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Terror in Österreich

Der Terroranschlag in Wien: Was wir wissen – und was nicht

Aktualisiert 03.11.2020 - 11:43 Uhr

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Der Terrorangriff ereignete sich wenige Stunden vor Beginn des teilweisen Lockdowns in Österreich. Seit Mitternacht sind alle Gaststätten im Kampf gegen die Corona-Pandemie geschlossen. Die ersten Schüsse fielen am Montagabend gegen 20 Uhr nahe einer Synagoge in einem Ausgehviertel von Wien. 

Der Terroranschlag in Wien: Was wir wissen – und was nicht

Polizisten beim Einsatz in der Wiener Innenstadt. Foto: Roland Schlager/APA/dpa

Vier Passanten bei islamistischer Attacke in Wien getötet

Wien (dpa) – Nach dem Terroranschlag in Wien am Montagabend ist noch nicht klar, ob der Täter alleine gehandelt hat oder ob er Komplizen hatte. Sicher ist: mindestens vier Passanten sind bei der Bluttat ums Leben gekommen, auch ein Täter wurde erschossen.

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Was wir wissen über die Tat, Verletze und Opfer:

Der Terrorangriff ereignete sich wenige Stunden vor Beginn des teilweisen Lockdowns in Österreich. Die ersten Schüsse fielen am Montagabend gegen 20 Uhr nahe der Hauptsynagoge in einem Wiener Ausgehviertel.

Bewaffnet mit einem Sturmgewehr, einer Pistole und einer Machete sowie einer Sprengstoffgürtel-Attrappe feuerte ein Mann in die Menge und wahllos in die Lokale.

Mindestens ein Mann brach tödlich getroffen auf einem Bürgersteig zusammen. Insgesamt wurden mindestens vier Passanten getötet, außerdem wurde ein Täter von der Polizei erschossen. 17 Menschen werden in mehreren Spitälern behandelt, sieben von ihnen nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA lebensgefährlich verletzt.

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Was wir sonst noch wissen:

  • Der Ort: Nach Angaben der Polizei gab es sechs verschiedene Tatorte, darunter die Seitenstettengasse, den Morzinplatz, den Fleischmarkt und den Bauernmarkt. Einer der Orte liegt in der Nähe der Synagoge. Nach der Tat war die Wiener Innenstadt zeitweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr erreichbar. Weder Busse noch Bahnen steuerten Ziele im historischen Kern der Zwei-Millionen-Metropole an.  
  • Die Hintergründe: Der Anschlag geht nach den Worten von Österreichs Innenminister Karl Nehammer auf das Konto mindestens eines islamistischen Terroristen. Der Attentäter sei ein Sympathisant der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gewesen, sagte Nehammer.
  • Die Ermittlungen: Nach dem Anschlag wurde mehrere Wohnungen durchsucht, die Wohnung des Täters wurde aufgesprengt. Mehrere Personen seien festgenommen worden, teilte die Polizei mit. 1000 Beamte sind nach Angaben des Innenministeriums in Wien im Einsatz.

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Was wir nicht wissen:

  • Die Opfer: Die Identitäten der vier Opfer und des bislang bekannten Täters sind noch nicht veröffentlicht worden.
  • Der Verantwortlichen: Polizei und Innenministerium gehen von einem politischen Hintergrund aus. Unklar ist aber, ob der getötete Schütze Komplizen hatte. «Wir können derzeit nicht ausschließen, dass es noch andere Täter gibt», so der Innenminister.
  • Das Motiv: Trotz der Verbindung zur Terrormiliz IS ist das konkrete Motiv für die Tat ebenso wenig bekannt wie ein Bekennerschreiben oder -video. Wollte der Schütze Panik im gut besuchten Ausgehviertel verbreiten oder hatte er sich die Synagoge als Ziel ausgesucht?
    Nach Angaben des Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde, Oskar Deutsch, waren allerdings sowohl die Synagoge als auch das Bürogebäude an derselben Adresse zum Zeitpunkt der ersten Schüsse nicht mehr in Betrieb und geschlossen.

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Wohnungen und Objekte durchsucht

Die Attacke geht nach den Worten von Österreichs Innenminister Karl Nehammer auf das Konto mindestens eines islamistischen Terroristen. Der Attentäter sei ein Sympathisant der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gewesen, sagte Nehammer am Dienstagmorgen. Er sei mit einem Sturmgewehr bewaffnet gewesen und habe zudem eine Sprengstoffgürtel-Attrappe getragen. Er habe offenbar Panik verbreiten wollen.

Im Umfeld des Täters wurden mehrere Objekte durchsucht. Es seien mehrere Personen festgenommen worden, hieß es aus dem Innenministerium, wie die österreichische Nachrichtenagentur APA am Morgen meldete.

