Europameisterschaft
Nagelsmanns Lehren vor der K.o.-Runde
Stand 24.06.24 - 10:42 Uhr
Der Bundestrainer spürt trotz des spät gesicherten Gruppensiegs keine EM-Skepsis. Der Plot des Schweiz-Spiels ist für ihn ein ideales Szenario. Der Plan für den Start der K.o.-Phase läuft.
©Christian Charisius/dpa
Da hat die deutsche Nationalmannschaft Glück gehabt, oder?
Frankfurt/Main (dpa) – Glück gehabt? Oder einen guten Plan? Nach dem 1:1 gegen die Schweiz und dem gerade noch gelungenen Gruppensieg wollte sich Julian Nagelsmann nicht auf irgendwelche Diskussionen einlassen. Der späte Ausgleich durch Superjoker Niclas Füllkrug war für den Bundestrainer der verdiente Lohn für eine beharrliche Spielweise.
- Anzeige -Gruppensieg für Deutschland
Nicht so spektakulär wie beim 5:1 gegen Schottland, aber besser als beim 2:0 gegen Ungarn hatte der 36-Jährige die Fußball-Nationalmannschaft zum Abschluss der EM-Gruppenphase gegen die Eidgenossen gesehen. Er zählte dafür auch Statistikwerte von Torschüssen (19:4) bis Ballbesitz (70 Prozent) auf. Mit dem Gruppensieg geht für Nagelsmann die Rechnung auf.
Mehrere Faktoren sind nun vor dem Start in die K.o.-Phase des Heimturniers von Bedeutung. Gesucht wird vor allem noch der Gegner für das Achtelfinale am Samstag (21.00 Uhr) in Dortmund.
Der Joker-Faktor
Flanke David Raum, Tor Niclas Füllkrug. In der Nachspielzeit war das EM-Personalkonzept von Nagelsmann endgültig aufgegangen. Die Tor-Kombination von zwei Jokern verdeutlichte, dass der Bundestrainer mit seiner Rollenzuschreibung nicht nur ein stabiles Fundament für eine Startelf gelegt hat. Auch die Ersatzleute liefern fern von Frustration, wenn es darauf ankommt. «Deswegen haben wir es so gemacht», sagte Nagelsmann zur positiven Konkurrenzsituation von Füllkrug mit Stammkraft Kai Havertz.
Wer am Samstag in Dortmund spielt? Nagelsmann ließ sich zu möglichen Wechselspielen nicht locken. Generell notwendig sind sie in der Offensive nicht. Nagelsmann hat die richtigen Reizpunkte gesetzt. Alle denkbaren Baustellen haben sich in der Vorrunde auch erledigt. Ilkay Gündogan ist ein Kapitän mit Führungskapazität. Torwart Manuel Neuer hat sich stabilisiert und hält fehlerfrei wie eine Nummer eins. Und wenn es irgendwo klemmt, schickt Nagelsmann seine Joker ins Rennen.
Der Euphorie-Faktor
Natürlich erinnerten sich Fußball-Nostalgiker an jenes Siegtor von Oliver Neuville nach Flanke von David Odonkor im WM-Spiel 2006 gegen Polen. Es war der Zündfunke für das Sommermärchen. Ganz so hoch wollte Nagelsmann das Füllkrug-Tor nicht ansiedeln. Aber die Bedeutung eines Last-Minute-Treffers war dem Bundestrainer klar. Einen «kleinen Explosionsmoment», hatte Nagelsmann wahrgenommen. Vorher sei es im Stadion schon «sehr ruhig» gewesen.
Euphorie statt Ernüchterung, das war die einfache Formel des Tor-Effekts, den Füllkrug selbst so beschrieb: «Das kann schon ein Knackpunkt-Moment gewesen sein für uns als Team.» Das Wissen um späte Optionen kann Titelvertrauen auslösen. Nagelsmann sah es auch so und war sogar glücklicher über einen späten Punkt als über einen bequemen Sieg.
Wenn er ein «Drehbuch» schreiben müsse, würde er für den Turnier-Plot das Szenario lieber nehmen «als ein 4:0». Dortmund ist nun der richtige Ort für eine Stimmungsmaximierung: «Wenn wir die Fans im Rücken haben, ist das das beste Stadion der Liga», sagte Füllkrug.
Der Abwehr-Faktor
Umstellen muss Nagelsmann. Ein viertes Mal wird es nicht die gleiche Aufstellung geben können. Jonathan Tah fehlt in Dortmund wegen seiner zweiten Gelben Karte im Turnier. Unberechtigt fand Nagelsmann diese nach dem Einsteigen des Leverkuseners gegen Breel Embolo. Das nützt nichts. Wer ersetzt also Tah? Nico Schlotterbeck durfte gegen die Schweiz Minuten sammeln. Waldemar Anton sei auch ein Kandidat.
Eventuell muss Nagelsmann aber sowohl den Dortmunder Schlotterbeck als auch seinen möglicherweise künftigen Club-Kollegen Anton aufbieten. Der Grund: Antonio Rüdiger plagten sichtbar Schmerzen. «Er hat ein Problem im Oberschenkel. Ich kann es noch nicht sagen», berichtete der Bundestrainer. Ein Ausfall der kompletten Innenverteidigung wäre ein harter Schlag.
