Aktualisiert: 09.03.2020 - 14:39

Wer hat welche Vision für unsere Stadt? Die Kommunalwahl steht kurz bevor - dann wird entscheiden, wer künftig Oberbürgermeister von München wird. Wir haben den drei aussichtsreichsten Kandidaten auf den Zahn gefühlt und ihnen Fragen rund um das Thema Umweltschutz in München gestellt.

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© Foto: shutterstock

Das sind die Pläne der OB-Kandidaten

Den drei aussichtsreichsten Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters, Dieter Reiter (SPD), Kristina Frank (CSU) und Katrin Habenschaden (Die Grünen) stellen wir DIE Fragen, die München am meisten bewegen. Schwerpunkt heute ist das Thema „Umweltschutz in München". 


Den großen Kandidatencheck hörst du nur bei uns - die ganze Woche, jede Stunde, immer um zwanzig vor - nur bei 95.5 Charivari Münchens Hitradio.


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Hier gibt' die Interviews zum Anhören oder Nachlesen:

Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Klimaschutz in München"

Vor der Corona-Krise war das Thema Nummer eins auch in München ja fast nur Umwelt und das Weltklima. Von zu hohen Steuern, Terrorgefahr und Altersarmut hört man irgendwie kaum noch was. Finden Sie das okay, dass sich auch in München offenbar momentan kaum einer um die täglichen Probleme kümmert und alle dagegen bloß noch vom Weltklima reden?

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Dieter Reiter, SPD: "Ja, das ist eine unterschiedliche Wahrnehmung. Bei meinen Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern ist es definitiv anders. Natürlich ist das Klima im Wesentlichen ein wichtiges und zukunftsorientiertes Thema, trotzdem bei meinem Bürgergespräch und bei meinen Bürgersprechstunden ist das Thema Straßenverkehr und das Thema Miete natürlich deutlich dominanter als das Überthema Klima. Deswegen können Sie sicher sein, dass ich mich ebenfalls als Oberbürgermeister mindestens genauso intensiv mit den täglichen Mühen der Münchnerinnen und Münchner befasse. Und wie gesagt, wenn wir das Thema Kinderarmut, Altersarmut ansehen, dann ist es mir deutlich wichtiger, als jetzt jeden Tag über das Thema Klima zu sprechen. Das betrifft an die 100.000 in München, die davon direkt betroffen sind und um die muss man sich kümmern."

Kristina Frank, CSU: "Ja, das stimmt, alle reden über das Klima aber wenige reden noch über das Stadtklima. Dabei haben wir ganz lokale Nöte - egal, ob es ist, dass ein Kulturzentrum aufmacht, die Grünflächen vorhanden sind. Die Grünen treiben gerade mit viel moralistischem Eifer und auch Schaum vor dem Mund jeden mit dem Thema vor sich her, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Ich glaube, wir müssen Abkommen davon, dass wir uns nur in Hysterie baden, sondern wir müssen anpacken. Wir müssen keinen Klima-Notstand ausrufen, wir müssen handeln und das ist Ehrensache für mich. Ich bin Oberförsterin der Stadt, Oberbäuerin der Stadt, Obermarktweib der Stadt und Obermüllerin der in der Stadt und da ist es ganz klar, dass so sehr wie ich die Natur hier liebe, dass wir sie auch schützen müssen, aber mit Handeln und nicht mit Aktionismus."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Wer beim Klimaschutz von Hysterie spricht, der hat noch nicht verstanden, worum es geht. Und zwar um unsere Zukunft auch hier in der Stadt und wenn wir die Klimakrise nicht bewältigen, dann könnten nach Schätzungen der Weltbank um die 140 Millionen Menschen gezwungen sein, ihre Heimat zu verlassen. Und deswegen hängt es eben auch alles zusammen. Hierzulande und auch in München spüren wir halt schon die Veränderungen, wir spüren sie durch häufigen Hagel, durch Hochwasser, durch Stürme und deswegen wird die Klimakrise auch die Münchnerinnen und Münchner mit voller Wucht treffen, wenn wir nicht endlich handeln. Und dass sich der Stadtrat übrigens nur mit Klima und Umwelt befasst und nicht mit anderen Themen, das ist ganz falsch, soziale Themen spielen eine ganz große Rolle in der Stadtratsarbeit, weit mehr als Klima und Umweltschutz."