Ermittlungen in Wien dauern an

«Wir können derzeit nicht ausschließen, dass es noch andere Täter gibt», sagte Nehammer. Die entsprechenden Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Die Bevölkerung habe der Polizei inzwischen Tausende von Videoaufnahmen für ihre Ermittlungen zur Verfügung gestellt. Die Wohnung des Verdächtigen sei auf der Suche nach belastendem Material durchsucht worden, hieß es. 1000 Beamte seien in Wien im Einsatz.

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Zwei Festnahmen in Niederösterreich

Nach dem Anschlag in Wien hat die Polizei in St. Pölten zwei Menschen festgenommen. Wie die Nachrichtenagentur APA am Diensag unter Berufung auf einen Polizeisprecher berichtete, gab es in der niederösterreichischen Landeshauptstadt zudem zwei Hausdurchsuchungen. Der «Kurier» berichtete am Dienstag auf seiner Website, es handele sich um Kontaktadressen des mutmaßlichen Attentäters. Widerstand geleistet habe niemand.

Der in Wien erschossenen Attentäter ist nach Angaben von Österreichs Innenminister Karl Nehammer ein Islamist mit Wurzeln in Nordmazedonien. Nehammer sprach von umfangreichen Razzien im Umfeld des Täters. Dabei seien mehrere Personen festgenommen worden.

Kanzler Sebastian Kurz wird Kranz niederlegen

Die Regierung hält angesichts des Anschlags um 9 Uhr – per Videokonferenz – einen Sonderministerrat ab. Um 11.30 Uhr wendet sich Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) dann in einer Rede an die Bevölkerung.

Um 12 Uhr empfangen Kurz und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) sowie die Fraktionschefs der Parlamentsparteien im Bundeskanzleramt zu einem Gespräch. Danach folgt eine gemeinsame Kranzniederlegung am Tatort, um der Opfer zu gedenken. Aufgrund der weiteren polizeilichen Ermittlungen wurden die Bürger dazu aufgerufen, die Innenstadt zu meiden.

Merkel zu Wien: Islamistischer Terror ist unser gemeinsamer Feind

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Österreich nach dem Terroranschlag von Wien die Solidarität Deutschlands bezeugt. «Der islamistische Terror ist unser gemeinsamer Feind. Der Kampf gegen diese Mörder und ihre Anstifter ist unser gemeinsamer Kampf», erklärte Merkel nach einer Twitter-Mitteilung von Regierungssprecher Steffen Seibert. «Wir Deutsche stehen in Anteilnahme und Solidarität an der Seite unserer österreichischen Freunde.»

Sie sei «in diesen schrecklichen Stunden» in Gedanken bei den Wienern und den Sicherheitskräften, so Merkel. Ihr Mitgefühl gelte den Angehörigen der Opfer, den Verletzten wünsche sie vollständige Genesung.

Bundesaußenminister Heiko Maas schrieb auf Twitter: «Wir dürfen nicht dem Hass weichen, der unsere Gesellschaften spalten soll.» Auch wenn das Ausmaß des Terrors noch nicht absehbar sei, seien die Gedanken bei den Verletzten und Opfern.

Auch andere Politiker aus der ganzen Welt drücken ihr Bedauern aus

Spitzenpolitiker in aller Welt zeigten sich betroffen. «Nach einem weiteren abscheulichen Terrorakt in Europa sind unsere Gebete bei den Menschen in Wien», schrieb US-Präsident Donald Trump am späten Montagabend (Ortszeit) auf Twitter. Die USA stünden an der Seite Österreichs, Frankreichs und ganz Europas im Kampf gegen Terroristen, einschließlich radikal-islamische Terroristen.

Sein demokratischer Herausforderer Joe Biden twitterte, er und seine Frau Jill beteten nach dem schrecklichen Terrorangriff in Wien für die Opfer und deren Familien. «Wir müssen alle vereint gegen Hass und Gewalt eintreten», ergänzte er. In den USA wird am Dienstag ein neuer Präsident gewählt.

Auch UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte den Terrorangriff in der Wiener Innenstadt scharf. Er verfolge die Situation mit «äußerster Sorge», sagte der UN-Chef nach einer Mitteilung in der Nacht zum Dienstag in New York.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf Deutsch auf Twitter: «Nach Frankreich ist es ein befreundetes Land, das angegriffen wird. Dies ist unser Europa. Unsere Feinde müssen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wir werden nichts nachgeben.» In Frankreich hatte es in den vergangenen Wochen drei Anschläge gegeben, die Ermittler gehen jeweils von einem islamistischen Hintergrund aus.

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