Aktualisiert: 09.03.2020 - 14:40

Wer hat welche Vision für unsere Stadt? Die Kommunalwahl steht kurz bevor - dann wird entschieden, wer künftig Oberbürgermeister von München wird. Wir haben den drei aussichtsreichsten Kandidaten auf den Zahn gefühlt und ihnen Fragen rund um das Thema Verkehr in München gestellt.

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© Fotos: pixabay

Das sind die Pläne der OB-Kandidaten

Den drei aussichtsreichsten Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters, Dieter Reiter (SPD), Kristina Frank (CSU) und Katrin Habenschaden (Die Grünen) stellen wir DIE Fragen, die München am meisten bewegen. Schwerpunkt heute ist das Thema „Verkehr in München". 


Den großen Kandidatencheck hörst du nur bei uns - die ganze Woche, jede Stunde, immer um zwanzig vor - nur bei 95.5 Charivari Münchens Hitradio.


Hier gibt' die Interviews zum Anhören oder Nachlesen:

Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Staus in München"

München gilt als eine der schlimmsten deutschen Stau-Metropolen. Der Mittlere Ring ist täglich dicht, gleichzeitig leben immer mehr Menschen in unserer Stadt. Um die Umwelt zu schonen, ist das Fahrrad natürlich einen schönes Fortbewegungsmittel, aber man kann doch das Auto auch nicht einfach von heute auf morgen abschaffen oder - viele sind drauf angewiesen. Wie stehen Sie zum Thema Auto?

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Dieter Reiter, SPD: "Also überhaupt nicht ideologisch. Ich fahre selbst Auto und Autos wird es auch in Zukunft noch geben, da bin ich sicher. Trotzdem sage ich auch, jeder Radfahrer als Verkehrsteilnehmer ist mir lieber als ein Autofahrer in der Innenstadt. Das heißt, wir müssen einfach Alternativen schaffen fürs Autofahren. Das geht nicht so einfach, wir werden das Thema Radwege verbessern müssen, dass noch mehr Menschen Radl fahren können und sicherer sind. Wir werden vor allem den öffentlichen Verkehr deutlich verbessern müssen, das ist einfach das Wesentliche. Ich brauche Alternativen, ich bin gegen Verbote und ich bin auch gegen eine ideologische Diskussion, das Auto generell zu verteufeln. Das macht überhaupt keinen Sinn."

Kristina Frank, CSU: "Ich liebe das Radl, ich liebe aber auch das Auto. Ich stehe deswegen für ein Miteinander der Verkehrsmittel, ganz im Gegensatz zu Rot-Grün übrigens, die das Auto regelrecht verteufeln und die jetzt sogar das Auto bis zum Mittleren Ring aussperren wollen. Wir brauchen ein Massentransportmittel, das uns zuverlässig, modern und günstig von A nach B bringt. Das kann nicht das Radl sein, das kann auch nicht das Auto sein - das muss der ÖPNV sein! Wir brauchen den MVV, der endlich einmal kommt, der pünktlich kommt, der WLAN hat, der Klima hat und der vor allem nur 365 Euro im Jahr kostet und zwar für alle. Und so setzen wir Anreize, das Auto halt mal stehen zu lassen, anstatt diese ständigen Verbote, die da immer nur vom linken Spektrum kommen."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Das Auto ist für ganz viele Menschen wichtig und für ganz viele Leute ist es auch die einzige Möglichkeit mobil zu sein. Denken Sie vor allem an Ältere, denken Sie an mobilitätseingeschränkte Menschen und deswegen will auch natürlich kein Mensch, dass München zu einer Art 'PKW freien Zone' gemacht wird. Das wäre ja auch nicht möglich: wir haben den Wirtschaftsverkehr, wir haben die Belieferung - alles ganz wichtig. Aber jeder soll selbst wählen können, welches Verkehrsmittel ihm das Liebste ist. Auf der anderen Seite will ich auch kein 'Weiter So' auf unseren Straßen. Die Münchner Autofahrer und Autofahrerinnen standen 2019 rund 131 Stunden im Stau und deswegen glaube ich, ohne einen leistungsfähigen ÖPNV wird sich die Situation immer nur noch mehr verschlimmern. Wir fordern deswegen Investitionen in Tram, in Bahn, in Bus und eben nicht in neue Parkplätze oder auch in milliardenschwere Tunnel."

