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Coronavirus in Deutschland

Kurzzeit-Lockdowns zum Brechen der Corona-Welle?

Aktualisiert 27.10.2020 - 16:24 Uhr

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Die Infektionswelle brechen - das ist unbedingt nötig, um zu verhindern, dass die Corona-Pandemie außer Kontrolle gerĂ€t. Es wird aber auch immer schwieriger. Vor der nĂ€chsten Beratungsrunde von Bund und LĂ€ndern kommen neue VorschlĂ€ge, wie es gehen könnte.

Kurzzeit-Lockdowns zum Brechen der Corona-Welle?

Auf einem Schild in Frankfurt am Main wird auf die Maskenpflicht hingewiesen. Foto: Andreas Arnold/dpa

Erneutes Bund-LĂ€nder-Treffen am Mittwoch

Berlin (dpa) – Vor neuen Bund-LĂ€nder-Beratungen ĂŒber das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie verstĂ€rkt sich die Debatte ĂŒber strenge, aber kurzzeitige Lockdowns.

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Fast zwei Drittel der BĂŒrger rechnen nach einer YouGov-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur damit, dass es wegen der stark steigenden Infektionszahlen wieder zu Schließungen von GeschĂ€ften, Restaurants oder Schulen kommen wird.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte am Dienstag davor, dass Deutschland in Situationen kommen könnte, «die ausgesprochen schwierig sind». Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechnet mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Infektionszahlen – auf bis zu 20.000 schon bis zum Wochenende.

11.409 Corona-Neuinfektionen in 24 Stunden

Die GesundheitsĂ€mter meldeten nach Angaben des Robert Koch-Instituts vom frĂŒhen Dienstagmorgen 11.409 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Am Dienstag vor einer Woche lag die Zahl noch bei 6868. «Aktuell ist eine zunehmende Beschleunigung der Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten», heißt es im aktuellen Lagebericht des RKI vom Montagabend.

«Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung fĂŒr den Infektionsschutz engagiert.» Der Anstieg wird laut RKI insbesondere durch private Treffen und Feiern sowie Gruppenveranstaltungen verursacht.

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Schon Ende dieser Woche 20.000 Neuinfektionen am Tag?

Deutschland habe es mit einem exponentiellen Wachstum zu tun, sagte Altmaier bei einem Deutsch-Französischen Wirtschaftstag. Die Zahl der Neuinfektionen steige jeden Tag um rund 70 bis 75 Prozent im Vergleich zur Vorwoche. «Und das bedeutet: Wir werden wahrscheinlich schon Ende dieser Woche 20.000 Neuinfektionen am Tag haben.»

Merkel betonte, heute wisse man etwas mehr ĂŒber das Virus als im FrĂŒhjahr. «Wir wissen, wie wir uns schĂŒtzen können. Wir können zielgerichteter vorgehen. Aber wir sehen auch bei den steigenden Zahlen, dass wenn wir das, was wir wissen ĂŒber das Virus, nicht einhalten, dass wir dann wieder in Situationen kommen, die ausgesprochen schwierig sind.»

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Deutschlandweit einheitliche Corona-Maßnahmen gefordert

Vor diesem Hintergrund forderte Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) schnelle zusĂ€tzliche Maßnahmen. Der dramatische Anstieg in den vergangenen Tagen sei «sehr besorgniserregend», sagte er am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. «Jetzt sind schnelle und entschlossene Schritte nötig, um diese neue Infektionswelle zu brechen.» Diese sollten zielgerichtet und zeitlich befristet sein.

«Und sie sollten deutschlandweit möglichst einheitlich getroffen werden und allgemein verstÀndlich sein», sagte der Finanzminister. In diesen Wochen entscheide sich, ob Deutschland weiter vergleichsweise gut durch die Pandemie komme. «Wir haben es selbst in der Hand», betonte Scholz.

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Wellenbrecher-Shutdown: Zwei Wochen Lockdown in ganz Deutschland

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warb fĂŒr eine befristete Schließung zahlreicher Einrichtungen. «Wenn wir den Sonderweg Deutschlands retten wollen, auch besser durch die zweite Welle zu kommen, dann muss ein Wellenbrecher-Shutdown jetzt kommen», sagte Lauterbach der dpa.

