Aktualisiert: 09.03.2020 - 14:38

Wer hat welche Vision für unsere Stadt? Die Kommunalwahl steht kurz bevor - dann wird entschieden, wer künftig Oberbürgermeister von München wird. Wir haben den drei aussichtsreichsten Kandidaten auf den Zahn gefühlt und ihnen Fragen rund um das Thema Stadtleben in München gestellt.

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© Foto: shutterstock

Das sind die Pläne der OB-Kandidaten

Den drei aussichtsreichsten Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters, Dieter Reiter (SPD), Kristina Frank (CSU) und Katrin Habenschaden (Die Grünen) stellen wir DIE Fragen, die München am meisten bewegen. Schwerpunkt heute ist das Thema „Stadtleben in München". 


Den großen Kandidatencheck hörst du nur bei uns - die ganze Woche, jede Stunde, immer um zwanzig vor - nur bei 95.5 Charivari Münchens Hitradio.


Hier gibt' die Interviews zum Anhören oder Nachlesen:

Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Restaurants und Lokale in München"

München ist eine wunderbare pulsierende Großstadt, aber ist sie denn auch zeitgemäß? Frei und modern? Warum müssen eigentlich ständig Restaurants und Traditionskneipen schließen, weil sich Anwohner beschweren, die erst später dahin gezogen sind, als es das Lokal schon längst gab? Irgendwie klingt das spießig und kleinbürgerlich und gar nicht so nach Weltstadt. Ihre Meinung bitte.

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Dieter Reiter, SPD:  "Ich würde jetzt meine Lieben München in München nicht als spießig und kleinbürgerlich bezeichnen wollen, trotzdem ist natürlich die Toleranz manchmal beschränkt. Aber ich glaube das tatsächlich bedauerliche Sterben von kleinen Kneipen und so weiter liegt nicht so sehr an der Nachbarschaft, sondern es liegt einfach daran, dass es in dieser Stadt ein großes Angebot gibt und dass die Menschen einfach nicht in ausreichender Zahl in diese Kneipen gehen. Jeder von uns muss sich da selber hinterfragen, wie es passieren kann, dass Kneipen pleite gehen und dann fragen, ob wir da schon mal drin waren und auch irgendwann mal dort Geld ausgegeben haben. Alle jammern über die sterbenden Tante-Emma-Läden und gehen dann am Wochenende zum Großeinkauf in den Supermarkt. Ja, so funktioniert das nicht. Also wer beklagt, dass die kleinen Kneipen aussterben, der soll öfter mal hingehen und denen auch mal ein bisschen Geld ins Haus bringen, dann wird auch wieder mehr laufen."

Kristina Frank, CSU: "Das ist eine sehr berechtigte Frage, die Sie da stellen, ich teile nämlich die Beobachtung. Ich glaube, dass München derzeit dabei ist viel von dem zu verlieren, was München eigentlich ausmacht. Das Leben und leben lassen - der Druck in der Stadt nimmt immer mehr zu, jeder ist nur noch am Strampeln in seinem Hamsterrad. Keiner hat mehr ein Auge für sein Gegenüber, für seinen Mitbürger. Keiner grantelt mehr, wie es früher so schön war, in der U-Bahn, sondern jeder schimpft nur noch im täglichen Stau. Und ich möchte auch deswegen Oberbürgermeisterin werden, um doch kluge Entscheidungen im Sinne des Gemeinwohls der Stadt endlich ihre Ruhe zurückzugeben. Damit aus der Weltstadt mit Herz nicht die Weltstadt mit Herzinfarkt wird."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Für mich passt dieses ewige Beschweren auch nicht zu München. Immerhin ist ja 'Leben und leben lassen' unser Münchner Motto. Und mir ist wichtig immer ein fairer Umgang zwischen den Restaurant-Gästen zwischen Feiernden und zwischen Anwohnern. Und deswegen fordern wir Grüne einen Nachtbürgermeister, wie in Paris oder Amsterdam als Vermittlungsinstanz zwischen der Szene, zwischen der Stadt, zwischen den Anwohner/innen und es funktioniert dort richtig richtig gut. Weil dann geht's auch ohne Polizei, dann geht's auch ohne Beschwerden, wenn man vernünftig miteinander redet."

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Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Ladenschluss"

In den meisten Großstädten in Deutschland kann man nach 20 Uhr und auch am Wochenende noch einkaufen. Wieso eigentlich nicht in München? Wieso gelten hier andere Regeln? Wie stehen Sie als künftiger OB zum Thema liberalerer Ladenschluss?

