Klinikum rechts der Isar
Münchner Krankenpfleger in weiteren Fällen unter Mordverdacht
Stand 18.01.21 - 12:38 Uhr
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Im Herbst 2020 macht eine Festnahme in München Schlagzeilen: Ein Pfleger soll im Krankenhaus versucht haben, drei Patienten umzubringen. Jetzt zeigt sich: Die Verdachtsfälle sind womöglich nur die Spitze des Eisberges.
Im «Klinikum rechts der Isar – TU München» gibt es in mehreren Fällen Mordverdacht gegen einen Krankenpfleger. Foto: Matthias Balk/dpa
Was war das Motiv des 24-Jährigen?
München (dpa) – Ein im November wegen Mordversuchs verhafteter Münchner Krankenpfleger steht inzwischen wegen weiterer Fälle unter Verdacht.
- Anzeige -«In dieser Sache prüfen wir weitere Verdachtsfälle», sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I, Anne Leiding, der dpa. «Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren.» Wie viele Fälle das sind, ließ sie offen.
Bisher drei Fälle wegen des Verdachts auf versuchten Mord
Bislang hatte die Staatsanwaltschaft in drei Fällen wegen des Verdachts auf versuchten Mord ermittelt. Sie wirft dem 24-Jährigen vor, drei Patienten im Alter von 54, 90 und 91 Jahren aus reiner Geltungssucht mit Medikamenten in Lebensgefahr gebracht zu haben, um dann bei ihrer Rettung zu glänzen.
- Anzeige -Oberarzt im Klinikum rechts der Isar hegt Verdacht
Ein aufmerksamer Oberarzt am Klinikum rechts der Isar war stutzig geworden, weil sich der Zustand von zwei Patienten plötzlich und unerklärlich verschlechtert hatte. Interne Ermittlungen ergaben Hinweise auf einen ähnlichen Fall, bei dem auch der Beschuldigte Dienst hatte.
Der Verdacht: Der Pfleger spritzte den Patienten eine Überdosis eines Medikaments, das ihnen nicht verabreicht werden sollte. Spuren dieser nicht verordneten Medikamente wurden im Blut der Patienten gefunden. Die Klinik zeigte den Pfleger an, er bestritt die Vorwürfe bei seiner Festnahme.
- Anzeige -Motiv? Wollte der Pfleger bei der Rettung glänzen?
Der ausgebildete Altenpfleger war seit Juli 2020 über eine Zeitarbeitsfirma in die Klinik gekommen und dort vor allem auf der sogenannten Wachstation im Einsatz, einer Zwischenstation zwischen Intensiv- und normaler Station, auf der Kranke rund um die Uhr betreut wurden.
Chatverläufe legen nach Angaben der Staatsanwaltschaft nahe, dass der junge Mann sich mit Reanimationsannahmen brüsten wollte und damit, Menschenleben gerettet zu haben. «Deswegen das Leben eines Menschen zu riskieren, um dann nachher als weißer Ritter dazustehen, das stufen wir natürlich als niedrige Beweggründe ein», sagte Leiding nach der Festnahme.
- Anzeige -Parallelen zum Falles des Todespflegers aus Oldenburg
Der Fall erinnert an den des Patientenmörders Niels Högel, den das Landgericht Oldenburg 2019 wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt hatte.
Er war in Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst als Krankenpfleger in der Intensivmedizin tätig und tötete dort nach Feststellung des Landgerichts insgesamt 85 Patienten, indem er ihnen medizinisch nicht indizierte Medikamente verabreichte. Dabei soll es ihm in erster Linie darum gegangen sein, sich danach um die Reanimation der Patienten bemühen zu können und vor Kollegen zu glänzen.
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