstunde bezahlen, sagte Miersch in der ARD. «Jetzt muss es weitergehen», forderte der SPD-Politiker mit Blick auf weitere Entlastungen. So seien etwa Antworten für Rentnerinnen und Rentner nötig. Notwendig sei auch eine verlässliche Nachfolgelösung für das 9-Euro-Ticket, das nur noch bis Ende August gilt.
Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Michael Kellner (Grüne), will den Fokus von Entlastungen angesichts hoher Energiekosten vor allem auf Geringverdiener legen.
Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Julia Klöckner, forderte die Regierung zu einem raschen Handeln auf. «Die endlosen Diskussionen über Entlastungen müssen nun schnell ein Ende finden und die zusätzliche Belastung durch die Mehrwertsteuer schnell wieder an die Verbraucher zurückgegeben werden», teilte die CDU-Politikerin mit.
Scholz will rasche Klärung
Die EU-Kommission bekräftigte, dass eine Streichung der Steuer anders als von der Bundesregierung erhofft nicht möglich ist. Die Brüsseler Behörde arbeitet nach eigenen Angaben aber zusammen mit Berlin an einer Lösung. Kanzler Olaf Scholz (SPD) will eine rasche Klärung. Aus der Koalition kamen Rufe nach einer Senkung der Steuer.
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Mit der Umlage sollen erhöhte Beschaffungskosten von Großimporteuren ausgeglichen werden, um diese vor der Pleite und das deutsche Energiesystem vor dem Kollaps zu bewahren. Alle Gaskunden sollen dafür zusätzlich 2,4 Cent pro Kilowattstunde bezahlen, Privathaushalte ebenso wie Firmen. Etwa die Hälfte aller Wohnungen in Deutschland wird mit Gas beheizt.
Merhheit der Bürger fehlt Orientierung
Die Bundesregierung hat in den vergangenen Monaten mehrere Entlastungsmaßnahmen angestoßen. Einer Mehrheit der Bundesbürger fehlt einer Umfrage zufolge jedoch Orientierung. Das geht aus dem RTL/ntv-«Trendbarometer» hervor. 20 Prozent der Befragten hatten nach eigener Einschätzung einen genauen Überblick, 78 Prozent hingegen gaben an, sie blickten «da nicht mehr durch».
Vor dem Hintergrund der Entlastungsdebatte geht auch die Diskussion um die Steuerpläne von Bundesfinanzminister Christian Lindner weiter. Der Abbau der sogenannten kalten Progression sei nicht allein eine Frage der Finanzpolitik, schrieb der FDP-Chef auf Twitter. «Es ist eine gesellschaftspolitische Richtungsentscheidung. Was schon lange Staatspraxis ist, wird von linken Stimmen zur "Klientelpolitik" erklärt. Es geht aber um die breite Mitte der Gesellschaft.»
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Lindner: Inflationsausgleichsgesetz schafft Steuergerechtigkeit
Lindner will die kalte Progression ausgleichen. Das ist ein Effekt, durch den Bürger in Zeiten hoher Inflation mehr Steuern zahlen müssen, obwohl ihre Kaufkraft nicht steigt. Der Minister hat deshalb vorgeschlagen, den Grundfreibetrag und die Grenze für den Spitzensteuersatz anzuheben.
Das sogenannte Inflationsausgleichsgesetz schaffe Steuergerechtigkeit, schrieb Lindner. «Wir vermeiden inflationsbedingte Mehrbelastungen für 48 Millionen Menschen in Deutschland – 270.000 werden sogar komplett von der Einkommensteuerzahlung befreit.»
Politiker der Koalitionspartner SPD und Grüne kritisieren an dem Vorschlag, dass in Euro und Cent bei Geringverdienern weniger ankommen würde als bei Topverdienern. Lindner wies dies zurück: «Die maximale Wirkung ist bei einem Alleinstehenden mit gut 62.000 Euro Jahreseinkommen gedeckelt. Das ist ein guter Verdienst, aber noch voll die Mitte der Gesellschaft», sagte er der dpa. «Die Mehrbelastung dieser Menschen läge bei 479 Euro, wenn wir nichts tun.»
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