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Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Umdenken für die Umwelt in München"

Vor allen Dingen junge Leute prangern auf den ja durchaus wichtigen Freitags-Demos das verantwortungslose Umweltverhalten unserer Gesellschaft an. Auf der anderen Seite nimmt der Flugverkehr weiter zu, es wird immer mehr Plastikmüll produziert und schuld daran sind dann meist immer die anderen. Wo sollte denn jeder von uns sich mal an die eigene Nase fassen und persönlich Umdenken?

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Dieter Reiter, SPD: " Ja, zum Beispiel in der individuellen Mobilität. Wir haben gerade über das Radfahren gesprochen. Jede Autofahrt, die man vermeiden kann, ist sicher gut.  Man kann zum Beispiel darüber nachdenken, ob man jeden Tag sein Coffee-to-go im Einwegbecher holen muss, wir haben 190.000 Einwegbecher jeden Tag in München im Müll - 190.000! Also da kann schon jeder was tun und wiederverwenden statt neu kaufen, nichts wegschmeißen, Essen nicht wegwerfen sondern vernünftig einteilen. Da gibt's ganz viele Dinge, die jeder für sich selber machen kann und ehrlich gesagt, nur wenn die Gesamtbevölkerung selber anpackt, hat man da überhaupt eine Zukunft und kann da nennenswert etwas bewegen."

Kristina Frank, CSU: "Ich erlebe es eigentlich jeden Tag bei uns in der Stadt, viele Menschen haben schon angefangen umzudenken. Ob es beim Konsum von Lebensmitteln ist, bei der Müllvermeidung, bei der Wahl des täglichen Verkehrsmittel. Ich glaube, das ist auch genau der richtige Weg. 'Umweltbewusstsein Bottom-Up', sprich, wenn wir unser Verhalten ändern, wird auch die Industrie nachziehen. Wir müssen mit gutem Beispiel vorangehen, aber auch als Stadt mit gutem Beispiel vorangehen, wir müssen das möglich machen, was wir möglich machen können, um das Mindset der Menschen dauerhaft positiv zu beeinflussen und zum Nachdenken anzuregen. Und zumindest das hat 'Fridays For Future' wirklich gut hingekriegt."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Naja, was jeder machen kann: man kann sich überlegen, fahre ich mit dem Fahrrad zum Bäcker und lasse ich das Auto hier in der Garage, fahre ich mit dem Zug, wenn ich eine Kurzstrecke innerhalb Deutschlands vorhabe oder nehme ich dafür das Flugzeug. Man kann selber das Plastik reduzieren oder Blumen pflanzen, die dann auch wieder Insekten Nektar bieten, es gibt viele kleine Hebel, die jeder einzelne umlegen kann. Wir müssen schon auch politisch auf lokaler Ebene handeln, es ist einfach so, dass der Kampf gegen die Klimakatastrophe in den Städten gewonnen oder verloren wird. Die Städte sind für rund drei Viertel des weltweiten CO2 Ausstoßes verantwortlich. Ich bin überzeugt, dass München zur grünsten Metropole Europas werden kann, aber dann müssen wirklich alle an einem Strang ziehen."

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Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Nachhaltiges München"

München ist ja doch eine relativ grüne Stadt, aber ist sie denn auch umweltbewusst genug? Wo sind wir denn gut aufgestellt und was wollen Sie als OB tun, dass München noch sauberer und nachhaltiger wird?

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Dieter Reiter, SPD: "Zum einen haben wir vor Jahren unsere eigenen Stadtwerke als Energieerzeuger dahingehend getrimmt, dass sie nur noch Energie aus erneuerbaren Energien erzeugen. Das heißt, jeder Münchner, jede Münchnerin kann im Grunde mal ganz beruhigt sein, dass wir unsere Energieerzeugung so ökologisch wie möglich schaffen. Wir haben auch bei unseren eigenen Gebäuden hohe Energiestandards. Wir haben als Stadt sehr hohe Vorschriften an uns selber gerichtet, wir haben ein umweltfreundliches Oktoberfest, also es gibt ganz viele Beispiele, die wir haben. Trotzdem sag ich es gerne nochmal, funktionieren tut das Ganze nur, wenn jeder überlegt 'kauf ich mir jetzt einen Einweg-Becher oder nicht, schaue ich im Supermarkt, was ich kaufe, kann ich beispielsweise in Unverpackt-Läden irgendwas kaufen, damit ich keine Verpackung habe?' Also weniger Müll zu produzieren, ist immer noch besser als Müll zu trennen. Deswegen glaube ich gibt's für jeden Einzelnen ganz viel zu tun - wir als Stadt versuchen ein Vorbild zu sein."