Der Planungs-Faktor
Einen Wunschgegner gibt es nicht für das Achtelfinale. Klaro, selbst wenn, würde Nagelsmann den niemals nennen. «Das Gesetz des Turniers ist es, dass die Gegner besser werden», sprach der Bundestrainer eher kryptisch über die Optionen England, Dänemark, Slowenien und Serbien. «Ich finde alle vier Gegner unbequem. Ich hätte mit einer klareren Verteilung der Punkte gerechnet», sagte er zur Situation in der Gruppe C.
Das Problem: Nagelsmann weiß erst am Dienstagabend, wer der Kontrahent sein wird. Das erschwert die Planung. Videos müssen geschnitten, Analysen gemacht werden. Schon am Mittwoch will Nagelsmann am für ihn wichtigsten Trainingstag seinen Spielern eine Taktik darlegen. «Die ganze Nacht» müssen seine Analysten also das Material vorbereiten.
In die Woche startet Nagelmann eher im Slow-Down-Modus. Heute gibt es das übliche Spielersatztraining für die Reservisten, am Dienstag haben alle frei. Ausgang aus dem Home Ground in Herzogenaurach bedeutet das aber nicht.
Bleib immer bestens informiert!
Mit unserem kostenlosen 95.5 Charivari-Newsletter verpasst du keine Highlights mehr. Von Top-Konzerten über exklusive Gewinnspiele bis hin zu Einblicken in Larissa Lannert live - wir liefern dir wöchentlich alles Wichtige direkt in dein Postfach.
Mehr Beiträge und Themen
Dieter Reiter kämpft nach eigenen Angaben mit einer ernsten Herz-Kreislauf-Erkrankung. Was das für Münchens Politik und seinen geplanten Abschied bedeutet.
2009 startete in einigen Kommunen und Bundesländern ein Pilotprojekt mit einer einheitlichen Behördennummer. Ein echter Service-Erfolg. 15 Jahre später macht nun auch Bayern landesweit mit.
Die Temperaturen werden milder, die Tage werden länger – der Frühling ist da und mit ihm erblühen wunderschöne Kirschblüten in ganz München. Hier verraten wir dir unsere Lieblingsplätze!
Ab heute könnt ihr euch euren Stand sichern: Der große BRK-Flohmarkt auf der Theresienwiese geht im April wieder an den Start. Wer verkaufen will, sollte schnell sein – die Plätze sind begehrt.
Alle Termine 2026 für München & Region: Shopping-Sonntage und Shopping-Nächte! Wir zeigen dir, wann du abends oder sogar sonntags einkaufen kannst – in der Stadt und im Umland.
Ein spannender Wahlkampf geht zu Ende. In der OB-Stichwahl konnte sich schließlich ein Kandidat durchsetzen. Wer wird neuer Bürgermeister der Stadt?
Vor vier Jahren lockerte die Staatsregierung das strikte Handyverbot an Bayerns Schulen. Nun kommt die Rolle rückwärts.
Seit Jahren beschäftigt der Streit um sauberere Luft und freie Fahrt für Autos am Mittleren Ring die Gerichte. Jetzt kürzt das Rathaus an einer Stelle ab. Warum das Thema aber nicht beendet ist.
Der Münchner Flughafen ist im März und April mehrere Tage nicht mit der S-Bahn erreichbar. Sowohl S1 als auch S8 fallen gleichzeitig aus. Reisende müssen auf Ersatzbusse umsteigen – das solltet ihr jetzt wissen.
Die Gewerkschaft Verdi ruft ihre Mitglieder, die im öffentlichen Nahverkehr beschäftigt sind, zur Arbeitsniederlegung auf. Betroffen sind unter anderem München, Nürnberg und Augsburg.
DESK
Es gab eine Fülle von Themen bei der Verkehrsministerkonferenz. Nicht in allen Punkten waren sich Länder und Bund einig.
Die Magie ist zurück: HBO zeigt den ersten Trailer zur neuen Harry-Potter-Serie. Fans müssen sich aber noch gedulden – der Start ist für Weihnachten 2026 geplant.
Mach mit beim Musikwettbewerb "A Liad für d’Wiesn 2026" und präsentiere deinen Song auf dem Oktoberfest! Jetzt bis 26. April teilnehmen.
Angesichts der hohen Spritpreise hat die Koalition im Eiltempo ein Maßnahmenpaket auf die Beine gestellt. Es dürfte aber nicht das letzte sein.
Auf der Münchner Stammstrecke kommt es wegen Bauarbeiten zu Sperrungen und Haltausfällen im März und April. Alle Infos.
2.200 Athleten aus 195 Ländern, ein frisch modernisiertes Olympiastadion und ein Marathon durch die City: München träumt von einer weiteren WM. Es ist auch ein Warmlaufen für die Olympia-Bewerbung.
Achtung: Die U-Bahnhaltestelle Poccistraße wird monatelang gesperrt. U3 und U6 sind betroffen – es gibt Ersatzbusse, aber deutlich längere Wege.