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Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "E-Autos in München"

Benzin und Diesel sind böse, Elektro ist heilbringend und sauber - das wird uns momentan ja gepredigt. Doch die Umweltbilanz von E-Autos ist gar nicht so rosig. Immer noch gibt es auch im Münchner Straßenbild wenige Elektroautos, weil sie teuer sind und es noch nicht genügend Lademöglichkeiten gibt. Was halten Sie denn von E-Mobilität? Ist das die alleinige Patentlösung?

 

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Dieter Reiter, SPD: "Zum Thema Ladestationen kann ich sagen, dass wir jetzt Spitzenreiter aller deutschen Städte sind. Wir haben 1100 Ladesäulen in dieser Stadt. Weil es mich immer aufgeregt hat, die Diskussion darüber, ob erst die Fahrzeuge da sein müssen oder die Ladestation. Es gibt sehr wenig Elektromobile, das liegt auch an der Industrie, weil sie keine vernünftigen bezahlbaren Elektrofahrzeuge anbieten. Allein heilbringend ist das aber definitiv nicht. Es ist vielleicht für die Umwelt in München besser, die gesamt Öko-Bilanz ist diskussionswürdig. Vor allem brauchen aber auch Elektrofahrzeuge Parkplätze, brauchen Platz auf der Straße. Und meine Stadt der Zukunft ist nicht für die Autos da, egal ob elektrisch oder Diesel oder Benzin, sondern für die Menschen, das heißt für die Fußgänger. Und deswegen helfen auch nicht tausende von Elektrofahrzeugen mehr, sondern wir müssen andere Verkehrsmittel finden und wir müssen dafür sorgen, dass die Fußgänger absolute Priorität in dieser Stadt haben."

Kristina Frank, CSU: "Nachdem mir jetzt in den letzten zwei Monaten in München zweimal das Radl geklaut worden ist - man glaubt es kaum - fahre ich derzeit tatsächlich viel Auto und ich fahre E-Auto! Und das ist schon faszinierend, wie leise so ein Auto ist, wie gut es auch funktioniert und wir haben mittlerweile in der Stadt 1100 Ladepunkte. Also eine wirklich gute Ladeinfrastruktur, die wir aber in den kommenden Jahren auch noch mal deutlich pushen wollen. Aber wenn wir ehrlich sind, das kann natürlich nur ein Baustein der Mobilität der Zukunft sein. Wir müssen da viel weiter denken, wir müssen auch an Verkehrsmittel denken, die es möglicherweise momentan noch gar nicht gibt. Und dann müssen wir in München einfach wieder etwas innovativer sein, etwas mutiger sein und auch durchaus mal Diskussionen zu Flugtaxis, zum Hyperloop (Magnetschwebebahn) und auch zu Seilbahnen zulassen."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Das ist es nicht und das Thema hat auch viele Aspekte. Zum einen benötigen Elektroautos ganz genauso viel Fläche, wie konventionelle Autos. Auch die stehen im Durchschnitt 23 Stunden am Tag auf unseren wertvollen Flächen, die wir für andere Sachen nutzen könnten. Aber auf der anderen Seite hat sich der Stadtrat das Ziel gesetzt, dass München bis 2035 klimaneutral werden soll. Und wenn wir das Ziel erreichen wollen, dann ist es schon so, dass wir den Verkehr in München emissionsfrei machen müssen, weil der PKW- und auch der LKW-Verkehr ist ja für ganz viel unseres CO2 Ausstoßes in München verantwortlich. Aber E-Autos sind nur dann ehrlich, wenn eben der Strom auch aus regenerativen Quellen erzeugt wird und nicht aus Braunkohle, weil sonst lügen wir uns an der Stelle wieder in die eigene Tasche."

