Aktualisiert: 12.06.2019 - 13:18

Mehr als 85.000 Besucher trotzen am vergangenem Wochenende wieder Sturm und Regen und feierten ausgelassen auf Deutschlands größtem Rockfestival.

Rock am Ring 2022

'Beste Band der Welt' feiert ihr Comeback

Bereits von Dienstag bis Donnerstag spürten die Bewohner rund um den Nürburgring wie die ersten Bässe den Boden zum beben brachten. Denn ehe "Rock am Ring" am Freitagmittag seine Pforten öffnete, feierte ein Großteil der Festivalbesucher sich bereits bei kühlen Temperaturen und starken Windböen auf dem Campinggelände warm. Dass, wie André Lieberberg, der Sohn des Rockfestival-Erfinders Marek Lieberberg berichtete, aufgrund der gemeldeten Sturmböen sogar an eine Evakuierung gedacht werden musste, bekamen die Ringrocker gar nicht mit. Aber was wäre das Traditionsfestival schon ohne Wetter- und Evakuierungssorgen?

Der Festivalfreitag

Die Musikfans jedenfalls grölten sich bereits am Freitagabend beim Auftritt der US-amerikanischen Band „Welshly Arms“ die Seele aus dem Leib. Bei deren größten Hits „Legendary“ und „Sanctuary“ gab es vor der Beck's Crater Stage kein Halten mehr. Was gleich auffiel, waren neue Bühnenbilder mit riesigen LED-Leinwänden, die allerdings aufgrund der Wetterlage am Freitag kurzzeitig heruntergefahren werden mussten. Was an künstlich erzeugten Lichteffekten an diesem Abend reduziert werden musste, machte aber spätestens bei Sonnenuntergang die Natur wieder wett.

Die amerikanischen Alternativ-Metal-Heads „Tool“ bildeten zusammen mit der Band des Guns N' Roses Gitarristen „Slash“ die Höhepunkte des Freitag-Line-ups. Wer es alternativer oder hip-hop-lastiger wollte, kam bei „The 1975“, „Foals“ oder „SDP“ auf seine Kosten.

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Der Festivalsamstag

Am Samstag stellten sich dann alle nur noch die Frage: „Junge, warum hast du nichts gelernt?“ Endlich stand er da, der Headliner, über den seit der Veröffentlichung im letzten Jahr alle sprachen. „Die Ärzte“, die sich selbst als die „Beste Band der Welt“ betiteln, waren nach sechs Jahren zurück. Mit extra schiefen Klängen im Intro, bei denen einem kurz die Gesichtszüge entgleisten, aber dafür auch jeder Menge Humor heizten sie die Menge über zwei Stunden lang ein und die sang freudestrahlend jedes Wort mit.

Wir wissen, ihr musstet lange auf diesen Moment warten und hoffen, ihr habt es nicht jetzt schon bereut! Wenn ihr lieber zu Slayer gehen wollt, können wir das auch verstehen“, scherzte Farin Urlaub bereits nach den ersten Minuten herum.

In der Tat war das gar keine so leichte Entscheidung, denn beide Headliner überschnitten sich am Samstagabend und während die Einen ihr Comeback feierten, spielten die Anderen ihre Abschiedstour.

Nichtsdestotrotz, bereut hat es an diesem Abend sicherlich keiner, denn die Deutschpunk-Rocker Farin Urlaub, Bela B und Rodrigo González performten all ihre größten Songs und das in einer Manier, die sie innerhalb kürzester Zeit wieder zu altbekannter Größe aufstiegen ließ.

Die Aerzte bei Rock am Ring 2019

Die Ärzte feiern nach sechs Jahren Bühnenpause ihr Comeback

Die gute Laune im Publikum machte sich schon am Nachmittag bemerkbar. Der Zuschauerbereich vor der Volcano Stage war bereits frühzeitig so gefüllt, dass keine Fans mehr in die ersten und zweiten Wellenbrecher gelangen konnten. Nicht ganz unschuldig daran waren sicherlich die Auftritte der Österreicher „Seiler und Speer“, der Politpunker von „Feine Sahne Fischfilet“, die sich wieder gegen rechts stark machten und die irisch-amerikanische Gute-Laune-Band „Dropkick Murphys“. Auch Oliver Sykes, Frontmann von „Bring Me The Horizon“, gab auf der Bühne alles, um das Publikum in Höchstform zu bringen.

