Aktualisiert: 06.07.2020 - 16:51

Der Alkoholkonsum ist seit der Corona-Pandemie um 37 Prozent angestiegen, laut einer Studie des Klinikums Nürnberg. Ein Drittel der Teilnehmer gaben an seit dem Shutdown mehr bis viel mehr Alkohl getrunken zu haben.

alkoholkonsum um ein drittel gestiegen in corona zeit

Foto: Shutterstock

Anstieg der Verkaufszahlen von Alkohol

Mehr als 37 Prozent der rund 3000 befragten Erwachsenen haben in der Corona-Zeit mehr Alkohol als sonst getrunken. Diese Erkenntnis geht aus der Studie der Klinikums Nürnberg in Kooperation mit dem Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim hervor. Allein in den ersten Woche der Ausgangsbeschränkungen konnte ein Anstieg der Verkaufszahlen von Alkohol um sechs Prozent beobachtet werden.

Nur Hamsterkäufer oder gestiegener Alkoholkonsum?

Wissenschaftler sind der Frage nachgegangen, ob es sich lediglich um Hamsterkäufe gehandelt hat oder ob es sich um ein ernsthaftes Alkoholproblem handelt. Um eine Antwort auf die Frage zu finden starteten sie eine anonyme Online-Befragung. An der Befragung nahmen 3.200 Personen teil und beantworteten Fragen zu ihrer Konsumgewohnheit vor und nach der Ausgangsbeschränkung in Deutschland.

Die Auswertung der Online-Befragung ergab, dass etwa 37,4 Prozent der Teilnehmer mehr oder viel mehr Alkohol als vor der Corona-Krise konsumieren. Trotz allem ist die Studie nicht repräsentativ, da die Wissenschaftler ausschließlich Personen erreichen konnten, die online aktiv sind.

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Risikofaktoren des erhöhten Konsums

„Risikofaktoren für eine Vermehrung des Konsums waren zum Beispiel der Wechsel des Arbeitsstatus, etwa ins Homeoffice, ein hohes gefühltes Stressniveau und Zweifel daran, dass die Krise gut gemanagt wird“, so Anne Koopmann vom Zentralinstitut in Mannheim der Deutschen Presse-Agentur.

Denn vor allem Menschen, die ein hohes Stresslevel und einen geringeren sozialen Status gaben an, dass sie in der Zeit mehr Alkohol trinken. Menschen in systemrelevanten Berufen gaben hingegen an weniger Alkohol zu konsumieren, oder dass ihr Konsum gleich geblieben ist.

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Telefon- und Onlineberatungen bei zweiter Welle

Laut Dr. Thomas Hillemacher, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg, bildet die Studie trotz allem einen Querschnitt der heutigen Gesellschaft ab. Denn hinsichtlich einer zweiten Corona-Welle wird über ein durchdachtes Beratungs- und Präventionskonzept nachgedacht. Telefon- und Onlineberatungen können eine gute Hilfe für Betroffene sein, so Thomas Hillemacher.

Eine zweite Studie ist im Herbst 2020 geplant, um die Verhaltensänderung durch die Corona-Krise über eine längere Sicht verfolgen zu können.