Aktualisiert: 09.03.2020 - 14:40

Wer hat welche Vision für unsere Stadt? Die Kommunalwahl steht kurz bevor - dann wird entscheiden, wer künftig Oberbürgermeister von München wird. Wir haben den drei aussichtsreichsten Kandidaten auf den Zahn gefühlt und ihnen Fragen rund um das Thema Familie in München gestellt.

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© Foto: pixabay

Das sind die Pläne der OB-Kandidaten

Den drei aussichtsreichsten Kandidaten für den Posten des Oberbürgermeisters, Dieter Reiter (SPD), Kristina Frank (CSU) und Katrin Habenschaden (Die Grünen) stellen wir DIE Fragen, die München am meisten bewegen. Schwerpunkt heute ist das Thema „Familie in München". 


Den großen Kandidatencheck hörst du nur bei uns - die ganze Woche, jede Stunde, immer um zwanzig vor - nur bei 95.5 Charivari Münchens Hitradio.


Hier gibt' die Interviews zum Anhören oder Nachlesen:

Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Familienfreundliches München"

Familie in der Stadt - etwas sehr wichtiges und schönes. Aber ist München denn generell familienfreundlich oder hat sich da was zum Negativen geändert? Was würden Sie vorschlagen, damit München noch familienfreundlicher wird?

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Dieter Reiter, SPD: "Naja, an unserer Beliebtheit hat sich nichts geändert. Die Abstimmung mit den Füßen zeigt uns jedes Jahr durch unseren Zuwachs an Bevölkerung, dass wir tatsächlich wachsen. Das heißt, es kann nicht daran liegen, dass wir besonders günstig sind, es muss schon wegen der großen Beliebtheit sein. Wir haben auch wie gesagt einen hohen Geburtenüberschuss, das heißt die Menschen fühlen sich auch wohl in unserer Stadt. Wir als Stadt, als Politik müssen einfach die Rahmenbedingungen so gut es geht verbessern, ein bisschen die Luft rausnehmen aus dem finanziellen Druck, den jede Familie in dieser Stadt verspürt. Für mich war da ganz wichtig, eben die Kindergartengebühren abzuschaffen, das waren mehrere 100 Euro netto im Monat, die Familien mit Kindern, die bisher ihre Kinder in den Kindergarten geschickt haben, jetzt mehr im Geldbeutel haben. Und solche Kleinigkeiten wie kostenlosen Bädereintritt  und solche Geschichten, werden wir auch in Zukunft machen."

Kristina Frank, CSU:  "Ich glaube München ist nicht wirklich familientauglich. München ist eine riesen Herausforderung für jede Familie: ob es bei der Suche nach einem Kita-Platz ist, ob es ist, weil man nach der Schule plötzlich das Kind um 11:15 Uhr zu Hause hat. München ist wahnsinnig teuer, beide Eltern müssen arbeiten und da müssen wir deutlich mehr tun. Und ich glaube, dafür braucht es auch eine weibliche Handschrift in der Stadt, weil ich glaube, dass genau aus dem Grund - weil München immer männlich regiert wurde - nicht ausreichend Wert auf genau diese Aspekte gelegt worden sind."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Gerade Familien haben es in München wirklich nicht leicht. Die haben eben die hohen Lebenshaltungskosten, die hohen Mieten, dazu kommt dann noch die verzweifelte Suche nach einem Betreuungsplatz für die Kinder. Es gibt Wartelisten sowohl bei den Musikschulen als auch bei den Sportvereinen und es gibt auch viele Unternehmen, die nehmen nicht gerade Rücksicht auf zwei berufstätige Eltern. Ich bin ja auch Mama von zwei Kindern und ich weiß was Familien in München abverlangt wird. Und ich möchte deswegen mehr bedarfsgerechte Betreuungsplätze und so eben auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erhöhen. Ja und einfach auch mehr Wertschätzung für Menschen, die Verantwortung für Kinder übernehmen, sei es in ihrem Beruf oder sei es als Eltern - das würde ich mir ganz generell mal wünschen."

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Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Kitas in München"

Leidiges Dauerthema sind ja Kindergarten- und Kitaplätze. München tut da zwar wirklich viel, kommt aber trotzdem kaum hinterher. Wo hakt es denn da noch und was würden Sie als OB verbessern?

