Nach Absturz im vergangenen Jahr
Europas Weg ins All: Deutsches Start-up vor entscheidendem Raketenstart
Stand 26.01.26 - 14:55 Uhr
Isar Aerospace plant den zweiten Start seiner Spectrum-Rakete vom norwegischen Raumhafen Andøya. Der Start ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem unabhängigen europäischen Zugang zum Weltraum.
© pexels
Testflug muss verschoben werden
Ottobrunn (dpa) – Der deutsche Raketenhersteller Isar Aerospace hat den geplanten zweiten Testflug seiner Spectrum-Rakete verschoben. Grund ist laut Mitteilung des Unternehmens ein Problem mit einem Druckventil. Ein neues angepeiltes Startdatum soll in Kürze bekanntgegeben werden, wie es in der kurzen Notiz auf der Plattform X hieß. Zuvor waren die Startvorkehrungen am norwegischen Weltraumbahnhof Andøya bereits weit gediehen.
- Anzeige -Das Start-up aus Ottobrunn bei München hatte seine Rakete Ende März 2025 zum ersten Testflug abheben lassen. Der Flug dauerte lediglich 30 Sekunden, bevor die Rakete ins Meer stürzte. Laut Isar Aerospace hatte das Kontrollzentrum den Flug abgebrochen und die Rakete kontrolliert ins Meer fallen lassen.
Ausgebucht trotz nicht erreichter Serienreife
Die Spectrum soll nach der Serienreife Satelliten in erdnahe Umlaufbahnen wenige hundert Kilometer über dem Erdboden bringen. Nach Angaben von Unternehmenschef Daniel Metzler ist Isar Aerospace jetzt schon auf Jahre ausgebucht, obwohl die Rakete nicht serienreif ist. Unter anderem hat das Start-up bereits Aufträge von EU und europäischer Raumfahrtagentur ESA erhalten.
Europa will im Weltraum unabhängig von den USA werden
Erfolg oder Misserfolg des ehrgeizigen Jungunternehmens aus dem Münchner Vorort Ottobrunn werden in Europas Raumfahrtbranche und den Regierungen mehrerer Länder mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Seit Jahren wird die große Mehrheit der europäischen Satelliten vom Raumfahrtunternehmen Space X des rechtsgerichteten US-Milliardärs Elon Musk ins All befördert, der der EU feindselig gegenübersteht. Dafür müssen die Auftraggeber jedoch umfangreiche Daten über ihre Projekte zur Verfügung stellen.
Nach Zahlen des Luft- und Raumfahrt-Bundesverbands BDLI starteten die USA im Jahr 2024 mehr als die Hälfte von weltweit 220 zivilen und militärischen Trägerraketen mit Satelliten und anderer Nutzlast an Bord. China schoss 67 Raketen ins All, Russland 20, und Indien 7. Europa war demnach mit 4 Raketenstarts Schlusslicht.
Auch die französisch-deutsche ArianeGroup will in diesem Jahr sieben bis acht Raketen des lang verzögerten Typs Ariane 6 sechs starten lassen. Anders als die «Spectrum» ist die Ariane eine schwere Trägerrakete, die Nutzlast auch in geostationäre Umlaufbahnen knapp 36.000 Kilometer über dem Erdboden befördern kann.
So sah das Ganze im vergangenen Jahr aus:
Launch, learn, repeat.#fromisartospace #goingfullspectrum pic.twitter.com/nyqKKBTIsV
— Isar Aerospace (@isaraerospace) March 30, 2025
Millioneninvestitionen und große Ziele für Europas Zugang zum All
Mit über 500 Millionen Euro Investitionen und dem Aufbau einer neuen Produktionsstätte nahe München, die mehr als 30 Raketen pro Jahr ermöglichen soll, gilt Isar Aerospace als einer der Hoffnungsträger der europäischen Raumfahrt. Der bevorstehende Start könnte ein entscheidender Schritt für Europas technologische Souveränität im All werden.
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