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Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "S-Bahn in München"

Jeden Tag der gleiche Ärger im Berufsverkehr: ständig verspätete U-Bahnen und das noch größere Münchner Sorgenkind, die S-Bahn. Bis die zweite Stammstrecke fertig ist dauert es noch. Wer tritt bitte dieser hochnäsigen Bahn endlich mal auf die Füße? Was wollen Sie als künftiger OB gegen die unhaltbare S-Bahn-Misere unternehmen?

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Dieter Reiter, SPD: "Ich habe da ja sowohl eine Brieffreundschaft mit dem Bahnvorstand, als auch einen intensiven Kontakt mit der jeweiligen bayerischen Staatsregierung, mit den zuständigen Ministern. Ja, es gibt leider da sehr viele zuständige Minister, die wechseln ziemlich häufig. Ich habe deswegen den Ministerpräsidenten mir als Dauer-Ansprechpartner rausgesucht und er weiß ganz genau, dass es da viel zu tun gibt. Ich glaube, er hat auch verstanden, dass hier jahrzehntelang einfach zu wenig getan wurde. Beispiel jetzt Stellwerk am Ostbahnhof: ich hatte mir erhofft, dass wir 2020 beginnen mit der Sanierung, leider hat er mitgeteilt, dass es erst 2023 beginnen kann. Ich ärgere mich darüber, weil das ist das Nadelöhr des Münchner Nahverkehrs. Ich weise gerne immer wieder darauf hin, dass ich leider da nichts machen kann, außer die Protestschreiben, die ich massenhaft bekomme, an den zuständigen Ministerpräsidenten weiterzugeben."

Kristina Frank, CSU: "Ja, ich glaube, man muss vor allem eins machen, man muss miteinander reden. Man muss permanent auf die Defizite hinweisen, man muss Lösungen fordern, man muss aber auch eigene Ideen einbringen. Und da sitzt momentan der Oberbürgermeister als Reiter auf einem ziemlich hohen Ross, der schreibt offene Briefe an die Staatsregierung oder an die Bundesregierung anstatt dass man sich einfach mal zusammensetzt und dass man gemeinsam Lösungen für die Zukunft entwickelt. Und ich glaube, das können wir als CSU relativ gut, wir regieren im Freistaat, wir regieren im Bund - die Drähte sind dementsprechend kurz. Wir können so vieles aufgleisen und deswegen ist es mir ganz wichtig, einen S-Bahn-Ring zu aktivieren - den Nordring in München, den Südring in München. Gemeinsam anpacken und nicht immer nur auf den anderen zu deuten und zu sagen 'solls doch der machen'."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Ich kann da wirklich auch aus eigener Erfahrung nur zustimmen: ich pendle jeden Tag von Aubing in die City und wieder zurück und es funktioniert an den allerwenigsten Tagen wirklich gut. Leider hat die Landeshauptstadt München keinen direkten Einfluss auf die S-Bahn, weil die ist Sache des Freistaates. Und die CSU-Staatsregierung hat schlicht und ergreifend über Jahrzehnte hinweg versäumt, genug Geld in Sanierung und auch in den Ausbau des Netzes zu stecken. Und das müssen wir Münchnerinnen und Münchner jetzt jeden Tag büßen. Der Investitionsstau ist riesengroß und die Zweite Stammstrecke, da haben Sie recht, wird die Verkehrsprobleme in München auch nicht lösen. Wir müssen deswegen ganz schnell die Planungen für den S-Bahn Nord- und für den S-Bahn Südring forcieren, weil ansonsten kollabiert uns das System vollkommen. Weniger Autos in der Stadt geht übrigens nur mit einer besseren S-Bahn."