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Dieter Reiter, SPD: "Das Hauptproblem ist tatsächlich, qualifizierte Erzieherinnen und Erzieher zu finden, obwohl wir schon mehr bezahlen, als wir eigentlich im Vergleich zahlen müssten. Wir haben kein Problem damit, Hardware zu schaffen, das heißt Kindergärten zu bauen. Insgesamt geht es darum für mich, die Qualität nicht zu verschlechtern - das heißt, eine Option, die es gäbe, nämlich die Gruppen zu vergrößern, sehe ich nicht. Sie müssen einfach alles tun, um Personal zu akquirieren, deswegen wird es in Zukunft dann auch sowas wie Wohnungen für Erzieherinnen und Erzieher geben. Genossenschaften, die speziell für Sozialberufe da sind, damit das wichtigste Problem, das Menschen in München haben, nämlich wie kann ich mir die Miete leisten, damit das gelöst werden kann. Dann habe ich Hoffnung, dass der wunderbare Job von Erzieherinnen und Erziehern auch wieder Zukunft hat und wir unsere Kindertagesstätten tatsächlich auch mit vernünftigem, qualifiziertem Personal bestücken können."

Kristina Frank, CSU: "In den vergangenen fünf Jahren haben wir schon wahnsinnig viele zusätzliche Kita- und Kindergartenplätze geschaffen, aber da ist noch deutlich Luft nach oben. Wir haben die Kitagebühren abgeschafft, damit wir in München uns die Stadt wieder besser leisten können, wir brauchen aber noch ganz viel mehr. Wir brauchen Mini-Kitas, damit wir auch Flächen nutzen, die man sonst nicht nutzen kann. Wir brauchen Notfallmaßnahmen, was passiert denn wenn das Kind krank ist oder wenn möglicherweise die Kita zu ist, weil dort ein Virus herrscht. Und da brauchen wir für die Familien noch ein viel besseres Backup, weil wir als Stadt es den Familien ermöglichen müssen in Ruhe und mit gutem Gefühl ihrem Job nachgehen zu können."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Es gibt ja mittlerweile nicht mehr zu wenig Kitas, es gibt einfach zu wenig Personal für die Kitas. In München fehlen um die 200 Erzieherinnen und Erzieher und auch Kinderpfleger/innen sind mittlerweile schon rar. Und deswegen müssen viele Eltern ihr Kind in Einrichtungen bringen, die entweder in einem ganz anderen Stadtviertel liegen, was dann wieder Verkehr generiert und Stress oder eben in private und ganz teure Einrichtungen. Und ich möchte, dass die Stadt allen Eltern ein Betreuungsangebot macht, das auch wirklich dem ganz persönlichen Bedarf entspricht. Was wir dafür tun müssen, ist natürlich, dass wir den Beruf der Erzieherin, des Erziehers massiv aufwerten und auch neue schnellere Wege bei der Ausbildung gehen."

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Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Wohnen für Familien in München"

Wir hatten das ja schon mal in unserem Themenblock Wohnen: Mit der Familie in der Stadt zu wohnen, ist nicht so leicht heutzutage - vor allem wird es halt immer teurer. Wie wollen Sie sich speziell als künftiger OB für Familien einsetzen?

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Dieter Reiter, SPD: "Zum einen geht es darum, bei den Wohnungsgrößen zu differenzieren - wir brauchen natürlich auch familiengerechte Wohnungen. Zum anderen geht's darum, dass wir als Stadt, als öffentlicher Dienst, als öffentliche Hand natürlich bezahlbare Wohnungen schaffen müssen. Und zum Dritten geht es für mich schon auch darum, mit den Investoren und den Projektentwicklern zu diskutieren, ob wir denn in Zukunft nicht mehr bezahlbare Wohnungen dort schaffen müssen, wo wir selber als Kommune Planungsrecht schaffen und damit auch die Möglichkeit geben, Wohnungen zu bauen. Das sind die Dinge, die wir anpacken müssen, die wir schon angepackt haben, aber verstärkt noch anpacken müssen in den nächsten Jahren, damit Familien Wohnungen in dieser Stadt finden und das ist tatsächlich das Kernproblem. Niemand bestreitet, dass es bei uns schön ist."