Es gehe um ein Konzept, «bei dem man ĂŒber zwei Wochen hinweg mit AnkĂŒndigung – in der Regel mit einer Woche Vorlauf – bundesweit Einrichtungen schließt: Restaurants, Bars, Kneipen, alle KulturstĂ€tten, Fitnessstudios, Vereine. Offen bleiben aber Schulen, Kitas und essenzielle GeschĂ€fte.» Private Treffen mĂŒssten auf ein absolutes Minimum reduziert werden. In Betrieben sollte so viel Homeoffice gemacht werden wie möglich.

Sehr, sehr harte aber zeitlich begrenzte Lösung gefordert

Noch rigoroser fiel ein Vorstoß des stellvertretenden Vorsitzenden der CDU, Thomas Strobl, aus. Er regte an, «dass wir auch einmal fĂŒr eine Woche alles dicht machen, dass von Freitag bis Sonntag die Woche drauf gar nichts mehr geht». Auf die Frage, ob dies auch Schulen, Kitas und GeschĂ€fte betreffen wĂŒrde, sagte der baden-wĂŒrttembergische Innenminister dem Nachrichtenportal «The Pioneer»: «Alles heißt alles.» Das bedeute auch EinschrĂ€nkungen im Grenzverkehr.

Damit könne man das Infektionsgeschehen zum Stillstand bringen. Der Vorteil dieser «sehr, sehr harten» Lösung wÀre die zeitliche Begrenzung. Strobl betonte, dann wÀren ein WeihnachtsgeschÀft und eine gemeinsame Weihnachtszeit mit der Familie wieder möglich.

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Knappe Mehrheit mit den Corona-Maßnahmen einverstanden

In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der dpa sagten 63 Prozent, dass sie einen Lockdown mit Schließungen von GeschĂ€ften, Restaurants oder Schulen erwarten. Nur 23 Prozent glauben nicht daran, 13 Prozent machten keine Angaben.

Einer weiteren Umfrage zufolge hĂ€lt gut jeder zweite Deutsche die geltenden Auflagen zum EindĂ€mmen der Pandemie fĂŒr angemessen. 51 Prozent der Befragten sind im «Deutschlandtrend im ARD-Morgenmagazin» dieser Ansicht. Das sind 8 Prozentpunkte weniger als zu Monatsbeginn. FĂŒr 32 Prozent gehen die aktuellen EinschrĂ€nkungen nicht weit genug, ein Plus von 5 Punkten. 15 Prozent halten die Auflagen hingegen fĂŒr zu weitgehend, das sind 4 Prozentpunkte mehr als Anfang Oktober.

Merkel und MinisterprÀsidenten treffen sich am Mittwoch

Wegen der angespannten Corona-Lage beraten die Kanzlerin und die MinisterprĂ€sidenten der LĂ€nder bereits an diesem Mittwoch in einer Videokonferenz ĂŒber das weitere Vorgehen. Es gehe darum, was Bund und LĂ€nder gemeinsam tun könnten, um möglichst schnell den Trend zu brechen, hatte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag gesagt.

Dabei zĂ€hle jeder Tag. Das Kanzleramt will nach «Bild»-Informationen bei der Bund-LĂ€nder-Runde fĂŒr weitere EinschrĂ€nkungen des öffentlichen Lebens werben. Im Gegensatz zum Lockdown im FrĂŒhjahr sollten Schulen und Kitas jedoch weiter geöffnet bleiben, außer in Regionen mit katastrophal hohen Infektionszahlen.

Lockdown wie im FrĂŒhjahr?

Unter einem Lockdown versteht man weitreichende EinschrĂ€nkungen des öffentlichen Lebens. Zur BekĂ€mpfung der ersten Corona-Welle hatten Bund und LĂ€nder beschlossen, Schulen und Kitas zu schließen sowie Kultur- und Sporteinrichtungen fĂŒr die Öffentlichkeit zu sperren. Die meisten GaststĂ€tten, LĂ€den und Dienstleister durften keine Kundschaft empfangen, ZusammenkĂŒnfte etwa in Kirchen oder Sportvereinen waren verboten. Ansammlungen von mehr als zwei Personen unterschiedlicher Haushalte waren ĂŒber Wochen nicht zulĂ€ssig.

Können wir Weihnachten feiern?

Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus, appellierte an die Menschen, das Weihnachtsfest in diesem Jahr zu «entzerren», um Kontakte zu reduzieren. Er rate dazu, lieber mit weniger Menschen und dafĂŒr doppelt zu feiern, sagte er der «Bild»-Zeitung.

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