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Dieter Reiter, SPD: "Ja, da bin ich nicht ganz so der richtige Ansprechpartner, da müssen Sie den Ministerpräsidenten fragen. Wir haben in Bayern das stringenteste Ladenschlussgesetz in ganz Deutschland als einziges Bundesland. Das heißt, selbst wenn die Stadt München in überragender Einheit möchte, dass wir länger aufhaben können, wir dürfen es einfach nicht. Es geht um die Ladenöffnungszeiten insgesamt, es geht um Wochenendöffnungen, es geht um Ladenschluss. Das ist das Eine und das Andere, natürlich muss man auch immer bedenken, dort wo wir einkaufen wollen, müssen auch Menschen arbeiten. Und es gibt auch Menschen mit Familien, die auch gerne mal nicht arbeiten. Ich glaube, dass wir in München schon die Möglichkeit hätten, das ein oder andere Späti oder sowas zu ermöglichen und das auch zu forcieren. Aber ich kann Ihnen sagen, aus meinen Bürgergesprächen und Bürgersprechstunden, da gibt's dann gleich wieder vor Ort Widerstand. Das halte ich für ein bisschen kleinlich, also soviel sollte die gegenseitige Rücksichtnahme, die Freiheit in Bayern schon ertragen können."

Kristina Frank, CSU: "Als junge berufstätige Mama kenne ich das Problem nur zu gut, da ist der Laden schon zu, bevor man überhaupt aus der Arbeit kommt. Aber das Thema ist ein relativ komplexes Thema. Natürlich ist der Freistaat dafür zuständig, gar keine Frage, wir haben aber auch ganz große Player, die ihre Argumente vorbringen, das sind die Gewerkschaften, das sind die Kirchen, es sind viele Menschen, irgendwann ist es auch einfach mal gut. Auf der anderen Seite kann ich auch verstehen, dass München eine Stadt des Tourismus ist, dass München gerade für stark berufstätige Leute vielleicht nicht zwingend einkaufsfreundlich ist, weil um 20 Uhr einfach alles dicht ist. Und ich glaube, das ist eine Diskussion, die man durchaus weiterführen kann und in der Zukunft vielleicht sogar noch weiterführen muss."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Also erstmal sind die Regelungen zum Ladenschlussgesetz natürlich Ländersache, das heißt, da kann die Stadt gar nicht so richtig mitentscheiden. Für mich persönlich wäre es jetzt kein Problem, wenn man auch am Abend länger einkaufen könnte, ich glaube nur, wir müssen hier auch ganz klar sagen, wen würde das immer treffen. Das würde auch die Verkäuferinnen und Verkäufer treffen, deren persönliche Lebensplanung. Und von daher, hier muss man ganz gut auch die verschiedenen Bedürfnisse gegeneinander abwägen."

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Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Freizeit in München"

Thema Freizeit in München: Die Stadt wird gefühlt immer voller, im Englischen Garten laufen die Jogger schon in Kolonnen hintereinander her, in den Restaurants findet man kaum noch Plätze und selbst im Supermarkt an der Kasse und in der Eisdiele steht man Schlange. Was wollen Sie tun, damit München nicht zur Massenstadt ohne Seele wird und die Weltstadt mit Herz bleibt?

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Dieter Reiter, SPD: "München ist und bleibt eine Weltstadt mit Herz, das erleben wir am Zulauf. Hätten wir nicht diesen Erfolg, wären wir es auch nicht. Und ich glaube, die Münchenerinnen und Münchner stehen sich gerne, das erlebe ich tagtäglich im Sommer an meiner Lieblings-Eisdiele, die Füße in den Bauch. Das hat auch was mit Kommunikation zu tun. Da redet mal miteinander und wartet auf das beste Eis Münchens, was man glaubt da zu bekommen. Das Gleiche ist in Gaststätten, also ich glaube, dass es schon erträglich ist, wenn wir hier in München auf die Bedienung warten müssen. Wir leben alle wahnsinnig gut in dieser Stadt und wenn ich im Biergarten kein Platz finde, dann muss halt auch der gemeine Münchner und die Münchnerin irgendwann mal sich zu anderen dazu setzen, was tatsächlich nicht immer üblich ist, aber das sollten wir auch mal irgendwann lernen. Weil ich glaube, dann wird ein gemeinsames Aufblühen dieser Stadt und weiteres Aufblühen dieser Stadt gar nicht zu verhindern sein."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Naja, auf meinen Antrag hin wird es zum Beispiel im neuen Siedlungsgebiet Freiham einen Badesee geben. Weil es stimmt natürlich, die Stadt wächst stark und die Freizeiteinrichtungen und Erholungsangebote, die wachsen einfach nicht in angemessenem Rahmen mit und darauf müssen wir einfach achten. Wir dürfen bei der Planung neuer Wohnungen oder auch wenn wir ganze Quartiere, ganze Stadtviertel bauen, nicht vergessen, dass die Menschen eben auch Flächen für Freizeit und für Erholung brauchen. Sie haben den Englischen Garten schon genannt, das macht ja einfach auch die Lebensqualität in München aus."