Seiler und Speer bei Rock am Ring 2019

Seiler und Speer heizten das Publikum am frühen Nachmittag ein

Wer nach alldem immer noch Energie hatte, konnte diese vor der Alternastage loswerden. Dort legte der DJ „Alle Farben“ auf und brachte die Menge im Konfettiregen der Nacht zum tanzen. Egal ob sein aktueller Hit „Fading“ oder „She Moves“ und „Please Tell Rosie“ - er spielte sie alleund ließ damit den zweiten Festivaltag bunt und laut ausklingen.

Der Festivalsonntag

Der Sonntag machte seinem Namen alle Ehre: Bereits am Morgen trieb die Hitze der Sonnenstrahlen die Campingbesucher aus ihren Zelten. Auch musikalisch versprach es heiß zu werden. Während auf der Hauptbühne „Godsmack“, die Wikinger-Rocker von „Amon Amarth“ oder auch „The Bosshoss“ die Rockfans zum Schwitzen brachten, übernahmen im Hip Hop Bereich die deutschen Rapper „KC Rebell“ und „Kontra K“ als auch „Alligatoah“ diese Aufgabe. Viele Songs aus den aktuellen Charts garantierten Mitgrölalarm bei den Fans und Alligatoah erwies sich als wahres Multitalent auf der Bühne. Ob Bühnenshow, schauspielerisches Talent oder die Musik selbst, der norddeutsche Rapper begeisterte die Menge!

Begeistert waren wir vor allem von den Jungs der vierköpfigen Indieband „Bastille“ aus London. Nicht nur, weil deren Songs bei uns hoch und runter laufen, die vier sind dazu super sympathisch und haben einiges auf dem Kasten, wie sie am Abend auf der Beck's Crater Stage bewiesen. Wir haben sie zum Interview getroffen, über ihre aktuelle Single „Joy“ und das bald anstehende Album „Doom Days“ gequatscht. Auf die Frage, wie sie sich eigentlich bei so vielen Tourterminen fit und motiviert halten, antwortete Keyboarder Kyle Simmons nur lachend: „Ich spiele immer Nintendo – da bleiben die Daumen fit und schnell.“

Bastille bei Rock am Ring 2019

Bastille: Am 14.Juni erscheint ihr neues Album „Doom Days“

Den Abschluss auf der Volcano Stage bildeten am Sonntag Abend Kyle Gass & Jack Black, den die meisten als Schauspieler aus der Neuauflage von Jumanji kennen dürften, mit ihrer selbstironischen Band „Tenacious D“ und die Alternative-Metal-Band „Slipknot“. Insbesondere Letztere sind mit ihren Horrormasken unverkennbar und überzeugten ihre Fans auf ganzer Linie. Moshpits und Circlepits waren hier garantiert! André Lieberberg kündigte die Performance der Band bereits mittags in der Pressekonferenz als kleine Rocky Horror Picture Show an und freute sich auf die Metalperformance.

Etwas weniger einschüchternd, aber nicht minder energiegeladen ging es parallel auf der Crater Stage zu. „Casper“ und „Marteria“ oder wie viele Fans auch sagen „Casteria“, ließen als letzter Festivalact nochmal alles heraus. Die Menge tanzte, klatschte, sang und feierte die deutschen Rapper als krönenden Festivalabschluss. Mit jeder Menge Funken, Feuerwerk und dem vibrierenden Gefühl des Basses im Körper, schloss das Festival in der Nacht auf Montag und ließ zehntausende zufriedene Fans zurück.

Wer jetzt schon heiß auf nächstes Jahr ist

Der Vorverkaufsstart für Rock am Ring & Rock im Park 2020 hat bereits am 11. Juni um 12 Uhr begonnen. Auch wenn noch kein Act veröffentlicht wurde, verspricht es ein überaus spektakuläres Line-up zu werden, denn Rock am Ring wird im nächsten Jahr sein 35. Jubiläum feiern.