Kristina Frank, CSU: "München wird tatsächlich immer teurer und wir brauchen deswegen nicht nur die Abschaffung der Kitagebühren und der Kindergartengebühren, wie wir sie jetzt vorgenommen haben. Wir brauchen noch viele weitere Schritte, zum Beispiel einen freien Eintritt für Kinder in Schwimmbäder und zwar nicht nur in die Freibäder, sondern auch in die Hallenbäder. Wir brauchen Sportvereine, die Platz haben, um wieder Tore zu schießen, um es den Familien zu ermöglichen, dass die Kinder sich auch in ihrer Freizeit einfach sportlich engagieren. Und wir brauchen Musikschulen, die endlich wieder Plätze zum Musizieren anbieten."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Familien und vor allen Dingen aber eben auch Alleinerziehende, die haben es in München schon ganz schön schwer. Kinder, Job und Haushalt unter einen Hut zu bringen, das ist eigentlich schon Herausforderung genug und dann kommen dazu noch die hohen Mieten und das schlechte Betreuungsangebot. Als Oberbürgermeisterin möchte ich deswegen Menschen mit Kindern gezielt unterstützen, übrigens ganz unabhängig von ihrer Lebensformen. Als Oberbürgermeisterin werde ich deswegen den Ausbau der Kitas und auch der Ganztagesplätze in den Schulen forcieren, ich möchte ein kostenloses ÖPNV Ticket für Kinder und für Jugendliche. Und ich möchte auch eine Stadtplanung, die sich an den Bedürfnissen von Familien ausrichtet und Kindern und aber auch Jugendlichen mehr Freiraum in dieser Stadt gibt."

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Das sagen die OB-Kandidaten zum Thema "Schule in München"

Thema Schule: Viele Münchner Schulgebäude sind marode und da sagen die Eltern natürlich mit recht, das passt irgendwie nicht zu einer der reichsten Großstädte Deutschlands. Kürzlich wurde ja ein recht großes Sanierungspaket beschlossen, aber reicht das aus? Was schlagen Sie als künftiger OB vor?

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Dieter Reiter, SPD: "Also ich glaube, wir sind auf einem guten Weg. Wir haben fast neun Milliarden Euro beschlossen, um Schulen zu bauen und Schulen zu sanieren. Ich habe mich ja vor vielen Jahren damit befassen dürfen, dass Schultoiletten in einem schlechten Zustand sind. Wir haben dann daraufhin, auf meine Bitte hin, alle Schultoiletten saniert und ich glaube, wir sind da auf einem guten Weg. Es wird ein Dauerzustand bleiben, weil sich Schulen auch wieder abnutzen natürlich. Das heißt, wir werden ständig im Grunde dafür sorgen müssen, dass unsere Kinder vernünftige Rahmenbedingungen haben. Das liegt mir am Herzen - ich habe selber drei Kinder und Enkel und deswegen ist es wichtig für uns. Denn jede Investition, die wir für unsere Kinder tätigen, ist er gute Investition, deswegen werden wir auch weiterhin viel Geld dafür in die Hand nehmen."

Kristina Frank, CSU: "2014 haben wir im Wahlkampf das Thema marode Schultoiletten rauf und runtergespielt, weil es wirklich aus jeder Toilette nur noch so gemieft hat. Und das ist der Effekt, den wir jetzt haben - das größte Schulbauprogramm der gesamten Bundesrepublik. Hier in München über sechs Milliarden Euro schwer. Wir bauen neue Schulen, wir sanieren Schulen, wir sind auf einem sehr guten Weg. Aber was Rot-Grün 24 Jahre lang verschlafen hat, das können wir halt nicht innerhalb von fünf Jahren einfach so aufholen."

Katrin Habenschaden, Die Grünen: "Es gibt inzwischen drei Schulbauprogramme im Volumen von mehreren Milliarden Euro und in der Tat wurde vorher zu wenig in die Schulen investiert. Das wurde noch unter Rot-Grün erkannt und eben dieses große Investitionsprogramm beschlossen. Das Problem ist nur, wir können natürlich nicht alle Schulen, Sporthallen und Schwimmhallen gleichzeitig fertigstellen. Sie wissen, dass Handwerks- und Baubetriebe sehr gefragt sind und die Planungen können auch nicht alle parallel abgewickelt werden. Aber der eingeschlagene Weg, den wir gerade gehen als Landeshauptstadt München, ist der Richtige."