Kristina Frank, CSU: "Als Münchner Kindl ist es mir so wichtig, dass München nicht so gesichtslos wird. Das München nicht so 0-8-15 wird, das München nicht austauschbar ist. Wir sind keine Stadt, wie jede andere auf der Welt. Biergarten - ich liebe unsere Gemütlichkeit, ich liebe das Miteinander in dieser Stadt. Ich liebe das 'Leben und leben lassen', was eigentlich unsere DNA ist, die Lässigkeit. Aber dafür braucht die Stadt dringend ihre Ruhe zurück. Nicht mehr diese Hektik, nicht mehr diesen Stress, den wir auch als Stadt den Menschen einfach bereiten. Das Rathaus muss die Menschen hier wieder zur Ruhe kommen lassen, wieder durchatmen lassen, die Münchner einfach wieder leben lassen."

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Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Isar in München"

Mit der Isar haben wir ja einen wunderbaren Fluss. In anderen Städten, in denen ein Fluss mitten durch die Stadt fließt, ist der Fluss aber meistens das Zentrum des Lebens mit Bars, Cafés, Restaurants und Flaniermeilen. Warum funktioniert das bei uns nicht? Außer Badebetrieb ist an der Isar ja eigentlich nichts los - sie fließt bloß so durch die Stadt. Wollen Sie daran als zukünftiger OB etwas ändern?

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Dieter Reiter, SPD: "Also erstmal finde ich es bemerkenswert, dass wir mit der Isar den wohl schönsten renaturierten Fluss Europas in einer Großstadt haben, sowas gibt's in keiner anderen Stadt. Und das genieße ich auch und ich finde es auch schön, dass wir nicht alle 20 Meter irgendeine Kneipe haben. Was nicht heißt, dass man nicht ab und zu mal einen Kiosk haben könnt'. Also ich glaube da ist ein guter Mittelweg angesagt, ich möchte keine überwiegende Kommerzialisierung dieser Isar. Ich glaube die Leute genießen es auch so wie es ist und sie wissen sich auch zu helfen. Wenn ich so jedes Wochenende sehe, welche Schlangen sich mit einem bestimmten Biertragerl Richtung Isar begeben, dann glaube ich es ist noch keiner verdurstet an der Isar und auch keiner verhungert. Deswegen glaube ich, wir müssen das mit sehr viel Fingerspitzengefühl machen. Ich bin dafür, dass man vielleicht den ein oder anderen Kiosk noch macht, aber das war's dann auch. Ansonsten sollte sie so Natur bleiben, so naturnah wie sie jetzt ist."

Kristina Frank, CSU: "Ich setze mich schon lange dafür ein, dass die Isar mit Augenmaß und mit viel Gefühl und im Einklang mit der Natur ein bisschen näher auch an die Menschen gebracht wird, zum Beispiel durch ein Isarflussbad. Vielleicht auch durch maßvolle Aufwertung durch eine Gastronomie. Ich glaube wir brauchen auch Dachterrassen, die es uns ermöglichen mal auf die Isar runter zu schauen. Aber die Isar ist für mich nicht nur ein Fluss im Betonbett, die Isar ist für mich so viel mehr und wir haben sie an so vielen Stellen renaturiert. Man kann Grillen, man kann Spazieren gehen, man kann mit seinem Hund Gassi gehen. Die Isar ist eine Lebensader von München und ich kann auch die Anwohner verstehen, wenn sie manchmal auf die Barrikaden gehen, weil jeder am Sonntag an der Isar ist. Aber der Fluss gehört natürlich nicht nur denjenigen, die dran wohnen, sondern insbesondere allen Münchnerinnen und Münchnern und manchmal auch den Touristen."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Ich liebe die Isar, ganz viele meiner Lieblingsplätze liegen an oder neben oder bei der Isar. Und wir Grüne wollen die Renaturierung der Isar weiter vorantreiben, nicht zuletzt, um ja die Ökologie des Flusssystems, aber auch die Qualität der Uferbereiche als Aufenthaltsraum zu verbessern. Dabei ist uns aber schon wichtig, Partymeile soll unser Fluss auf keinen Fall werden, dafür gibt es wirklich auch andere Orte in der Stadt. Wir wollen für den ganz pflegsamen Umgang mit der Isar die Münchnerinnen und die Münchner und auch die Gäste mit in die gemeinsame Verantwortung nehmen und so kann der ganze Isarraum schon als Lieblingsplatz für alle Münchner erhalten bleiben."