Medikament gegen Corona
Corona-Wirkstoff Remdesivir: USA erlauben begrenzten Einsatz
Stand 03.05.20 - 11:04 Uhr
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Ein Hoffnungsschimmer in der Corona-Pandemie: In den USA kommt ein neues Medikament zum Einsatz, das bei Covid-19-Patienten zu einer schnelleren Genesung führen könnte. Bislang gibt es dazu nur eine große Studie. Doch die Zeit drängt.
Eine klinische Studie hat gezeigt, dass der ursprünglich für Ebola entwickelte Wirkstoff bei Covid-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung um mehrere Tage verkürzen kann. Foto: Ulrich Perrey/dpa-POOL/dpa
Eventuell schnellere Genesung mit Medikament zur Behandlung von Covid-19
Washington (dpa) – Die USA erlauben den begrenzten Einsatz des Wirkstoffs Remdesivir bei Covid-19-Patienten in Krankenhäusern. Die Ausnahmegenehmigung sei angesichts der Coronavirus-Pandemie «in Lichtgeschwindigkeit» zustande gekommen, sagt Stephen Hahn, Chef der Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde.
- Anzeige -Präsident Donald Trump bezeichnete den Schritt als «sehr vielversprechend». Eine klinische Studie hatte zuvor gezeigt, dass der ursprünglich für Ebola entwickelte Wirkstoff bei Covid-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung um mehrere Tage verkürzen kann.
Unternehmen will Medikament spenden
Der Chef des Biotech-Unternehmens Gilead, Daniel O’Day, erklärte, das Unternehmen werde US-Behörden 1,5 Millionen Dosen Remdesivir spenden, die für mehr als 100.000 Behandlungen ausreichen sollten. Patienten, die an der Lungenkrankheit Covid-19 litten, könnten das Medikament nun je nach Schwere der Erkrankung fünf oder zehn Tage lang bekommen, erklärte Gilead. Die US-Regierung werde die Verteilung des Medikaments übernehmen, um sicherzustellen, dass es ankomme, wo es am dringendsten gebraucht werde. Bis Dezember wolle man genügend Remdesivir für eine Million Behandlungen produzieren.
Remdesivir ist bislang weltweit nirgendwo als Medikament zugelassen. Die Ausnahmegenehmigung für die USA entspricht keiner formellen Zulassung, was ein wesentlich aufwendigerer Prozess ist. Selbst die Ausstellung einer begrenzten Ausnahmegenehmigung nach nur einer vielversprechenden klinischen Studie ist ungewöhnlich. Bislang gibt es jedoch keine Impfung gegen das neuartige Coronavirus und auch keine zuverlässige zugelassene medikamentöse Therapie.
[MD_Portal_Script ScriptID="9217250" location="leftALone"]Verkürzung der Behandlungsdauer in klinischer Studie
Am Mittwoch hatte das Nationale Institut für Infektionskrankheiten (NIAID) der USA erklärt, Remdesivir habe im Rahmen einer klinischen Studie die Behandlungsdauer deutlich verkürzt. Institutsleiter Anthony Fauci sprach von einer «signifikanten positive Wirkung bei der Verringerung der Zeit bis zur Genesung».
Die Studie mit mehr als 1.000 Teilnehmern sei mit Kontrollgruppen durchgeführt worden, die Datenerhebung hätten unabhängige Experten begleitet. Patienten mit der vom Coronavirus verursachten Lungenkrankheit Covid-19 waren Fauci zufolge nach durchschnittlich 11 Tagen wieder genesen, die Patienten der Kontrollgruppe hingegen erst nach 15 Tagen. Die Resultate müssten noch unabhängig geprüft und veröffentlicht werden, schränkte Fauci ein. Zudem führte das Medikament nur zu einer geringfügig niedrigeren Sterblichkeitsrate.
Nach Ansicht vieler Experten scheinen die Ergebnisse der US-Studie ausreichend belastbar. Es seien genügend Patienten untersucht worden, unter Therapie mit Remdesivir seien sie früher aus dem Krankenhaus entlassen worden, sagte diese Woche etwa Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing. «Somit sind wesentliche Endpunkte der Studie erreicht worden, so dass an einer raschen Zulassung der Substanz aus meiner Sicht wenig Zweifel bestehen dürfte.»
- Anzeige -Chinesische Studie mit anderem Ergebnis
Eine ebenfalls diese Woche im Fachmagazin «The Lancet» vorgestellte chinesische Studie kam hingegen zu dem Schluss, dass sich der Zustand der Patienten mit Remdesivir nicht wesentlich verbessert. Aus Patientenmangel wurde diese Studie allerdings frühzeitig abgebrochen.
In die chinesische Studie wurden 237 Patienten aus zehn Krankenhäusern in Wuhan eingeschlossen, dem Ursprungsort der Pandemie. Von ihnen bekamen 158 Remdesivir, 79 ein wirkungsloses Scheinmedikament. Die Forscher stellten keinen statistisch bedeutsamen Einfluss auf die Krankheitsdauer oder die Sterberate fest. Neben dem vorzeitigen Abbruch der Studie weisen sie allerdings auf eine weitere Schwächen hin: Die meisten ihrer Patienten waren erst spät im Krankheitsverlauf mit Remdesivir behandelt worden.
Remdesivir hatte zuvor in Laborversuchen einige Wirksamkeit gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 gezeigt. In Tierversuchen wirkte es gegen andere Coronavirus-Infektionen wie Sars und Mers.
USA verzeichnen die meisten Infizierten weltweit
- Anzeige -Wissenschaftler der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore haben in den USA inzwischen mehr als 1,1 Millionen Infektionen verzeichnet (Stand Freitagabend) – rund ein Drittel der bestätigten Infektionen weltweit. Die Zahl der Toten in den USA liegt demnach bei mehr als 64 000. Trump sagte am Freitag, er hoffe auf weniger als 100 000 Tote in den USA infolge der Pandemie. Das sei deutlich unter Opferzahlen von bis zu 2,2 Millionen, die eine Studie ohne Eindämmungsmaßnahmen befürchtet hatte. Es sei dennoch «eine schreckliche Zahl».
Trump steht in der Kritik
Trump hatte noch am 17. April gesagt, seine Regierung rechne mit 60.000 bis 65.000 Toten infolge der Coronavirus-Epidemie in den USA. Frühere Modelle, die das Weiße Haus vorgestellt hatte, hatten mindestens 100.000 Tote in den USA vorhergesagt. Inzwischen haben mehrere US-Bundesstaaten begonnen, Schutzmaßnahmen wieder zu lockern. Kritiker werfen Trump vor, die Gefahr durch das neuartige Coronavirus zunächst kleingeredet zu haben.
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