"Die Südkurve, sie steht"
Stoiber sorgt bei der CSU in Passau für Besucherzuwachs - Seehofer gibt sich staatsmännisch

Passau (dapd-bay). Eines weiß der frühere CSU-Chef Edmund Stoiber auch fünf Jahre nach seinem Rückzug aus der Tagespolitik noch recht gut: Wie er seine Parteifreunde in Stimmung bringt. "Die Südkurve, sie steht!", ruft der Ex-Ministerpräsident in die überfüllte Dreiländerhalle, und mehr als 4.000 CSU-Anhänger antworten ihm mit frenetischen "Edmund, Edmund"-Rufen.
Der CSU-Ehrenvorsitzende war am Mittwoch als Gastredner zur 60. Aschermittwochskundgebung der CSU in Niederbayern gekommen, um Horst Seehofer zu unterstützen. Der Parteichef hatte sich bekanntlich im Vorfeld als kommissarisches Staatsoberhaupt parteipolitische Zurückhaltung für seinen Auftritt in Passau verordnet.
Schon um 8.00 Uhr morgens warteten viele CSU-Anhänger in der Kälte vor der Halle auf Einlass. Mitarbeiter der CSU-Landesleitung berichteten, dass die Nachricht von Stoibers Auftritt in den vergangenen Tagen noch einmal für einen Schub bei den Kartenbestellungen gesorgt hatte. Beobachter schätzten, dass sich am Mittwoch mehr als 4.000 CSU-Anhänger in der Halle drängten - deutlich mehr als im vergangenen Jahr.
Die Werbestrategen der Partei hatten auf das Stoiber-Fieber schnell reagiert. Auf allen Biertischen lagen beidseitig bedruckte Jubelplakate. Auf der einen Seite war "Seehofer wunderbar" zu lesen, auf der anderen wurde "Stoiber Superstar" gefeiert.
Dabei waren bei manchen der CSU-Fans vor der Halle die Erwartungen an den reaktivierten Stoiber noch eher gering: "Was der Seehofer in einem Satz sagt, dafür braucht der Stoiber fünf Minuten", witzelte CSU-Mitglied Klaus Schott, der aus Kulmbach in Oberfranken nach Niederbayern reiste.
Parteichef Seehofer ging ironisch mit seiner Funktion als kommissarisches Staatsoberhaupt um. In Schloss Bellevue sei die Amtssprache in den kommenden Wochen "ein bisschen bayerisch eingefärbt". Aber, meinte der launige Seehofer: "Es hat Deutschland noch nie geschadet, wenn die Bayern ihre Finger im Spiel hatten."
Die im Vorfeld von der SPD erhobene Forderung an Seehofer, ganz auf seinen Auftritt zu verzichten, wies der Parteichef unter dem Jubel seiner Anhänger vehement zurück: "Der Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende gehört heute zu Euch nach Passau."
Wie versprochen, verzichtete Seehofer in seiner nicht einmal 60-minütigen Ansprache auf Breitseiten gegen die politischen Kontrahenten. Vielmehr begnügte er sich nach einem "Grüß Gott im gelobten Land!" mit einer Aufzählung bayerischer Erfolge in der Haushalts-, Schul- und Familienpolitik.
Allerdings versäumte Seehofer auch als kommissarisches Staatsoberhaupt nicht, erneut eine Neuordnung des Länderfinanzausgleichs zu fordern. Bayerns Solidarität mit den anderen Ländern dürfe nicht überstrapaziert werden, mahnte der CSU-Chef unter großem Beifall.
Seehofers Rede dauerte nur gute 50 Minuten, im vergangenen Jahr hatte er doppelt so lange gesprochen. Der mehrminütige Applaus nach Seehofers Rede ging nahtlos in "Edmund, Edmund"-Rufe über.
Der Ehrenvorsitzende zeigte sich geschmeichelt von dem Empfang. Gerne sei er noch einmal von der Zuschauertribüne gestiegen, "wenn mich die Mannschaftsführung bittet, nach Passau zu kommen."
Auch Stoiber verzichtete darauf, die politischen Gegner direkt zu attackieren. Er beließ es bei spöttischen Grüßen "an die kleineren Veranstaltungen" in Niederbayern.
Der frühere Ministerpräsident ermahnte seine Parteifreunde, den "bundesweiten und europaweiten Anspruch der CSU" nicht aus den Augen zu verlieren. Eindringlich rief er die Partei zu Geschlossenheit auf. "Dann kann uns keiner in irgendeiner Weise gefährlich werden."
Die CSU-Anhänger in der Dreiländerhalle hörten die Botschaft gerne. Nach Stoibers einstündiger Rede sangen sie: "So ein Tag, so wunderschön wie heute."
dapd









