Aktualisiert: 04.06.2020 - 17:13

Seit mehr als einem Jahrzehnt bewegt das ungeklärte Schicksal der kleinen Maddie viele Menschen über Landesgrenzen hinweg. Nun die überraschende Wende: Ein Deutscher steht unter Mordverdacht. Was bisher zur neuen Spur bekannt ist.

Pk im Jahr 2007

Gerry und Kate McCann zeigen während einer Pressekonferenz im Juni 2007 ein Bild ihrer verschwundenen Tochter Maddie. Foto: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dpa

Überraschende Entwicklung im Fall 'Maddie'

Braunschweig/Wiesbaden (dpa / 95.5 Charivari) - Im Fall des vor gut 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens Madeleine "Maddie" McCann gibt es eine neue Spur, die auch nach Bayern führt. Das BKA ermittelt gegen einen Mann aus Deutschland, der unter Mordverdacht steht. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig nimmt mittlerweile an, dass die verschwundene Maddie tot ist. Die Ermittler hoffen außerdem auf Hinweise aus der Bevölkerung. 

Sendung "Aktenzeichen XY" bringt Fall Maddie erneut ins Rollen

Der Fall war am Mittwochabend (03.06.2020) - wie schon früher - Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". Nach Angaben des Bundeskriminalamts (BKA) ermittelt die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen einen 43-Jährigen, der mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft sei. Er verbüße derzeit in anderer Sache eine längere Haftstrafe, teilte das BKA in Wiesbaden mit.

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Maddie vor 13 Jahren im Urlaub verschwunden

Die damals dreijährige Maddie war am 3. Mai 2007 aus einer Appartementanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden. Die Eltern waren zu der Zeit in einem nahe gelegenen Restaurant essen. Das ungeklärte Schicksal des Mädchens hatte weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Ermittler waren von einer Entführung ausgegangen. Zeitweise standen auch die Eltern selbst unter Verdacht.

Die neuen Erkenntnisse seien das Ergebnis einer jahrelangen Zusammenarbeit, der britischen, deutschen und portugiesischen Polizei. Madeleines Eltern hatten sich jahrelang mit teils emotionalen Aufrufen immer wieder an die Öffentlichkeit gewandt, um Informationen über den Verbleib ihrer Tochter zu erhalten. "Alles, was wir je wollten, ist sie zu finden, die Wahrheit ans Licht zu bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen", heißt es in einem Statement der Eltern. "Wir werden niemals die Hoffnung aufgeben, Madeleine lebend zu finden, aber was auch immer herauskommen sollte, wir müssen es wissen, weil wir Frieden finden müssen."

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Deutscher Verdächtiger lebte zum Tatzeitpunkt an der Algarve 

Nach BKA-Angaben hatte der Verdächtige zwischen 1995 und 2007 regelmäßig an der Algarve gelebt, unter anderem für einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. "Nach hier vorliegenden Erkenntnissen ging er in dieser Zeit im Raum Lagos mehreren Gelegenheitsjobs, unter anderem in der Gastronomie, nach", teilte das BKA mit.

Bereits nach einer Sendung von "Aktenzeichen XY... ungelöst" aus dem Jahr 2013 seien Hinweise auf den Deutschen eingegangen, sagte Christian Hoppe vom BKA in der ZDF-Sendung. Auch nach einem Bericht zehn Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens habe es Hinweise gegeben. Damals reichten die Informationen aber nicht für Ermittlungen oder eine Festnahme aus, wie Hoppe berichtete. Es gab demnach viele Indizien, der entscheidende Beweis fehle aber noch. Die Ermittlungen führten zu der Annahme, dass das Mädchen einem Tötungsdelikt zum Opfer gefallen ist.

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Das ist über den verdächtigen Deutschen bekannt

Nach Informationen der "Braunschweiger Zeitung" handelt es sich bei dem nun Beschuldigten um einen Mann, der 2019 vom Landgericht Braunschweig wegen Vergewaltigung einer damals 72-jährigen Amerikanerin verurteilt worden sei. Der Mann soll die Tat in demselben portugiesischen Ort begangen haben, in dem rund anderthalb Jahre später die kleine Maddie verschwunden sei.

Im Dezember 2019 sei der Mann vor dem Braunschweiger Landgericht zu einer siebenjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, berichtet die "Braunschweiger Zeitung". Das Urteil sei bislang nicht rechtskräftig. Der Angeklagte werfe der Justiz Rechtsfehler im Auslieferungsverfahren vor.

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So sah der Verdächtige zum Tatzeitpunkt aus

Wie Scotland Yard mitteilte, trug der Mann zur Tatzeit kurzes, blondes Haar außerdem ist er etwa 1,80 Meter groß. Vor allem zwei Fahrzeuge und zwei Telefonnummern des Mannes sind im Visier der britischen Ermittler. Nach Informationen des BKAs nutzte der Tatverdächtige zur tatkritischen Zeit einen dunkelfarbenen Jaguar XJR 6. Über die konkrete Zulassung vor der Tat liegen keine Erkenntnisse vor, die letzte bekannte Zulassung nach dem Tattag war von der Stadt Augsburg. Auch ein weiß-gelber VW T3 Westfalia mit portugiesischer Zulassung soll der Mann genutzt haben. Es liegen Hinweise vor, wonach er eines dieser Fahrzeuge zur Begehung der Tat genutzt haben könnte!

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Das ist der Jaguar, um den es sich handelt. Foto: BKA

Ermittler suchen wichtigen Zeugen

An dem Abend, als Maddie verschwand, soll der Verdächtige einen Anruf erhalten haben unter der Nummer +351 912 730 680 mit portugiesischer Ländervorwahl. Der Anruf wurde in der Region um Praia de Luz entgegengenommen. "Ermittler glauben, dass die Person, die diesen Anruf getätigt hat, ein höchst wichtiger Zeuge ist, und rufen die Person dazu auf, mit den Ermittlern in Kontakt zu treten", hieß es in der Scotland-Yard-Mitteilung. Die Nummer des Anrufers laute +351 916 510 683.

Das BKA bittet um Mithilfe

Mit der neuen Spur im Fall 'Maddie' hofft das BKA auch auf neue zielführende Hinweise. Folgende Fragen richten das BKA und die Staatsanwaltschaft Braunschweig an uns Bürger:

  • Können Sie Angaben zu den vom Tatverdächtigen genutzten Fahrzeugen machen bzw. haben Sie diese Anfang Mai 2007 gesehen oder haben Kenntnis über ihre Abstellorte im genannten Zeitraum?

  • Können Sie Angaben zu den genannten Rufnummern bzw. deren Nutzern im Mai 2007 machen?

  • Haben Sie sich Anfang Mai 2007 an der Algarve aufgehalten und verfügen ggf. noch über Bildmaterial wie Urlaubsfotos oder Videos?

  • Standen Sie in Kontakt zu einer Person, welche in Verbindung zu den genannten Fahrzeugen und Telefonnummern stand und können Sie Angaben zu dessen Aufenthalt Anfang Mai 2007 machen?

  • Wurden Sie möglicherweise selbst Opfer einer Straftat durch diese Person?

Weiterhin besteht Anlass zur Annahme, dass es neben dem Täter selbst noch weitere Personen gibt, welche über konkretes Wissen zum möglichen Tathergang und ggf. Ablageort der Leiche verfügen. Diese Personen bitten wir ausdrücklich, sich zu melden und ihr Wissen mitzuteilen.