Kristina Frank, CSU: "Ich bin als Kommunalreferentin und Stadt-Ministerin für ganz viele Bereiche zuständig zum Beispiel für den Abfallwirtschaftsbetrieb. Und da mache ich die Münchner darauf aufmerksam, dass der beste Müll einfach der ist, der gar nicht erst entsteht. Recyceln, Repair-Cafés, möglicherweise gleich etwas einkaufen, was gar nicht erst verpackt ist. Oder als Oberförsterin habe ich dem Stadtrat vorgeschlagen, in den nächsten fünf Jahren 500.000 Bäume in und um München herum zu pflanzen. Das München grün wird, eine grüne Lunge hat oder auch eine Umstellung auf 100% Öko-Landwirtschaft in meiner Funktion als Oberbäuerin."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Unsere Stadtwerke sind schon ganz aktiv im Bereich der erneuerbaren Energien, es gibt ganz viele Leute und auch Initiativen, die sich im Umwelt und im Klimaschutz engagieren. Auf der städtischen Seite sehe ich allerdings noch erheblichen Nachholbedarf - da gibt es viele Beispiele, wo gar nichts passiert ist die letzten Jahren. Zum Beispiel bei der Verkehrswende aber eben auch beim nachhaltigen Wohnungsbau, bei der energetischen Sanierung stehen wir schwach da aber eben auch in Bereichen, an die man gar nicht sofort denkt, wie zum Beispiel die Reduzierung von Plastik und Müll in der Stadt oder auch das Essensangebot in unseren städtischen Einrichtungen oder eben auch die Fassaden und Dachbegrünung. Also dieses ganze städtische Potential wurde noch nicht mal ganz annähernd ausgeschöpft."

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Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Umweltbewusstsein der Kandidaten"

Sie haben ja selbst eine Familie und Sie sind Politiker - gehen Sie im täglichen Leben zu Hause und auch bei der Arbeit in Sachen Umweltbewusstsein denn auch mit gutem Beispiel voran? Wenn ja, wie im Einzelnen?

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Dieter Reiter, SPD: "Bei mir ist es relativ einfach - wir sind ein Zwei-Personen-Haushalt, meine Frau und ich, und unser Kühlschrank ist meistens relativ überschaubar voll, weil wir beide gerade gut unterwegs sind und deswegen auch in dem Bereich sehr einfach unseren Müll vermeiden können. Wir versuchen Müll zu trennen natürlich dort wo er tatsächlich anfällt, wir haben ein ganz, ganz kleines Auto, das fast nur steht, wir versuchen uns viel mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen - all diese Dinge, die man im Kleinen auch tatsächlich tun kann. Und ich glaube, das wäre der Appell an alle Münchnerinnen und Münchner. Und ich habe noch nie in meinem Leben einen Coffee-to-go aus einem Einwegbecher besorgt, das werde ich auch in Zukunft nicht tun."

Kristina Frank, CSU: "Ja, das stimmt, als junge Mama habe ich da wahrscheinlich auch eine ganz besondere Vorbildfunktion für meinen Sohn. Ich radel' unheimlich gern, das ist einfach das Verkehrsmittel, das ich schon immer gewählt habe und da tue ich jeden Tag schon meinen Beitrag leisten. Insbesondere denke ich aber sehr stark drüber nach, wenn ich was einkaufe, ob das wirklich die verpackte Gurke sein muss, oder ob es nicht einfach die Gurke sein kann, die man auch ohne Verpackung bekommt. Und gerade auch mittags beim Essen, wenn man sich mal schnell wieder etwas mitnehmen muss, weil man es am Schreibtisch essen muss, da kann man auch drüber nachdenken, ob man nicht die Tupperware selber mitbringt."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Ich bin Vegetarierin und ich fliege auch nur wenn es nicht anders geht. Ich nutze die öffentlichen Verkehrsmittel und ich kaufe soweit es eben geht nachhaltig ein. Häufig geht's aber aufgrund der mangelnden Zeit auch mal nicht. Ich gehe ganz gerne in Secondhand-Läden shoppen. Ich finde aber, dass es vor allen Dingen Aufgabe der Politik ist, die notwendigen Schritte einzuleiten in Bezug auf die Klimakrise. Und das kann man eben nicht oder nur ganz wenig auf die einzelnen Bürgerinnen und Bürger abwälzen und das möchte ich auch nicht."