Zeitverlust für Pendler
Staus kosten einige Pendler mehrere Tage pro Jahr
Stand 24.01.23 - 14:53 Uhr
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Millionen Pendler leiden unter dem täglichen Stau auf dem Weg zur Arbeit. Am meisten Zeit kostet er sie ausgerechnet in der künftigen Ausrichterstadt der Internationalen Automobil-Ausstellung, sagt eine aktuelle Studie.
Autos stehen auf der Inneren Kanalstraße in Köln im Stau. Foto: Marcel Kusch/dpa
München (dpa) – Stau auf dem Hinweg, Stau auf dem Rückweg: Pendler in großen deutschen Städten leiden unter dem dichten Verkehr. Am schlimmsten trifft es sie einer Studie zufolge in München.
- Anzeige -Wer dort mit dem Auto zum Job fährt, verlor vergangenes Jahr 87 Stunden, wie aus einer Analyse des Verkehrsdatenanbieters Inrix hervorgeht. Ausgerechnet in der Stadt, die künftig die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) ausrichtet, kosten Stau und zähflüssiger Verkehr die Pendler also mehr als dreieinhalb Tage pro Jahr. Dahinter folgen Berlin mit 66 Stunden und Düsseldorf mit 50 Stunden. Der Zeitverlust wurde jeweils im Vergleich zur Fahrtdauer bei freier Straße ermittelt.
Im Durchschnitt ergab sich laut Inrix ein Zeitverlust von 46 Stunden für die Pendler in den 74 untersuchten deutschen Städten. Weitere stark betroffene Orte in Deutschland sind unter anderem Hamburg mit 48 Stunden Zeitverlust, Stuttgart und Nürnberg mit je 42, Köln mit 41, Hannover mit 40 sowie Bremen mit 37 und Frankfurt am Main mit 36 Stunden.
International gesehen steht Deutschland noch gut da
Im internationalen Vergleich kommen die deutschen Pendler dabei noch vergleichsweise gut davon: Im kolumbianischen Bogota und im brasilianischen Rio de Janeiro summiert sich der Zeitverlust auf 191 beziehungsweise 190 Stunden. Die Städte mit dem höchsten Zeitverlust in Europa sind Rom und Paris mit 166 beziehungsweise 165 Stunden pro Jahr.
Die aktuellen Staudaten weichen nach einer Umstellung der Methodik teilweise massiv von denen ab, die Inrix noch vergangenes Jahr gemeldet hatte. Nachdem jetzt auch viel befahrene Pendlerstrecken zu Zielen außerhalb der Stadtzentren herangezogen werden, sinken die Zeiten beispielsweise für Berlin um mehr als die Hälfte. Die alte Methodik ergab dort 154 Stunden für 2018, für 2019 wurden jetzt nach dem neuen System nur noch 66 Stunden ermittelt.
- Anzeige -München auf Platz 4 der staugeplagten Städte
Zudem kommen andere Studien zu anderen Ergebnissen. So sieht der Navigationsgerätehersteller TomTom München in einer Ende Januar veröffentlichten Liste nur auf dem vierten Platz der am stärksten von Stau betroffenen deutschen Städte hinter Hamburg, Berlin und Wiesbaden. Weltweit sieht diese Liste Bangalore in Indien und Manila auf den Philippinen als die am stärksten belasteten Städte.
Der ADAC wiederum sieht sich regelmäßig an, in welchen Bundesländern es am meisten Staus auf den Autobahnen gibt. 2019 lag dabei erneut Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes Bundesland vorne. Dahinter folgten Bayern und Baden-Württemberg.
Justin Geistefeldt, Professor für Verkehrswesen an der Ruhr-Universität Bochum, findet die gängigen Stau-Rankings grundsätzlich «ein Stück weit problematisch», weil sie Besonderheiten der einzelnen Städte nicht ausreichend berücksichtigten. «Was da verglichen wird, ist oft nicht gut vergleichbar», sagt er. Dennoch lieferten die Studien aber gewisse Hinweise. «Es gibt kaum eine bessere Datengrundlage, um das Staugeschehen zu bewerten.»
Inrix verkauft Verkehrsanalysen und Dienstleistungen für vernetzte Autos an Verwaltungen und Unternehmen. Je größer die Stau-Probleme erscheinen, desto besser sind seine Geschäftsaussichten.
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